BASF

Die bisherigen Konkurrenten Wintershall und Dea haben ihre Fusion besiegelt, teilte Wintershall-Mutterkonzern BASF mit.

(Foto: dpa)

BASF einigt sich mit Letter One Wintershall und Dea besiegeln Fusion – deutscher Ölkonzern ist perfekt

Die zwei Öl- und Gasproduzenten schließen sich nach monatelangen Verhandlungen zusammen. Mittelfristig soll das neue Unternehmen an die Börse.
Update: 28.09.2018 - 09:51 Uhr Kommentieren

DüsseldorfDeutschland bekommt einen schlagkräftigen Öl- und Gaskonzern: Die beiden bislang konkurrierenden Unternehmen Wintershall und Dea haben ihre monatelangen Verhandlungen beendet und ihre Fusion besiegelt. Das teilte der Wintershall-Mutterkonzern BASF am späten Donnerstagabend mit.

Der Chemiekonzern hatte zuvor eine verbindliche Vereinbarung mit Dea-Eigner Letter One unterzeichnet. BASF wird zunächst 67 Prozent der Stammaktien an Wintershall DEA halten, Letter One 33 Prozent. Mittelfristig ist der Börsengang des neuen Unternehmens geplant. BASF muss durch die Trennung seine Prognose für 2018 senken.

Gemessen an den Ölmultis wie Shell, BP oder Exxon ist das neue Unternehmen Wintershall Dea zwar nur ein Nischenspieler, es hat aber eine starke Präsenz in wichtigen Märkten wie der Gasproduktion in Russland.

„Mit Wintershall Dea wird das führende unabhängige europäische Explorations- und Produktions-Unternehmen mit internationalen Aktivitäten in Kernregionen entstehen“, sagte Hans-Ulrich Engel, stellvertretender Vorstandsvorsitzender und Finanzvorstand der BASF. Im Jahr 2017 hatte das kombinierte Geschäft von Wintershall und DEA einen Pro-forma-Umsatz in Höhe von 4,7 Milliarden Euro. Das Ergebnis der Betriebstätigkeit vor Abschreibungen (Ebitda) hätte bei 2,8 Milliarden Euro gelegen und der Jahresüberschuss nach Anteilen anderer Gesellschafter bei 740 Millionen Euro.

Wintershall und DEA wären 2017 pro forma auf eine Öl- und Gasproduktion von insgesamt 210 Millionen Barrel Öläquivalent (BOE) gekommen. Dies entspricht einer täglichen Fördermenge von rund 575.000 BOE. Mittelfristig – für den Zeitraum von 2021 und 2023 – strebt das neue Unternehmen eine Tagesproduktion von 750.000 bis 800.000 BOE an.

Wintershall und Dea hatten ihre Fusionspläne bereits Ende vergangenen Jahres bekannt gegeben, aber Monate lang die Konditionen ausgehandelt. Im ersten Halbjahr 2019 soll die Transaktion nun abgeschlossen werden, wenn die Fusionskontroll-, Auslandsinvestitions- und Bergbaubehörden in diversen Ländern sowie die Bundesnetzagentur den Deal billigen. Bis zu diesem Zeitpunkt sollen Wintershall und DEA als voneinander unabhängige Unternehmen weitergeführt werden.

Wintershall Dea erhofft sich vom dritten Jahr nach dem Abschluss der Transaktion an Synergien von mindestens 200 Millionen Euro pro Jahr. Vorstandsvorsitzender und Chief Executive Officer (CEO) von Wintershall DEA wird der bisherige Wintershall-Chef Mario Mehren. Die bisherige Dea-Chefin Maria Moraeus Hanssen wird im neuen Unternehmen stellvertretende Vorstandsvorsitzende und Chief Operating Officer.

Darüber hinaus sollen dem fünfköpfigen Vorstand von Wintershall DEA Thilo Wieland, Vorstandsmitglied von Wintershall, und Hugo Dijkgraaf, Managing Director Wintershall Norge, angehören. Ein Finanzvorstand soll später bestimmt werden. Wintershall Dea wird die Hauptverwaltungsstandorte in Kassel und Hamburg behalten.

Zäsur für BASF

Die Aufteilung der Stammanteile entspricht dem Wert der jeweiligen Explorations- und Produktionsaktivitäten von Wintershall und DEA. Weil Wintershall zusätzlich ein umfangreiches Gastransportgeschäft einbringt, unter anderem die Beteiligung an Nord Stream, wird BASF zusätzliche Vorzugsanteile erhalten. Spätestens 36 Monate nach dem Zusammenschluss und in jedem Fall vor einem Börsengang sollen diese Vorzugsanteile in Stammanteile von Wintershall DEA umgewandelt werden. Damit wird sich der Anteil von BASF an Wintershall DEA auf 72,7 Prozent erhöhen.

Dea hat derzeit rund 1.150 Mitarbeiter und ist an Produktionsstandorten und Konzessionen in Deutschland, Norwegen, Dänemark, Ägypten, Algerien und Mexiko beteiligt.

Wintershall, mit Hauptsitz in Kassel, hat etwa 2000 Mitarbeiter und ist in der Exploration und Produktion in öl- und gasreichen Regionen in Europa, Russland, Südamerika, Nordafrika und im Nahen Osten tätig. Gemeinsam mit Gazprom ist Wintershall auch im Transport von Erdgas in Europa aktiv.

Für BASF ist der Rückzug aus dem Öl- und Gasgeschäft ein Zäsur. Der Chemiekonzern blickt auf eine mehr als 100-jährige Tradition in der Produktion von fossilen Rohstoffen. Sie begann bereits 1907 mit der Übernahme der Kohlezeche Auguste Victoria und wurde Ende der 1960er-Jahre mit dem Erwerb von Wintershall fortgesetzt. BASF wollte damit die eigene Versorgung mit den in der Chemie entscheidenden Rohstoffen Öl- und Gas sicherstellen.

Zuletzt spielte das Öl- und Gasgeschäft aber im Konzern nur noch eine untergeordnete Rolle: 2017 kam die Sparte auf einen Umsatz von 3,2 Milliarden Euro und ein Ebit von einer Milliarde Euro. Das entspricht zwölf Prozent des gesamten operativen Gewinns von BASF.

Die Trennung folgt dem strategischen Wandel, den der Chemiekonzern eingeleitet hat. Das Portfolio wird stärker auf konjunkturstabile Spezialchemie ausgerichtet, was BASF mit mehrere Zukäufen unterstrich. Bestes Beispiel ist der Kauf der Pflanzenschutz- und Saatgutgeschäfte, die Bayer im Zuge der Monsanto-Übernahem aus kartellrechtlichen Gründen abgeben musste. BASF zahlte rund 7,6 Milliarden Euro für Agrarchemie-Teile.

Die Trennung von Wintershall führt kurzfristig dazu, dass BASF seine Jahresprognose senken muss. Denn rückwirkend zum 1. Januar 2018 wird das Öl- und Gasgeschäft nur noch als nicht-fortgeführtes Geschäft bilanziert. BASF erwartet nun beim Betriebsgewinn (Ebit) einen deutlichen Rückgang im Vergleich zu den 7,6 Milliarden Euro aus dem Vorjahr. Der Umsatz soll hingegen weiterhin leicht auf mehr als 61 Milliarden Euro steigen.

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