BASF Öl-Misere lässt Gewinn einbrechen

Die niedrigen Preise für Öl und Gas lasten schwer auf dem BASF. Wertberichtigungen drücken den Gewinn des Chemieriesen um mehr als eine Milliarde Euro. Auch die Prognose fällt düster aus, die Aktie sackt ein.
Update: 27.01.2016 - 12:48 Uhr
Der Verfall der Öl- und Gaspreise schlägt sich in der Bilanz der Ludwigshafener nieder. Quelle: dpa
BASF

Der Verfall der Öl- und Gaspreise schlägt sich in der Bilanz der Ludwigshafener nieder.

(Foto: dpa)

FrankfurtDie einstige Gewinnstütze Wintershall wird für den weltgrößten Chemiekonzern BASF zum Bremsklotz. Wegen des Absturzes der Ölpreise fallen bei der Öl- und Gastochter Wertberichtungen von über eine halbe Milliarde Euro an. Bei BASF bricht deshalb der Gewinn ein. Wie das Ludwigshafener Unternehmen am Mittwoch überraschend mitteilte, fiel das Ergebnis vor Zinsen und Steuern im vergangenen Jahr um 1,4 Milliarden auf 6,2 Milliarden Euro. Vorstandschef Kurt Bock hatte zuletzt lediglich einen leichten Rückgang in Aussicht gestellt. Bereinigt um Sondereinflüsse fiel der Betriebsgewinn um acht Prozent auf 6,7 Milliarden Euro.

„Für 2016 haben sich damit die Vorzeichen für BASF nochmal verschlechtert“, sagte Analyst Oliver Schwarz von MM Warburg. Abschreibungen in diesen Größenordnungen seien nicht erwartet worden. An der Börse verloren BASF-Aktien mehr als drei Prozent auf gut 60 Euro und gehörten zu den größten Verlierern im Leitindex Dax. BASF-Chef Bock hatte bereits im Herbst sein ursprüngliches Gewinnziel wegen des rasanten Verfalls des Ölpreises und schwacher Geschäfte in wichtigen Schwellenländern wie China und Brasilien kassiert.

Bock ging damals noch von einem Ölpreis von 55 Dollar pro Barrel aus. Seitdem ist der Ölmarkt allerdings weiter in die Knie gegangen und der Preis für Öl um mehr als ein Drittel gefallen. Der Preis für ein Fass der für den Weltmarkt bedeutsamen Nordseesorte Brent sackte zuletzt auf unter 28 Dollar ab. Öl war damit so billig wie seit 2003 nicht mehr.

Nun legt Bock nochmal nach. Er erwartet jetzt, dass die Öl- und Gaspreise 2016 auf niedrigem Niveau bleiben werden und reduzierte auch seine Erwartungen für die Folgejahre. Das führte zu Wertberichtigungen von rund 600 Millionen Euro. Zu schaffen machen BASF zudem niedrigere Renditen im Geschäft mit petrochemischen Erzeugnissen, bei denen Öl Ausgangsprodukt ist. Dort setzen dem Unternehmen vor allem eine niedrigere Nachfrage in Nordamerika bei anhaltend hohem Angebot auf dem Weltmarkt zu, nachdem der Bereich im dritten Quartal noch von höheren Renditen in Europa profitiert hatte.

Öl aus Libyen, Styropor und die Kompaktkassette
Firmengründer Friedrich Engelhorn
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Der Leuchtgasfabrikant Friedrich Engelhorn gründet im April 1865 in Mannheim mit Partnern die Aktiengesellschaft „Badische Anilin- & Soda-Fabrik“ (BASF). Sie soll aus Steinkohlenteer synthetische Farbstoffe gewinnen. Doch Mannheim bleibt Engelhein nur sehr kurz treu.

Konzession
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Denn Subventionen locken ihn schon unmittelbar nach Gründung nach Ludwigshafen. Datiert auf den 8. Mai 1865 ist eine Konzession für die Badische Anilin- und Soda-Fabrik.

BASF-Stammwerk 1866
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In den Anfangstagen reichte das Werk in Ludwigshafen noch nicht bis ans Rhein-Ufer. Doch die Schlote qualmten auch damals schon.

Auslandsexpansion
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Auch die Auslandsexpansion gehört schon früh zur Geschäftsstrategie von BASF. Das Bild zeigt eine Fabrik in Moskau im Jahr 1877.

Stammwerk Ludwigshafen, 1881
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Schon wenige Jahre nach der Gründung folgen die ersten Zukäufe. Sehr schnell übernehmen neben den Kaufleuten die Chemiker und Ingenieure eine tonangebende Rolle im Unternehmen – und treiben die Expansion mit bahnbrechenden Neuerungen voran, mit Herstellverfahren etwa für Farbstoffe, Schwefelsäure oder später dem Haber-Bosch-Verfahren, das die Düngemittelproduktion revolutionierte.

Werk in Ludwigshafen, 1901
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Das rasante Wachstum der Firma lässt sich am Wachstum des Werksgeländes in Ludwigshafen ablesen.

Forschung wird zum Erfolgsfaktor
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Aufbau einer Produktionsanlage im Jahr 1913 in Oppau, nahe Ludwigshafen. Ab 1908 beginnt die BASF nach grundlegenden Arbeiten des Karlsruher Professors Fritz Haber unter Leitung von Carl Bosch mit der Realisierung der Ammoniaksynthese im industriellen Maßstab.

Für Chemieunternehmen bedeutet ein sinkender Ölpreis zwar niedrigere Rohstoffkosten, denn um Chemikalien oder Kunststoffe herzustellen, benötigt die Branche jedes Jahr über 16 Millionen Tonnen Rohbenzin. Die eingesparten Milliardenbeträge kommen den Gewinnen der Konzerne jedoch nicht zu Gute: Wegen des enormen Wettbewerbsdrucks werden sie in der Regel von ihren Kunden unmittelbar zu Preissenkungen gezwungen. „Die Schwankungen der Ölpreise sind Gift fürs Chemiegeschäft“, fasst der Chefvolkswirt des Verbands der Chemischen Industrie, Henrik Meincke, zusammen.

Das bekommt auch BASF zu spüren. Der Konzern besitzt mit der in Kassel ansässigen Tochter Wintershall einen eigenen Öl- und Gasförderer. Zu Zeiten hoher Ölpreise hatte sich Wintershall als Gewinnstütze erwiesen. 2008, als der Ölpreis bei knapp 150 Dollar ein Rekordhoch markiert hatte, trug alleine das Öl- und Gasgeschäft mehr als die Hälfte zum Gewinn bei. 2014 war es noch ein Viertel. Das zu Wintershall gehörende Gashandelsgeschäft, das kürzlich in einem Milliarden-Tauschgeschäft an die russische Gazprom ging, bereitete BASF zuletzt mit niedrigeren Renditen wenig Freude. Die Abtrennung des Gashandels- und Speichergeschäfts sorgt 2015 für einen Umsatzrückgang um fünf Prozent auf 70,4 Milliarden Euro. Die vollständige Jahresbilanz will BASF am 26. Februar veröffentlichen.

  • rtr
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