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Baubranche Heidelberg Cement im Bilanzcheck – Der neue Chef hat genügend Baustellen

Negative Währungseffekte und steigende Rohstoffkosten drücken die Margen, doch 2019 könnte es für den Zement-Konzern wieder besser aussehen.
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Der Baukonzern befindet sich in einem schwierigen Umfeld, hat aber bereits einen klaren Fahrplan. Quelle: dpa
HeidelbergCement

Der Baukonzern befindet sich in einem schwierigen Umfeld, hat aber bereits einen klaren Fahrplan.

(Foto: dpa)

Frankfurt, Stuttgart Seit mehr als 14 Jahren steht Bernd Scheifele an der Spitze von Heidelberg Cement und führt den größten deutschen Baustoffhersteller im fliegenden Rhythmuswechsel von Expansion und Konsolidierung. Doch ausgerechnet in seinem letzten Amtsjahr muss er wieder einmal auf die Bremse treten. Statt Konzernausbau stehen beim zweitgrößten Zementhersteller der Welt Effizienzsteigerung, Desinvestitionen und Schuldenabbau im Vordergrund.

Für Scheifele geht es nicht nur darum, seinem designierten Nachfolger Dominik von Achten im kommenden Februar einen operativ gestärkten Konzern zu übergeben. Die Herausforderung für den dienstältesten Chef eines Dax-Unternehmens besteht auch darin, Vertrauen bei jenen Investoren zurückzugewinnen, die er im Oktober mit der ersten Gewinnwarnung seiner Karriere stark verunsichert hat.

Statt mit einem moderaten Anstieg des operativen Ertrags vor Abschreibungen beendete der Baustoffriese das Jahr 2018 mit einem leichten Ebitda-Rückgang. Negative Währungseffekte, ungünstige Witterungseinflüsse in Nordamerika und ein unerwartet kräftiger Anstieg der Energiekosten machten die ursprünglichen Prognosen zunichte. Die Börsenreaktion fiel heftig aus. Mit 41 Prozent Kursrückgang im Gesamtjahr gehörte die Heidelberg-Cement-Aktie 2018 zu den schwächsten Werten im Dax.

Mit dem Jahresabschluss, den Scheifele am Donnerstag zur Hauptversammlung präsentiert, lässt sich das Ausmaß der Börsenreaktion indessen kaum erklären. Das Jahr 2018 entwickelte sich für den Heidelberger Konzern zwar schwieriger als erwartet, aber keineswegs katastrophal. Der Konzern ist organisch vielmehr sogar kräftig gewachsen und konnte Umsatz und Nettogewinn weiter steigern.

„In seiner 145-jährigen Geschichte hat unser Unternehmen nie mehr Zement, Beton, Sand und Kies verkauft als 2018“, sagte Scheifele. Insgesamt legten die Erlöse nominal um relativ kräftige fünf Prozent und währungsbereinigt sogar um acht Prozent zu.

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Die Ertragsentwicklung zeigt dagegen ein zwiespältiges Bild: Das operative Ergebnis vor Abschreibungen (Ebitda) lag trotz der günstigen Umsatzentwicklung mit 3,1 Milliarden Euro um rund sieben Prozent unter dem Vorjahresniveau. Das „Ergebnis des laufenden Geschäftsbetriebs“, das einem um Sonderfaktoren bereinigten Betriebsgewinn (Ebit) entspricht, sank um neun Prozent auf knapp zwei Milliarden Euro.

Der Anstieg der Energiekosten hat sich dabei vor allem in Europa deutlich negativ niedergeschlagen, gleichzeitig wurde das umfangreiche US-Geschäft durch die Abwertung des Dollars und schlechte Witterungsbedingungen belastet.

Marge unter Druck

Insgesamt ist Heidelberg Cement damit zwar stärker gewachsen als der große Konkurrent und Branchenführer Lafarge-Holcim, dessen Erlöse auf Euro-Basis um knapp drei Prozent auf knapp 24 Milliarden Euro schrumpften. Gleichzeitig verbuchten die Heidelberger aber einen etwas stärkeren Gewinnrückgang als der Schweizer Konkurrent. Der Renditeabstand hat sich daher wieder vergrößert.

Während sich bei Lafarge-Holcim die bereinigte Ebitda-Marge nur geringfügig auf 21,9 Prozent verschlechterte, sank sie bei Heidelberg Cement immerhin um zwei Punkte von 19 auf 17 Prozent, und damit auf das Niveau von 2012. Das spricht dafür, dass die letzte große Übernahme, der Kauf von Italcementi vor drei Jahren, letztlich noch keinen verlässlichen Weg zur Margensteigerung garantiert.

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Auch die Kapitalrenditen haben sich verschlechtert, wenn auch nicht so stark. Die Gesamtkapitalrendite, gemessen am Ebit in Relation zur Bilanzsumme, sank von 5,9 auf 5,8 Prozent. Die Rendite auf das eingesetzte Kapital (ROIC) von 7,2 auf 6,9 Prozent, reichte damit aber nach Kalkulation des Unternehmens weiterhin, um die Kapitalkosten zu verdienen.

Unterm Strich sehen die Zahlen zudem weitaus günstiger aus: Immerhin lag der Konzern-Nettogewinn mit 1,3 Milliarden Euro um gut ein Fünftel über dem Vorjahreswert. Der Eigenanteil am Konzerngewinn, also der Teil des Reingewinns, der den Heidelcement-Aktionären zusteht, stieg sogar um 24 Prozent auf 1,14 Milliarden Euro.

Trotz der operativen Schwäche bereitet es dem Konzern denn auch keine Probleme, die um weitere 20 Cent erhöhte Dividende von 2,10 Euro aus dem Nettogewinn zu bestreiten. An die Anteilseigner, darunter Ludwig Merckle als größter Einzelaktionär (mit 26,7 Prozent Anteil), fließen damit zusammen rund 417 Millionen Euro. Das entspricht einer Ausschüttungsquote von lediglich 36,5 Prozent, was für die nächsten Jahre noch einigen Spielraum nach oben bietet.

Für die Diskrepanz zwischen operativem Ertragstrend und der Entwicklung des Nettogewinns sind mehrere Faktoren verantwortlich. Zum einen verbuchte der Heidelberger Konzern einen deutlich besseren Saldo beim „zusätzlichen ordentlichen Ergebnis“, bedingt vor allem durch rückläufige Restrukturierungskosten und höhere Erträge aus kleineren Desinvestitionen. Zum anderen verringerte sich auch der Zins- und Steueraufwand spürbar.

Der scheidende Vorstandsvorsitzende von HeidelbergCement sagt: „Solidarität geht vor.“ Quelle: dpa
Bernd Scheifele

Der scheidende Vorstandsvorsitzende von HeidelbergCement sagt: „Solidarität geht vor.“

(Foto: dpa)

Auf die Kapitalflussrechnung haben diese Faktoren dagegen kaum durchgeschlagen. Der operative Cashflow sank um gut drei Prozent, der Free Cashflow um ein Zehntel auf gut 900 Millionen Euro. Nach Dividendenzahlungen und einem leicht negativen Saldo aus Zukäufen und Desinvestments, verblieben gut 300 Millionen Euro zur Schuldentilgung. Die Netto-Finanzverschuldung sank dadurch zwar von 8,7 auf knapp 8,4 Milliarden Euro. Als Folge des rückläufigen operativen Gewinns verschlechterte sich indessen der Verschuldungsgrad in Relation zum Ebitda von 2,6 auf 2,7.

Sinkende Personalkosten

Was die Optimierung der internen Struktur angeht, bewegt sich der Konzern weiter auf dem richtigen Kurs. Die Personalkostenquote sank 2018 von 17,3 auf 16,8 Prozent und liegt damit knapp einen Punkt unter dem Niveau direkt nach der Übernahme von Italcementi.

Zusätzliche Reaktionsfähigkeit demonstriert das Management mit seinem neuen, im Oktober gestarteten Aktionsplan. Vorgesehen ist unter anderem die Senkung der Verwaltungskosten um rund 100 Millionen Euro, was für sich genommen etwa einem halben Prozentpunkt Renditeverbesserung entsprechen würde. Rückenwind erwartet Scheifele zudem bei den Energiekosten, die um rund 60 Millionen Euro sinken sollen. Weiter leicht zurückgehen dürfte auch der Zinsaufwand.

Die vorsichtig zuversichtliche Prognose für das laufende Jahr erscheint daher trotz wachsender Konjunkturrisiken nicht unrealistisch. Insgesamt stellt der Baustoffhersteller für 2019 ein „moderates“ Wachstum von Umsatz, Betriebsergebnis und Jahresüberschuss in Aussicht. Dazu sollen auch höhere Absatzmengen und Preisanhebungen beitragen. Der Gewinn soll bereinigt um 3 bis 9 Prozent steigen. Die Ausschüttungsquote soll sich bei 40 bis 45 Prozent bewegen. Damit wäre wohl eine weitere Dividendenanhebung vorgezeichnet.

Die Arbeit an der Bilanz verspricht Fortschritte, zumindest auf vergleichbarer Basis. Nachdem man sich im vergangenen Jahr von Assets im Volumen von knapp 600 Millionen Euro trennte, stehen bis 2020 weitere Desinvestments im Umfang von einer Milliarde Euro auf dem Plan.

Eine solche Größenordnung an „nicht betriebsnotwendigem“ Vermögen hat Finanzchef Lorenz Näger im Portfolio des übernommenen italienischen Zementherstellers Italcementi identifiziert, darunter 800 Grundstücke, eine Eishalle, die Beteiligung an einer Krebsklinik und ein Flugplatz – allesamt Assets, die Heidelberg Cement nach eigenen Angaben in der Kaufpreiskalkulation für den italienischen Zementhersteller gar nicht berücksichtigt hatte.

Das könnte die Übernahme in Italien im Nachhinein verbilligen und zusammen mit einem steigenden operativen Cashflow und rückläufigen Investitionen im laufenden Jahr auf eine deutlich kräftigere Schuldenreduktion hinauslaufen. Scheifele hält immerhin einen Abbau um 700 Millionen Euro für machbar. Gegenläufig wirkt indessen die Umstellung auf den neuen Bilanzstandard IFRS 16, nach der Leasing-Verpflichtungen künftig als Finanzschulden auszuweisen sind. Sie wird die Nettoverschuldung des Konzerns um eine bis 1,2 Milliarden Euro erhöhen.

Alles in allem hat Scheifele damit gute Aussichten, im kommenden Februar einen Konzern zu übergeben, der sich operativ wieder im Aufwärtstrend bewegt, aber gleichzeitig noch genügend Baustellen bietet, auf denen der nächste CEO seine Fähigkeiten beweisen kann.

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