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Baugewerbe Warum die deutsche Bauindustrie auch externe Schocks überstehen wird

Die deutsche Baubranche gilt als Frühindikator. Doch wie passen die kühlen Konjunktur-Aussichten dann mit dem florierenden Geschäft zusammen?
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Die Preise für den Bau eines Eigenheims dürften weiter steigen. Quelle: dpa
Blick auf eine Baustelle

Die Preise für den Bau eines Eigenheims dürften weiter steigen.

(Foto: dpa)

DüsseldorfWährend die deutsche Industrie angesichts der aufziehenden Konjunkturwolken sorgenvoll auf die nächsten Monate blickt, geht der Boom in der Baubranche bald ins zehnte Jahr.

Allein im Dezember stieg der Auftragseingang im Baugewerbe saisonbereinigt um 13,2 Prozent, vermeldete in der vergangenen Woche das Statistische Bundesamt.

Wer zuletzt einen Handwerker bestellt hat, hat das vermutlich am eigenen Leib erfahren: Maurer, Klempner, Dachdecker sind dieser Tage bis an die Kapazitätsgrenzen ausgebucht. Die Evidenz ist nicht nur anekdotischer Natur: 2018 erzielte das Baugewerbe einen Auftragseingang von 79,5 Milliarden Euro – der höchste Wert seit 24 Jahren.

Die guten Ergebnisse wären nicht weiter erstaunlich, gälte die Bauindustrie nicht eigentlich als Frühindikator für die zukünftige Entwicklung der Gesamtkonjunktur. Dort stehen die Zeichen auf Abkühlung – während der Bau weiterhin brummt.

So haben sowohl die großen Wirtschaftsforschungsinstitute als auch die Bundesregierung ihre Prognosen für das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) Anfang des Jahres um fast die Hälfte auf ein Prozent gekürzt. Die Gründe sind zahlreich – doch am stärksten drücken derzeit wohl die Sorgen um das weltweite Handelsklima die Stimmung der Unternehmen.

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Nicht so in der Bauindustrie: Mit Hochtief hat in der vergangenen Woche der größte deutsche Baukonzern einen Gewinnsprung von fast 30 Prozent auf 541 Millionen Euro bekanntgegeben.

Das Bielefelder Bauunternehmen Goldbeck, ebenfalls unter den Top Ten, meldete zuletzt einen historischen Rekord-Auftragseingang von drei Milliarden Euro.

Viele Aufträge in Europa

Und auch die österreichische Strabag, die vor allem auf dem deutschen Markt aktiv ist, ist in Rekordlaune – und hat ihre Prognose für das Jahr 2018 bei der Quartalsmitteilung im November zuletzt deutlich erhöht. Für das Gesamtjahr rechnet der Konzern mit einer Leistung von deutlich über 15 Milliarden Euro.

Strabag-Chef Thomas Birtel schwärmte bei Vorlage der Zahlen vom „dynamischen Geschäft in Deutschland“, der „weiterhin guten Nachfrage in den zentral- und osteuropäischen Ländern“ sowie dem „allerorts günstigen Bauwetter“.

Ähnlich äußerte sich vor wenigen Tagen der spanische Hochtief-Chef Marcelino Fernández Verdes angesichts des starken Auftragsbestands im Europageschäft von 3,6 Milliarden Euro: „Rechnerisch bedeutet das eine Auslastung von rund zwei Jahren.“ Mit einem Volumen von 2,3 Milliarden Euro entfällt ein Großteil davon auf Deutschland.

Dabei ist nicht zu erwarten, dass sich der positive Trend in naher Zukunft umkehrt – auch wenn es gesamtwirtschaftlich derzeit danach aussehen mag. So sieht etwa Stefan Mitropoulos, Leiter Konjunktur- und Immobilienanalyse bei der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba), die deutsche Bauindustrie derzeit in einer „Sonderkonjunktur“ – und zwar in allen Bereichen.

Auslastung höher als zur Wiedervereinigung

„Sowohl im Wohnungs- als auch im Wirtschafts- und Infrastrukturbau verzeichnet die Branche eine anhaltend hohe Nachfrage“, so der Immobilienexperte. „Viele Unternehmen sind derzeit sogar stärker ausgelastet als während des großen Baubooms nach der Wiedervereinigung in den 90er-Jahren.“

Das wirkt sich auch auf die Preise der Branche aus, die beispielsweise im Bauhauptgewerbe, also in Hoch-, Tief- und Straßenbau, kräftig angezogen haben. Nach Daten des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie stiegen die Preise allein 2017 um 3,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. 2018 kamen noch einmal 5,6 Prozent hinzu. Vorläufige Tendenz: weiter steigend.

„Für 2019 rechnen wir mit einer weiteren Zunahme von vier bis fünf Prozent“, so Mitropoulos. Als Haupttreiber sieht der Helaba-Analyst vor allem zwei Faktoren: „Einerseits wurde in den vergangenen Jahren viel zu wenig gebaut.“

So habe etwa die öffentliche Hand lange wichtige Infrastrukturinvestitionen aufgeschoben, die nun nach und nach in Auftrag gegeben werden. Das Gleiche gelte im Wohnungsbau, der über viele Jahre vor allem in den Metropolregionen vernachlässigt wurde.

Andererseits sorgt gleichzeitig die Politik der Europäischen Zentralbank (EZB) dafür, dass die Zinsen anhaltend niedrig bleiben. „Wegen der deutlich höheren Renditen bleibt es für Investoren im derzeitigen Umfeld attraktiv, Geld in Immobilienprojekte zu investieren“, sagt Mitropoulos.

Und das dürfte sich vorerst auch nicht ändern: Beobachter rechnen damit, dass die EZB frühestens im Herbst 2019 eine Erhöhung der Leitzinsen wagt – und dann, wenn überhaupt, nur um wenige Zehntelprozent.

Auch bei den Baukonzernen selbst sorgt der stabile Ausblick für beste Investitionslaune. So meldeten die Unternehmen für 2018 in Deutschland insgesamt 837 000 Beschäftigte, das sind rund drei Prozent mehr als im Vorjahr. Für 2019 rechnet das Statistische Bundesamt mit einer weiteren Steigerung von immerhin 2,1 Prozent auf 855 000 Beschäftigte.

„In den vergangenen Jahren haben die Bauunternehmen ihre Kapazitäten spürbar vergrößert, um die wachsende Nachfrage befriedigen zu können“, sagt Heinrich Weitz, verantwortlich für volkswirtschaftliche Grundsatzfragen beim Berliner Hauptverband der Deutschen Bauindustrie.

Keine Blasengefahr

Dabei seien die meisten Unternehmen davon überzeugt, dass das Wachstum auch in den kommenden zwei Jahren anhalte, so der Ökonom. „Wenn derzeit über Konjunktursorgen gesprochen wird, geht es dabei meistens um externe Faktoren wie den Brexit oder eine wirtschaftliche Abkühlung in China.“ Die hohe innerdeutsche Nachfrage nach Wohnraum sowie kommunale Bauprojekte blieben davon allerdings unbenommen. „Hier prognostizieren wir eine anhaltende Nachfrage.“

Ebenso rechnen auch die fünf großen Wirtschaftsforschungsinstitute, vom Münchener Ifo-Institut bis zum Institut für Weltwirtschaft in Kiel, für die kommenden zwei Jahre allesamt mit Wachstumsraten, die das BIP-Wachstum deutlich übersteigen. So sollen die Bauinvestitionen 2019 zwischen 2,9 und 3,1 Prozent und 2020 zwischen 3,1 und 3,7 Prozent zulegen – während das BIP im laufenden Jahr nach Berechnungen der Bundesregierung nur noch um ein Prozent wachsen soll.

Dass hier womöglich über den tatsächlichen Bedarf hinaus gebaut wird, ist indes nicht zu erwarten. So verweist Helaba-Analyst Stefan Mitropoulos erneut auf die knappen Kapazitäten, mit denen die Baukonzerne derzeit haushalten müssen. „Die Unternehmen haben gar nicht die Möglichkeit, ein Überangebot auf dem Immobilienmarkt zu erzeugen.“

Die Branche darf so noch bis in die ferne Zukunft hinein mit weiter sprudelnden Gewinnen und hohen Wachstumsraten rechnen – selbst wenn es angesichts der globalen handelspolitischen Verwerfungen eines Tages zu einer globalen Rezession kommen sollte.

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