Baustoffkonzern Baustoffriese Heidelberg Cement forciert die Aufholjagd

Fachkräftemängel, Kapazitätsengpässe und Währungseffekte haben eine stärkere Erholung verhindert. Firmenchef Scheifele sieht den Konzern trotzdem auf Kurs.
Update: 31.07.2018 - 13:54 Uhr Kommentieren
Heidelberg Cement: Baustoffriese forciert Aufholjagd Quelle: dpa
Bernd Scheifele

Der Chef von Heidelberg Cement sieht seinen Konzern auf Kurs.

(Foto: dpa)

FrankfurtNicht nur im Technologiesektor, auch in der Baustoffindustrie sorgt aktuell ein Mangel an Fachkräften für Bremsspuren. Diese Botschaft jedenfalls vermittelte jetzt Bernd Scheifele, Chef des Dax-Konzerns Heidelberg Cement. „Das gilt eigentlich weltweit, dass wir ein klares Problem bei qualifizierten Arbeitskräften haben“, sagte er am Dienstag bei der Vorlage der Quartalszahlen.

Scheifele verweist dabei Engpässe sowohl in etlichen europäischen Ländern als auch in Märkten wie Australien und USA. In Texas und Kalifornien etwa laufe die Baukonjunktur sehr stark. „Aber wir kriegen die Aufträge zum Teil nicht vom Hof, weil wir nicht genügend Lkw-Fahrer haben.“ Vor allem das Transportbeton-Geschäft des Konzerns ist nach Aussage Scheifeles von diesem Phänomen betroffen.

Wie stark der Effekt ist, kann Scheifele nicht beziffern. Aber er habe neben negativen Währungseffekten letztlich mit dazu beigetragen, dass der Aufschwung für den Konzern im zweiten Quartal nicht stärker ausgefallen ist. Zudem seien die Produktionsanlagen in einigen Märkten generell sehr stark ausgelastet, sodass nur begrenzter Spielraum für Absatzsteigerungen bleibe.

Insgesamt zeigen sich Scheifele mit dem Geschäft dennoch zufrieden. Die solide Ergebnisentwicklung im zweiten Quartal markiere „eine erkennbar positive Trendwende nach dem wetterbedingt schwierigen Jahresauftakt.“

Heidelberg Cement verbuchte im zweiten Quartal eine Umsatzsteigerung um vier Prozent auf 4,8 Milliarden Euro, während das Ergebnis des laufenden Geschäftsbetriebs mit 663 Millionen Euro noch um drei Prozent unter dem Vorjahreswert lag. Diese Ergebnisgröße entspricht einem Ebit, das um Sondereffekte wie Veräußerungsgewinne und Restrukturierungskosten bereinigt ist.

Auch das operative Ergebnis vor Abschreibungen lag mit 936 Millionen Euro um drei Prozent unter Vorjahresniveau. Währungsbereinigt ist der Umsatz nach Unternehmensangaben um neun und das operative Ergebnis um fünf Prozent gestiegen. Der Nettogewinn nach Anteilen Dritter verbesserte sich dank niedrigerer Steuern und Zinslasten und erhöhter Veräußerungsgewinne sogar um elf Prozent auf knapp 400 Millionen Euro.

Den operativen Rückstand gegenüber dem witterungsbedingt sehr schwachen ersten Quartal konnte der Baustoffkonzern damit zwar noch nicht aufholen. Im gesamten Halbjahr lag das bereinigte Ebit noch um 18 Prozent unter dem Vorjahreswert. Scheifele und sein Finanzchef Lorenz Näger zeigten sich dennoch zuversichtlich, dass dies im dritten und vierten Quartal gelingen wird. Die Prognose für das Gesamtjahr, die einen moderaten Umsatz- und Gewinnanstieg auf währungsbereinigter Basis vorsieht, haben sie bekräftigt.

Nettoverschuldung steigt

Auch die Entwicklung des Cashflows wird sich nach Erwartung der Heidelcement-Manager weiter deutlich verbessern. Hier liegt der Konzern trotz einer spürbaren Erholung im Halbjahr noch deutlich gegenüber dem Vorjahr zurück.

Im zweiten Quartal alleine hat sich der operative Cashflow zwar um mehr als ein Drittel verbessert, im gesamten ersten Halbjahr liegt er mit minus 228 Millionen Euro um fast 100 Millionen Euro niedriger als 2017. Inklusive Sachinvestitionen errechnet sich damit für das Halbjahr ein negativer Free-Cashflow von 644.

Operativ hat der Konzern damit im ersten Halbjahr etwa 30 Prozent mehr Cash verbraucht als im Vorjahr und per Saldo zudem auch stärker in Zukäufe investiert. Da ferner im zweiten Quartal auch die Dividende abgeflossen ist, hat sich die Nettoverschuldung des Konzerns gegenüber dem Jahresende 2017 wieder um fast 1,3 Milliarden Euro auf knapp 10 Milliarden Euro erhöht. Im Jahresvergleich, also gegenüber Ende Juni 2017 ergibt sich allerdings eine Reduzierung der Verschuldung um rund 170 Millionen Euro.

Scheifele und Näger stellen für das zweite Halbjahr indessen einen nachhaltigen Aufwärtstrend beim operativen und freien Cashflow in Aussicht. Dazu dürften unter anderem auch niedrigere Steuer- und Zinszahlungen sowie ein verbessertes Management beim Umlaufvermögen beitragen. Erstmals habe man auch bei den Ländergesellschaften den Free-Cashflow als geschäftspolitische Zielgröße eingeführt, so Scheifele. „Da sehen wir bereits deutliche Steuerungseffekte.“

Insgesamt will der Baustoff-Konzern im Zeitraum 2018 bis 2020 rund sechs Milliarden Euro Free Cashflow generieren und seine Netto-Finanzverschuldung auf unter sieben Milliarden Euro reduzieren. Sie war 2016 nach dem Verkauf von Italcementi deutlich angestiegen.

Zur geplanten Reduktion der Verschuldung sollen nun auch Verkäufe von nicht strategischen Geschäftseinheiten im Volumen von einer bis 1,5 Milliarden Euro beitragen. Scheifele verweist unter anderem auf Zement-Aktivitäten in Ägypten, Sri Lanka, Kasachstan und der Ukraine sowie das Transportbeton-Geschäft in Kuwait als mögliche Kandidaten für Desinvestitionen.

„Wir werden auch nochmal prüfen, ob wir größere Einheiten auf die Rampe schieben“, sagte er. Dazu könne möglicherweise das Geschäft mit Betonfertigteilen gehören. Ob das noch Kerngeschäft sei, werde derzeit diskutiert.

Mit Zukäufen will sich der Konzern im weiteren Jahresverlauf dagegen eher zurückhalten. Das gilt, wie Scheifele deutlich machte, auch mit Blick auf das zum Verkauf stehende Indonesiengeschäft des Konkurrenten Lafarge-Holcim.

Hier kämen, wenn überhaupt, aus kartellrechtlichen Gründen nur Teile des Gesamtpakets für Heidelberg Cement in Frage. Denn das größte Werk von Lafarge-Holcim in Indonesien liege in Djakarta in Sichtweite zum größten Werk des eigenen Unternehmens. „Also das können wir schon aus Marktgründen nicht kaufen, sonst hätten wir das Zementmonopol in Djakarta.“

Startseite

Mehr zu: Baustoffkonzern - Baustoffriese Heidelberg Cement forciert die Aufholjagd

0 Kommentare zu "Baustoffkonzern: Baustoffriese Heidelberg Cement forciert die Aufholjagd"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%