Baustoffkonzern Weltgrößter Ziegelhersteller Wienerberger geht auf Einkaufstour in Osteuropa

Noch dieses Jahr sollen 200 Millionen Euro in Übernahmen in Europa und Nordamerika fließen. Langfristig setzt Wienerberger trotz Lira-Krise auch auf die Türkei.
Kommentieren
Insbesondere in Osteuropa will der Konzern zukaufen. Quelle: Reuters
Mitarbeiter von Wienerberger

Insbesondere in Osteuropa will der Konzern zukaufen.

(Foto: Reuters)

WienWienerberger ist bereits der weltgrößte Ziegelhersteller der Welt. Dennoch will der Wiener Konzern seine Marktposition insbesondere in Osteuropa durch Zukäufe ausbauen. Dazu wird das österreichische Unternehmen in diesem Jahr 200 Millionen Euro in Übernahmen investieren.

„Wir sehen noch sehr viele weitere Übernahmemöglichkeiten. Wir haben schöne Gelegenheiten in allen Geschäftsbereichen, um unser Produktportfolio auszubauen. Beispielsweise stehen Familienunternehmen in unserer Branche zum Verkauf“, sagte CEO Heimo Scheuch dem Handelsblatt in Wien. „Wir konzentrieren uns auf Europa und Nordamerika.“

Zuletzt hatte der Wiener Baustoffkonzern den Ziegelproduzenten Daas Baksteen in den Niederlanden übernommen, einen Kunststoffrohrspezialisten in Norwegen und ein Werk für Betonflächenbefestigungen im Nordwesten von Rumänien, nahe der Grenze zu Serbien und Ungarn übernommen. „Unsere Ziele sind margenstarke Unternehmen mit Produkten, die nicht jede Firma herstellen kann“, sagte Scheuch.

„In Osteuropa haben wir noch viele Wachstumsmöglichkeiten und deshalb wird die Produktion erhöht“, sagte der promovierte Jurist. Zuletzt hatte der Konzern eine neue Terrassenplatten-Produktion in Ungarn aufgebaut und die Kapazitäten in Kroatien erweitert.

In Osteuropa wuchsen angesichts des hohen Wirtschaftswachstums in Ländern wie Polen, Tschechien, Slowakei und Ungarn die Umsätze im zweistelligen Bereich. „Tschechien boomt, es gibt einen riesigen Bedarf“, schwärmte der 51-Jährige am Donnerstag.

Doch nicht alle Übernahmeversuche in Osteuropa klappen. Erst im Juli hatte der österreichische Baustoffkonzern die Übernahme des rumänischen Ziegelproduzenten Brikston abgesagt. Scheuch wollte sich nicht auf ein monatelanges Verfahren mit der dortigen Wettbewerbsbehörde einlassen. Der Konzern betreibt alleine in Rumänien sechs Fabriken für Mauerziegel und Betonpflastersteine.

Von der Krise in der Türkei lässt sich Wienerberger zudem nicht erschüttern. „Wir lassen uns in der Türkei nicht von kurzfristigen Entwicklungen wie der aktuellen Währungskrise beeinflussen. Wir operieren dort mit langfristiger und nachhaltiger Perspektive“, sagte Scheuch dem Handelsblatt.

Der Baustoffkonzern ist in der Türkei der Marktführer für Rohre für landwirtschaftliche Bewässerungsanlagen. „Dieses Geschäft wollen in der Türkei und im östlichen Mittelmeer. Wir sehen die Türkei als Hub“, sagte der Wienerberger-Chef.

Wienerberger ist mit fast 200 Produktionsstandorten in 30 Ländern der größte Ziegelproduzent (Porotherm, Terca) weltweit und der Branchenprimus bei keramischen Tondachziegeln (Koramic, Tondach) sowie Betonflächenbefestigungen (Semmelrock) in Europa. Das börsennotierte Unternehmen beschäftigt knapp 17.000 Mitarbeiter.

Der Konzern hatte am Donnerstag überraschend gute Halbjahreszahlen vorgelegt. Der Umsatz wuchs um fünf Prozent auf 1,61 Milliarden Euro. Das Geschäft in Deutschland machte rund zehn Prozent des Umsatzes aus. Dort profitiert der Konzern wie in den Ländern in Osteuropa von der boomenden Immobilienindustrie, die durch die jahrelange Niedrigzinspolitik in Europa befeuert wird. Scheuch bezeichnete das Ergebnis im ersten Halbjahr als „äußerst zufriedenstellend“.

Wienerberger will sich auf Stammgeschäft konzentrieren

„Wir haben die Profitabilität in allen Geschäftsbereichen im ersten Halbjahr erhöht und erwarten eine ähnliche Entwicklung für das Gesamtjahr“, sagte der CEO mit sichtlicher Zufriedenheit. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abgaben schnellte um 18 Prozent auf 214 Millionen Euro hoch, das Nettoergebnis legte sogar um 28 Prozent auf 53 Millionen zu.

Die Wiener Börse reagierte positiv. Die Aktie legte am Donnerstag deutlich über zwei Prozent auf 20,80 Euro zu. Langfristig sehen die Analysten Yves Bromehead von Exane BNP Paribas und Michael Marschallinger von der Erste Group noch Aufwärtspotenzial. Innerhalb von neun Jahren, nach dem Scheuch den Chefsessel bei Wienerberger übernommen hatte, vervierfachte sich der Kurs des Lieferanten für die Baubranche. Scheuch hat seinen Vertrag bis zum Jahr 2022 verlängert.

Der Konzern will sich künftig ganz auf sein Stammgeschäft mit Ziegeln, Rohren und Flächenbefestigungen konzentrieren. Zuletzt hatte Wienerberger seinen österreichischen Aktivitäten für Betonflächen veräußert. Um seinen Wachstumskurs zu finanzieren, will Wienerberger sich von nicht betriebsbedingten Unternehmensteilen trennen und in den nächsten zwei Jahren somit 150 Millionen Euro erlösen.

„Wir haben noch Liegenschaften, die wir nicht mehr brauchen. Zudem wollen wir aus operativen Teilen aussteigen, die für uns nicht die erwartete Gewinnerwartungen erfüllen können.“ Scheuch versprach den Aktionären für dieses Geschäftsjahr ein bereinigtes Ebitda von 450 bis 470 Millionen. „Wir wollen unseren Weg einer steigenden Dividende fortsetzen“, sagte er.

Startseite

Mehr zu: Baustoffkonzern - Weltgrößter Ziegelhersteller Wienerberger geht auf Einkaufstour in Osteuropa

0 Kommentare zu "Baustoffkonzern: Weltgrößter Ziegelhersteller Wienerberger geht auf Einkaufstour in Osteuropa"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%