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Bayer, BASF, Syngenta Warum der Agrochemie-Markt in diesem Jahr unter Druck steht

Syngenta, der Branchenzweite im Agrogeschäft, hat im ersten Halbjahr einen Umsatzrückgang verbucht. Welche Faktoren der gesamten Branche zu schaffen machen.
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Ein Forscher inspiziert normalen und gentechnisch veränderten Mais in einem Gewächshaus. Quelle: Reuters
Syngenta-Biotech-Zentrum in Peking

Ein Forscher inspiziert normalen und gentechnisch veränderten Mais in einem Gewächshaus.

(Foto: Reuters)

Frankfurt Für die führenden Agrochemie-Konzerne, darunter auch Bayer und BASF, zeichnet sich ein schwaches Jahr 2019 ab. Das bestätigten nun auch die Zahlen des Schweizer Konzerns Syngenta.

Der Branchenzweite im Agrogeschäft, der seit 2017 zum chinesischen Chemiekonzern Chemchina gehört, verbuchte im ersten Halbjahr 2019 einen Umsatzrückgang um sieben Prozent auf 6,8 Milliarden Dollar. In Nordamerika sanken die Erlöse sogar um 14 Prozent.

Der Betriebsgewinn vor Abschreibungen (Ebitda) verringerte sich um 15 Prozent auf 1,5 Milliarden Dollar, der Nettogewinn lag mit 800 Millionen Euro um ein Drittel unter dem Vorjahreswert. Bereinigt um negative Währungseffekte und Desinvestitionen sanken die Erlöse laut Syngenta-Finanzchef Mark Patrick um ein Prozent.

Vor allem die ungünstigen Wetterbedingungen in den USA, wo große Überschwemmungen zu einem reduzierten Getreideanbau führten, machen Syngenta und der gesamten Branche zu schaffen. Negativ wirkte sich darüber hinaus der Handelsstreit zwischen den USA und China aus, der zu rückläufigen Soja-Exporten nach China führte.

Zudem wird die Branche offenbar auch von steigenden Rohstoffkosten belastet. Bereits vor wenigen Tagen hatte der BASF-Konzern seine Gewinnwarnung für 2019 unter anderem mit einem Einbruch auf dem US-Agro-Markt begründet.

Bayers Halbjahresbilanz wird mit Spannung erwartet

Die schwache Marktentwicklung in den USA dürfte auch das operative Geschäft des Branchenführers Bayer deutlich treffen. Der Leverkusener Konzern bestreitet nach der Übernahme von Monsanto rund 45 Prozent seines Agrochemie-Geschäfts in Nordamerika. Er legt seine Halbjahreszahlen allerdings erst in der übernächsten Woche vor.

Überschattet wird die Situation bei Bayer nach wie vor von der Klagewelle im Zusammenhang mit dem Unkrautmittel Glyphosat, das mehr als 13.000 US-Kläger für Krebserkrankungen verantwortlich machen. In drei Fällen wurde Bayer zu hohen Schadensersatzsummen verurteilt, die von den Gerichten nachträglich aber zumindest teilweise wieder reduziert wurden. Auch ein Schadensersatz-Urteil über zwei Milliarden Dollar gegen Bayer dürfte nach unten korrigiert werden, wie das zuständige Gericht in Oakland am Donnerstag ankündigte.

Dessen ungeachtet dürfte aus der schwachen Marktperformance eine zusätzliche Herausforderung für den Leverkusener Konzern erwachsen, die auch im kommenden Jahr noch die Erträge belasten könnte. So wird der US-Pflanzenschutzmarkt nach Schätzung von Syngenta 2019 um etwa eine Milliarde Dollar schrumpfen. „Die Umsatzeinbußen auf dem US-Markt im ersten Halbjahr sind auch für das Gesamtjahr weitgehend verloren. Die Chancen, das noch aufzuholen, erscheinen eher gering“, sagte Syngenta-Finanzchef Mark Patrick.

Die starken Einbußen werden begleitet von wachsendem Preisdruck im US-Saatgutbereich wie auch bei Pflanzenschutzmitteln. Denn es haben sich offenbar höhere Vorratsbestände aufgebaut. „Wir gehen davon aus, dass dieser Preisdruck über die gesamte Saison 2019 und auch in das Jahr 2020 hinein anhalten wird“, sagte Patrick.

Auf globaler Ebene wurde das Agrogeschäft darüber hinaus durch eine zu trockene und damit ungünstige Witterung in Australien und Indonesien sowie Finanzierungsprobleme der osteuropäischen Landwirte belastet, während sich das Geschäft in Lateinamerika und China positiv entwickelte.

Der Syngenta-Finanzchef geht davon aus, dass der Schweizer Konzern im ersten Halbjahr sogar noch etwas besser abgeschnitten hat als der Markt insgesamt und diese Entwicklung auch im Gesamtjahr anhalten könnte. Für 2019 stellt er ein organisches Wachstum von einem Prozent in Aussicht, während der globale Agrochemie-Markt stagnieren dürfte. Das US-Geschäft macht etwa ein Viertel des globalen Agrochemie-Marktes von etwa 100 Milliarden Dollar aus.

Enttäuschende Entwicklung

Gemessen an den optimistischen Langfristerwartungen der Branche für das Pflanzenschutz- und Saatgutgeschäft ist diese Entwicklung enttäuschend. Immerhin hatte nicht zuletzt auch die Aussicht auf ein stetiges Marktwachstum von drei bis vier Prozent die Fusionswelle der vergangenen Jahre angetrieben.

In diesem Zuge kam es zum Zusammenschluss der US-Konzerne Dow und Dupont, der Übernahme von Syngenta durch Chemchina und der Übernahme von Monsanto durch Bayer. BASF wiederum hatte sich durch den Kauf von Teilen des Bayer-Saatgutgeschäfts verstärkt.

Im laufenden Jahr indessen wird bei den führenden Akteuren von einer Rückkehr des Agrochemie-Sektors zum früheren Wachstumstrend wohl kaum etwas zu sehen sein. Nicht zuletzt vor diesem Hintergrund sorgten jüngst auch Äußerungen des chinesischen Botschafters in der Schweiz für Aufsehen. Er vertrat in einem Interview die Ansicht, dass die gut 40 Milliarden Dollar teure Übernahme von Syngenta kein gutes Geschäft für Chemchina gewesen sei und China den Deal inzwischen bereue.

Syngenta-Finanzchef Patrick wies diese Einschätzung nun ebenso zurück wie zuvor schon der Verwaltungsratspräsident von Sinochem, Frank Ning. Das seien letztlich persönliche Kommentare des Botschafters gewesen und nicht die Position der chinesischen Regierung, so Patrick. „Die Sinnhaftigkeit für den Kauf von Syngenta ist für China heute genauso stark wie in der Vergangenheit, wenn man bedenkt, dass in dem Land 22 Prozent der Weltbevölkerung leben, gleichzeitig aber nur sieben Prozent der globalen Agrarflächen zur Verfügung stehen.“

Mehr: DowDupont bringt seine Agrarchemiesparte Corteva an die Börse. Firmenchef Jim Collins macht im Interview deutlich: Er ist Bayers härtester Konkurrent.

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