Bayer Brasilianisches Gericht stoppt vorerst Einsatz von Glyphosat

Ein Gericht hat den Einsatz von Produkten mit der Chemikalie Glyphosat in Brasilien ausgesetzt. Für die Bauern ist das ein großes Problem.
Update: 08.08.2018 - 15:54 Uhr Kommentieren
Auch in Europa hat sich eine Anti-Glyphosat-Bewegung formiert. Die Gesundheitsschäden aufgrund des Mittels sind umstritten. Quelle: dpa
Protest gegen Glyphosat

Auch in Europa hat sich eine Anti-Glyphosat-Bewegung formiert. Die Gesundheitsschäden aufgrund des Mittels sind umstritten.

(Foto: dpa)

SalvadorBereits letzten Freitag hat ein Bundesgericht in Brasilien den Einsatz des umstrittenen Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat ausgesetzt. Doch Schlagzeilen macht die überraschende Entscheidung bis heute kaum – so absurd erscheint der Branche das Urteil: Nach dem Entscheid der Bundesrichterin in Brasília dürfen keine neuen Produkte mit der Chemikalie angemeldet werden und bestehende Zulassungen sollen in den kommenden 30 Tagen aufgehoben werden.

Die Maßnahme soll in Kraft bleiben, bis ein abschließendes Urteil über die Schädlichkeit von Glyphosat gefällt wird. Bis zum Jahresende muss die zuständige Sanitäts-Behörde Anvisa ihren Entscheid fällen, nachdem sie sich bisher zehn Jahre damit Zeit gelassen hat – sonst drohen Strafen. Auch das Insektenvernichtungsmittel Abamectin und das Fungizid Thiram dürfen zunächst nicht mehr eingesetzt werden. 

Für den Chemiekonzern Bayer, der gerade den Glyphosat-Hersteller Monsanto übernommen hat, ist das ein herber Schlag: Brasilien ist der zweitwichtigste Markt weltweit für die Glyphosat-Marke Roundup, welches vor allem im Soja- und Maisanbau zum Einsatz kommt.

In Brasilien werden genetisch veränderte Varianten von Sojabohnen, Mais und Baumwolle eingesetzt, die gegen Glyphosat resistent sind. Monsanto reagierte verzögert auf das Gerichtsurteil: Herbizide wie Glyphosat würden regelmäßig von den Behörden auf ihre Unschädlichkeit geprüft und könnten deshalb sicher angewandt werden, erklärte der Konzern in Brasilien per Pressemitteilung. In über 800 Studien sei nachgewiesen worden, dass Glyphosat sicher sei.

Auch die Agrarlobby beginnt erst langsam auf das Urteil zu reagieren. „Die Ernte im nächsten Jahr ist bedroht“, sagt Bartolomeu Braz, Präsident der Sojafarmer Aprosoja. Es gebe keinen Ersatz für Glyphosat. Die Entscheidung sei „höchst unverantwortlich“.  Caio Carvalho, der Präsident des Verbandes des brasilianischen Agrobusiness Abag warnt davor, dass in einem Monat die Aussaat für die nächste Sojaernte beginne. „Wir können jetzt nicht abwarten bis die Behörde entschieden hat.“

Der Landwirtschaftsminister Blairo Maggi hat angekündigt, dass die Anwaltschaft des Bundes bereits eine Eingabe gegen das erstinstanzliche Urteil vorbereite. Maggi ist Eigentümer von Amaggi, eines der größten Sojakonzerne und –exporteure Brasiliens. „Unsere gesamte Landwirtschaft funktioniert mit Direktsaat“, sagte Maggi jetzt. Ohne Glyphosat sei Direktsaat nicht möglich.

Die Anbaumethode dominiert den Soja- und Maisanbau in Südamerika, weil sie sich in den Tropen als vorteilhaft erwiesen hat: Dabei werden die Böden nicht umgepflügt, sondern die Samen direkt in die abgeernteten Flächen ausgesät. Dabei erhöht sich die Humusschicht und Biovielfalt im Boden, sagen die Farmer.

Erosion, Verdunstung und der Kohlendioxidausstoß nehmen ab. Die Farmer verbrauchen weniger Diesel für ihre Traktoren, weil mehrere Arbeitsgänge ausfallen. Vorausgesetzt sie können Glyphosat benutzen – und hier kommen Monsanto und Bayer ins Spiel: Vor der Saat werden mit Glyphosat-Pflanzenschutzmitteln alle Pflanzen abgetötet. Nur die genetisch veränderte Sojabohne oder das Maiskorn, welches Monsanto liefert, wächst trotz der Besprühung problemlos.

Soja- und Maisexporte sollen wachsen

Bisher gibt es in Brasilien wenig Proteste gegen den Einsatz von Glyphosat in der Landwirtschaft – im Gegensatz etwa zu Argentinien, wo eine breite Protestbewegung verhindert hat, dass Monsanto ein Werk für Maisaatgut errichtet. Brasilien ist für Bayer/Monsanto einer der wichtigsten Zukunftsmärkte.

Nach dem gerade veröffentlichten Bericht des Landwirtschaftsministeriums wird Brasilien seine Stellung als wichtigster Soja-Exporteur und Nummer 2 als Maislieferant auf dem Weltmarkt in den nächsten zehn Jahren noch deutlich ausbauen: So sollen die Sojaexporte bis 2028 um 38 Prozent zulegen, die Maisausfuhren um 34 Prozent. Ein wachsender Widerstand gegen Monsanto-Produkte in Brasilien könnte die Prognosen durchkreuzen. Das erscheint derzeit jedoch unwahrscheinlich angesichts der politischen Durchsetzungskraft der brasilianischen Agrarlobby. In den letzten Monaten haben die Abgeordneten und Senatoren mehrere umstrittene Gesetze in ihrem Sinne durchwinken können.

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