Bayer-Chef Dekkers mit starker Bilanz Der fliegende Holländer

Marijn Dekkers ist ein Mann der leisen Töne. Doch seine letzte Bilanz bei Bayer hat es in sich: Der Pharmariese verdient so viel wie nie zuvor. Der Niederländer gibt seinem Nachfolger weitere Gewinnziele mit auf den Weg.
Update: 25.02.2016 - 09:23 Uhr 19 Kommentare

Gehen, wenn es am schönsten ist: Warum CEOs loslassen müssen

LeverkusenEs ist seine letzte Bilanz bei Bayer – und es ist eine Rekordbilanz: Der Pharma- und Chemiekonzern Bayer hat unter dem scheidenden Vorstandschef Marijn Dekkers im vergangenen Jahr operativ so viel verdient wie nie zuvor. Der Betriebsgewinn (Ebitda) vor Sondereinflüssen erhöhte sich um gut 18 Prozent auf ein Rekordniveau von 10,2 Milliarden Euro, wie der Leverkusener Konzern am Donnerstag mitteilte.

Analysten hatten im Schnitt mit 10,39 Milliarden Euro aber mehr erwartet. Der Umsatz kletterte um rund zwölf Prozent auf 46,3 Milliarden Euro. Unter dem Strich verdiente Bayer 4,1 Milliarden Euro, ein Fünftel mehr als vor Jahresfrist (eine Schnellanalyse zu den Zahlen finden Sie auf den Seiten 3 und 4 dieses Artikels). Dekkers machte dafür auch den Konzernumbau verantwortlich: „Wir haben mit der Neuorganisation von Bayer die Weichen für eine erfolgreiche Weiterentwicklung des Unternehmens gestellt.“ Bayer konnte mit dem Rekordergebnis bei den Anlegern dennoch nicht landen: Die Aktien verloren fast vier Prozent.

Für das laufende Jahr stellte der Vorstand um den Niederländer weitere Zuwächse in Aussicht. Inklusive der Kunststofftochter Covestro, die Bayer im Herbst an die Börse gebracht hatte, soll der Umsatz auf über 47 Milliarden Euro steigen, der bereinigte operative Gewinn soll im mittleren einstelligen Prozentbereich zulegen.

Wenn ein Großteil dieser Gewinne erwirtschaftet wird, wird Dekkers schon nicht mehr im Unternehmen sein. Denn der Konzernlenker verlässt Bayer Ende April. Seit Mittwoch ist auch klar, wohin den Manager sein Weg führt: Der 58-Jährige soll neuer Chairman beim britisch-niederländischen Konsumgüterriesen Unilever werden.

Dekkers soll im April Michael Treschow ablösen, der nach neun Jahren als Vorsitzender des Gremiums aufhören werde, teilte der Hersteller von Knorr-Suppen, Dove-Körperpflege und Magnum-Eis am Mittwoch mit. Die Position ähnelt der eines Aufsichtsratsvorsitzenden in Deutschland. Allerdings ist der Chairman im angelsächsischen Board-System nicht nur oberster Kontrolleur, sondern er bestimmt auch die Strategie des Unternehmens entscheidend mit. Seine Rolle geht eher über die eines Aufsichtsratschefs hinaus.

Die größten Pharmakonzerne der Welt
Platz 20: Astellas
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Gemessen am reinen Pharmaumsatz ist Astellas die Nummer zwei der japanischen Pharmaindustrie. Der Schwerpunkt liegt auf Transplantationsmedizin, Onkologie und Antiinfektiva. Die Japaner kamen im vergangenen Jahr auf einen Umsatz von 11,1 Milliarden Dollar.

Platz 19: Boehringer
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Das Labor von Boehringer Ingelheim: Der zweitgrößte deutsche Pharmakonzern ist fest in Familienhand. Die Schwerpunkte liegen auf Mittel gegen Atemwegserkrankungen wie etwa das Lungenmittel Spiriva. Ein weiteres bekanntes Mittel ist Pradaxa, das zur Thrombose-Prävention eingesetzt wird. Geschätzter Umsatz 2015: 12,6 Milliarden Dollar.

Platz 18: Takeda
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Takeda ist der größte japanische Pharmahersteller und bietet Mittel in verschiedenen Therapiegebieten. Die Japaner haben sich 2014 durch die Fusion mit Nycomed deutlich vergrößert und kamen voriges Jahr auf einen Pharmaumsatz von 13,8 Milliarden Dollar.

Platz 17: Allergan
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Allergan hieß früher einmal Actavis und ist unter anderem Hersteller von Botox. 2015 machte das Unternehmen einen Umsatz von 15,1 Milliarden Dollar.

Platz 6: Bayer
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Der größte deutsche Pharmakonzern hat sich im Gegensatz zu dem Jahr 2015 um ganze zehn Platze verbessern können. Der Umsatz 2017: 43,1 Milliarden Dollar. Top-Produkte sind beispielsweise der Gerinnungshemmer Xarelto und das Augenmedikament Eylea.

Platz 15: Novo Nordisk
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Die Produktion von Langzeitinsulin der Firma Novo Nordisk: Der dänische Arzneihersteller ist einer der weltweit führenden Anbieter von Mitteln gegen Diabetes. Er kam im vergangenen Jahr auf einen Umsatz von 16,1 Milliarden Dollar.

Platz 14: Bristol-Myers Squibb
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Der New Yorker Konzern hat seinen Schwerpunkt bei Mitteln gegen HIV und in der Immunologie, aber auch in der Onkologie. Der Pharmaumsatz lag 2015 bei 16,6 Milliarden Dollar.

Dekkers hatte noch bis Ende des Jahres einen Vertrag bei Bayer, bat aber den Aufsichtsrat des Pharmakonzerns um eine Auflösung zum 30. April. Der Niederländer hatte im vergangenen Jahr auf der Hauptversammlung erklärt, er wolle mehr Zeit mit seiner Familie verbringen und habe deshalb seinen Vertrag als Vorstandschef nur bis Ende 2016 verlängert.

Ein echtes Bayer-Gewächs folgt auf den externen Manager
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19 Kommentare zu "Bayer-Chef Dekkers mit starker Bilanz: Der fliegende Holländer"

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  • "Ich habe weder etwas gegen die Flüchtlinge, noch gegen Muslime.
    Gerade die SIND - und da insbesondere die Frauen und Mädchen (...)"

    Sorry.

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  • Nirgendwo die Möglichkeit zum eigentlichen Thema zu kommentieren, deshalb versuche ich es hier:

    Die Probleme die den immer zahlreicher werdenden Flüchtlingskrisen weltweit zugrunde liegen stehen aus meiner Sicht (bin keine Historikerin) in einem Zusammenhang mit der Globalisierung und können daher auch nur durch gemeinsame Anstrengung gelöst werden.

    Auf folgendes im Artikel http://www.aljazeera.com/indepth/features/2016/02/hijab-wearing-women-react-bosnia-court-ban-160202133259025.html vom 04.02.2016 vorgebrachtes Argument:

    "But many have argued that while a crucifix necklace can be removed or concealed, the same is not true for a hijab."

    habe ich damals folgendes „feedback“ an die Redaktion gesendet (hoffe, die meisten Leser können den Text, den ich mithilfe von „linguee.de“ zusammengestoppelt habe, verstehen):

    “Very bad argument.
    Something that is not visible to anybody also can't represent an offence to anybody's sentiments.
    Sorry, but the (as obvious as conspicuous) islamic religious symbols mostly do.
    Hijabs and any clothes that hide part or all of a woman's personality not only disfigure her, but are widely seen as a striking means of oppression (and marginalization).”

    Damit wir uns hier nicht missverstehen, nochmal ganz ausdrücklich:
    Ich habe weder etwas gegen die Flüchtlinge, noch gegen Muslime.
    Gerade die - und da insbesondere die Frauen und Mädchen, aber gerade deshalb(!) alle Muslime miteinander – Opfer einer Instrumentalisierung ihrer Religion durch einige Machthaber. Dies aufgrund derer höchst subjektiven (* Erläuterung s.u.), sondern längst auch völlig obsoleten Interpretation von „Religion“.

    (* = auf Einzelinteressen beruhenden)
    (** = überkommenen, d.h., durch Außerachtlassung oder Verleugnung der heutigen Realität, also der im Laufe der vergangenen Jahrhunderte aufgrund der humanitären und technisch/wissenschaftlichen Weiterentwicklung der Menschheit errungenen Fortschritte)

  • Ps: Das nennt man übrigens globalisierte Arbeitswelt im 21. Jahrhundert. Jeder geht dorthin wo es am meisten zu holen gibt.

  • Wenn mir das Handelsblatt bitte erklären kann, was an meinem Kommentar " unsachlich " war, wäre ich Ihnen höchst dankbar. Immerhin hatten Sie zu diesem Thema vor einigen Monaten selbst auch einen Artikel gebracht:

    http://www.handelsblatt.com/unternehmen/management/manager-aus-dem-ausland-so-international-sind-die-dax-vorstaende/12143532.html

    " Dekkers (wie viele andere DAX-CEOs) ist auch ein Flüchtling. Deshalb arbeitet Dr. Merkel so hart an der Zukunft Deutschlands. "

    Ich könnte auch noch unzählige Profisportler wie Robben und Ribery etc. aufzählen, die als Flüchtlinge in Deutschland leben, arbeiten und auch hier ihre Steuern zahlen.

  • Ob es glaubwürdiger klingt, wenn man es täglich 5 mal wiedderholt?

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