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Bayer in Bedrängnis Skandal um Monsanto-Spitzel-Listen weitet sich aus

Der US-Konzern hat wohl auch in Deutschland Daten über Gegner gesammelt. Bayers neuer Cheflobbyist Matthias Berninger kündigt Konsequenzen an.
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Die Bayer-Tochter soll illegale Listen angelegt haben. Quelle: AFP
Monsanto macht weiter Probleme

Die Bayer-Tochter soll illegale Listen angelegt haben.

(Foto: AFP)

DüsseldorfDie Spitzel-Vorwürfe gegen den zu Bayer gehörenden Agrarkonzern Monsanto weiten sich aus: Bayer geht davon aus, dass das US-amerikanische Unternehmen nicht nur in Frankreich Listen mit Persönlichkeitsdetails über Journalisten, Politiker und Umweltaktivisten erstellt hat.

Es sei damit zu rechnen, dass solche Listen in nahezu allen EU-Mitgliedsstaaten angelegt wurden, sagte Bayers neuer Cheflobbyist, Matthias Berninger, in einer Telefonkonferenz am Montag. Bei dem betreffenden Vertrag von Monsanto mit der PR-Agentur Fleishman Hillard habe es sich um einen europaweiten Auftrag gehandelt.

Am Wochenende waren die neuen Vorwürfe gegen Monsanto in Frankreich bekannt geworden. Der Konzern soll im Jahr 2016 eine Liste mit 200 Kritikern angelegt haben – mit dem Ziel, einzelne Gegner zu beeinflussen. Neben Journalisten sollen auch Abgeordnete darin auftauchen, unter anderem die frühere französische Umweltministerin Ségolène Royal.

Die französische Liste enthält nach Medienangaben persönliche Details und teilweise Empfehlungen, wie Monsanto und seine PR-Berater mit den Kritikern umgehen sollen. Dabei wurden einzelne Personen als „unbelehrbar“ bezeichnet oder mit dem Etikett „muss umerzogen werden“ versehen. Die Staatsanwaltschaft Paris hat bereits Ermittlungen eingeleitet.

Auf der Liste finden sich in der Mehrzahl Gegner und Kritiker des Pflanzenschutzmittels, das unter Krebsverdacht steht. Bei Monsanto war dieses Vorgehen offenbar Teil einer Kampagne, mit der im Jahr 2016 für die erneute Zulassung des Unkrautvernichters Glyphosat in der EU geworben wurde. Die Amerikaner wollten die Debatte vor allem in den Ländern beeinflussen, in denen die Kritik an dem Pflanzenschutzmittel besonders groß war und ist.

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Bayers Cheflobbyist Berninger sagte am Montag, dass der Leverkusener Konzern ein solches Vorgehen strikt ablehne. „Ich werde für maximale Transparenz und Aufklärung in diesem Fall stehen“, unterstrich er.

Berninger, ein überzeugter Grüner, hat erst am Jahresanfang die Leitung des neu geschaffenen Bereichs Public Affairs und Nachhaltigkeit bei Bayer übernommen. Er saß lange für die Grünen im Bundestag, war Staatssekretär und arbeitete zuletzt beim Schokoriegelhersteller Mars.

Der Einschätzung Berningers zufolge könnten solche Listen wie in Frankreich auch in Deutschland angelegt worden sein. Es lägen dazu aber noch keine Informationen vor. Der Manager sagte, ihm seien die Vorwürfe erst am vergangenen Freitag bekannt geworden.

Bayer hatte am Wochenende um Entschuldigung gebeten und angekündigt, dass eine externe Kanzlei den gesamten Vorgang bei Monsanto aufarbeiten werde. Dabei geht es um Details möglicher Listen in anderen Ländern und die damit verbundenen Verstöße gegen Gesetze und ethische Grundsätze. Wer den Auftrag bekommt, steht noch nicht fest. Es wird sich voraussichtlich um eine US-Kanzlei handeln.

Berninger will zudem allen auf den Listen genannten Personen Einblick geben, was dort über sie gesammelt wurde. Monsanto hatte die PR-Agentur Fleishman Hillard beauftragt, die wiederum bei der Erstellung der Listen mit einer Tochter des französischen Werbekonzerns Publicis zusammengearbeitet hat.

Der Skandal um die Spitzel-Listen in Frankreich dürfte nicht der einzige Verstoß bleiben, der bei Monsanto noch ans Tageslicht kommen wird. Cheflobbyist Berninger sagte, er hätte in den ersten Monaten seiner Arbeit bereits mehrfach festgestellt, dass bei Monsanto „nicht mit dem Ball, sondern gegen den Mann (oder die Frau) gespielt wurde“.

Er werde personelle Konsequenzen ziehen, wenn dies nach den Ermittlungen der Kanzlei nötig sei oder wenn Mitarbeiter nicht vollumfänglich bei der Aufklärung mitarbeiten würden. Der direkt für das Listen-Projekt bei Monsanto verantwortliche Manager sei aber schon vor längerer Zeit ausgeschieden.

Die Gründe dafür hätten allein in der Integration der Organisationen gelegen, über die Vorwürfe in Frankreich sei zu dem Zeitpunkt noch nichts bekannt gewesen.

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