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Bayer-Tochter Monsanto steht vor Prozesswelle – US-Richter lässt Hunderte Klagen wegen Glyphosat zu

Ein US-Bundesrichter hat Klagen gegen das Glyphosat-haltige Unkrautvernichtungsmittel Roundup zugelassen. Damit können Hunderte Prozesse auf die Bayer-Tochter zukommen.
Update: 10.07.2018 - 22:48 Uhr 1 Kommentar
Bayer-Tochter Monsanto: US-Richter lässt Klagen wegen Glyphosat zu Quelle: AFP
USA

Krebspatienten und ihre Familien machen in den USA geltend, der Agrochemiekonzern Monsanto habe von einer Krebsgefahr von Roundup gewusst.

(Foto: AFP)

New YorkIn einem juristischen Streit über das Unkrautvernichtungsmittel Roundup hat ein US-Bezirksrichter grünes Licht dafür gegeben, die Chemikalie als krebserregend zu bezeichnen. Richter Vince Chhabria erklärte am Dienstag in San Francisco, zwar scheine die Beweislage schwach, dennoch könnten Experten vor Gericht damit argumentieren.

Der Richter fasste den Beschluss nach einer mehrwöchigen Anhörung und jahrelangen Rechtsstreitigkeiten, in denen es um Glyphosat ging, den Hauptbestandteil des Monsanto-Verkaufsschlagers. Damit können Hunderte Prozesse gegen die Bayer-Tochter Monsanto weiter vorangetrieben werden.

Mehr als 400 Bauern, Landschaftsgärtner und Verbraucher werfen Monsanto vor, durch den Unkrautvernichter das Non-Hodgkin-Lymphom bekommen zu haben. Monsanto hat die Vorwürfe zurückgewiesen, Hunderte Studien hätten gezeigt, dass Glyphosat sicher sei. Es gebe keine Verbindung zwischen Glyphosat und Krebs, so der Konzern. Viele Regulierungsbehörden haben eine Verbindung zwischen dem Wirkstoff Glyphosat in Roundup und Krebs zurückgewiesen.

In den Verfahren machen Krebspatienten und ihre Familien wiederum geltend, der Agrochemiekonzern habe seit Langem von einer Krebsgefahr von Roundup gewusst, sie aber nicht gewarnt. In Deutschland will Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner den Gebrauch von Glyphosat einschränken.

Der Richter wollte herausfinden, ob die Forschung hinter der Annahme, dass Roundup das Non-Hodgkin-Lymphom auslösen kann, auf gesicherten Grundlagen beruht und ob andere Anforderungen erfüllt sind, damit die Erkenntnisse als stichhaltig gelten können. Dazu ließ er sich im März eine Woche lang von Epidemiologen und anderen Ärzten informieren. Dabei kamen Experten beider Lager zu Wort.

Insgesamt betrachtet seien die Beweise zu mehrdeutig, als dass sicher daraus geschlossen werden könne, dass Glyphosat das Non-Hodgkin-Lymphom auslöse, sagte Chhabria. Dennoch würde er nicht so weit gehen, dass drei von Anwälten der Krebspatienten aufgebotene Experten „minderwertige Wissenschaft“ vorgelegt hätten, die von Prozessen ausgeschlossen werden sollte. Es spreche viel dafür, dass die momentan einzig vernünftige Schlussfolgerung sei, „dass wir noch nicht wissen“, ob das Herbizid das Lymphom hervorrufe, sagte Chhabria.

Monsanto mit Sitz in St. Louis entwickelte Glyphosat in den 1970er-Jahren. Heute wird das Mittel weltweit in mehr als 160 Ländern verkauft. In Kalifornien wird es von Landwirten bei mehr als 200 Arten von Feldfrüchten eingesetzt.

Monsanto verkauft zugleich Saatgut, das resistent gegen Glyphosat ist, während die unerwünschten Beikräuter in der Umgebung absterben. Damit erschloss sich der Konzern ein weiteres Geschäftsfeld, das ihm half, den Markt für genveränderte Saaten zu beherrschen.

Die Weltgesundheitsorganisation stufte Glyphosat 2015 als ein „wahrscheinliches humanes Karzinogen“ ein. Die US-Umweltschutzbehörde erklärte dagegen, Glyphosat sei für Menschen sicher, wenn es entsprechend der Gebrauchsanweisung angewandt werde.

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1 Kommentar zu "Bayer-Tochter: Monsanto steht vor Prozesswelle – US-Richter lässt Hunderte Klagen wegen Glyphosat zu"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Komisch, jahrelang haben US-Richter keine Klage gegen das Glyphosatprodukt des Herstellers Monsanto zugelassen.
    Kaum gehört Monsanto zu Bayer, einem deutschen Konzern, ändert sich das schlagartig.

    Ein Schelm wer böses dabei denkt?

    Wer glaubt Russland sei korrupt und Entscheidungen Staatsgelenkt, sieht, dass in der USA dies heute viel drastischer geschieht. Dagegen ist Putin ein Waisenknabe. Ausländische Firmen werden mit Klagen überhäuft auf Trumps Wunsch, und sind die Klagen noch so abstrus sie werden zugelassen. Alles nicht amerikanische wird bekämpft. Donald Trump läßt grüßen. Die USA sind kein Partner mehr.