Bayer-Übernahmepläne Baumann robbt sich an Monsanto heran

Bayer ist bei der geplanten Übernahme von Monsanto einen kleinen Schritt vorangekommen. Konzernchef Werner Baumann konnte offenbar die Tür beim Saatgutriesen etwas weiter öffnen. Wie es jetzt weitergehen könnte.
Update: 05.08.2016 - 16:26 Uhr
Der Bayer-Chef macht Fortschritte beim Ringen um Monsanto. Quelle: dpa
Werner Baumann

Der Bayer-Chef macht Fortschritte beim Ringen um Monsanto.

(Foto: dpa)

FrankfurtUm die großen Übernahmepläne von Bayer bei Monsanto war es in den vergangenen Tagen etwas ruhig geworden. Aber das muss nicht unbedingt heißen, dass sich nichts bewegt im Kampf um den amerikanischen Saatgutriesen. So haben sich Bayer und Monsanto nach Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg inzwischen auf ein Vertraulichkeitsabkommen verständigt, auf dessen Basis Bayer tieferen Einblick in die Bücher des US-Konzerns nehmen kann.

Auch wenn es dabei wohl nicht um eine echte Due Diligence geht, scheint Bayer-Chef Werner Baumann zumindest einen weiteren kleinen Schritt vorangekommen zu sein. Die Anhebung der Offerte von 122 auf 125 Dollar je Monsanto-Aktie hat anscheinend doch geholfen, den Informationsaustausch zu intensivieren. Und ein besserer Einblick in die Zahlen und Forschung von Monsanto könnte der Bayer-Führung vertretbare Argumente an die Hand geben, um die Offerte ein weiteres Mal zu erhöhen – ohne die eigenen Aktionäre zu verschrecken.

Zugleich signalisiert signalisiert die Entwicklung, dass die Gegenseite gewisse Hilfestellung leistet und letztlich echtes Interesse an einer Einigung mit Bayer hat. Alles in allem hat sich die Position des Leverkusener Konzerns damit im Laufe der letzten Wochen verbessert. Die Bayer-Aktie hat sich von den Kursverlusten nach Bekanntwerden der Übernahme-Pläne inzwischen wieder weitgehend erholt, das Pharmageschäft läuft weiter blendend.

Diese Manager sagten „Ja“ zu Monsanto
Werner Wenning (Vorsitzender)
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Wenn man so will, hat der gebürtige Leverkusener sein ganzes Leben in den Dienst des Chemie-und Pharmakonzerns gestellt. Der Industriekaufmann arbeitet seit 44 Jahren ohne Unterbrechung bei Bayer – in unterschiedlichen Sparten im In- und Ausland. Als der damalige Finanzvorstand 2002 das Amt als Vorstandsvorsitzender antrat, steckte Bayer im Skandal um das tödliche Medikament Lipobay. Dem Konzern drohte die Zerschlagung. Er meisterte diese Herausforderung. Im Jahr 2010 räumte Wenning seinen Schreibtisch und machte damit Platz für seinen Nachfolger Marijn Dekkers. Zwei Jahre später wurde er zum Vorsitzenden des Bayer-Aufsichtsrates ernannt. Auch ist er Vorsitzender des Kontrollgremiums von Eon und Mitglied bei den Dax-Konzernen Henkel und Siemens.

Oliver Zühlke
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Er ist seit 2015 Vizechef des Bayer-Aufsichtsrates. Der gelernte Chemikant ist Betriebsratschef, vertritt im Gremium daher die Arbeitnehmerseite. Was die geplante Bayer-Übernahme des US-amerikanischen Saatgutspezialisten betrifft, äußert er sich zuversichtlich. Er findet, dass Monsanto besser ist als sein Ruf. Der Bayer-Konzern habe den Mitarbeitern in einer mehrseitigen Erklärung umfangreiche Zusagen beim Kündigungsschutz und Standorten gemacht. „Es wird keinen Jobabbau geben“, sagte Zühlke der „Rheinischen Post“.

Paul Achleitner
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Paul Achleitner kennt sich mit der Tätigkeit in Aufsichtsräten aus: Er sitzt bei Daimler im Gremium und ist Vorsitzender des Aufsichtsrates der Deutschen Bank. Dort lief es zuletzt nicht rund: Großaktionäre wollen einen Wechsel an der Aufsichtsratsspitze, sobald Achleitners Vertrag 2017 ausläuft. Der Vorwurf: Achleitner habe zu lange am Ex-Vorstandschef Anshu Jain festgehalten. Gründe für die Wut der Aktionäre gibt es viele: Ein dramatischer Kurssturz, ungeklärte Skandale, keine Dividende und eine Schlammschlacht im Aufsichtsrat. Achleitner selbst will eine zweite Amtszeit nach 2017, auf der Hauptversammlung sagte er: „Deshalb stehe ich heute hier und würde mich auch wieder hier hinstellen, wenn dieses Jahr eine Wiederwahl anstünde.“ Die Aktionäre quittierten die Ankündigung mit Schweigen.

Clemens Börsig
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Der promovierte Betriebswirtschaftler Börsig hat viel Erfahrung in Führungs- und Aufsichtsratsfunktionen: Von 1997 bis 1999 war er Finanzvorstand bei RWE, von 2006 bis 2012 Vorsitzender des Aufsichtsrats der Deutschen Bank. Als solcher hatte ihm die Staatsanwaltschaft im Deutsche-Bank-Prozess schweren Prozessbetrug vorgeworfen – genauso wie Co-Vorstandschef Jürgen Fitschen, den Vorgängern Josef Ackermann und Rolf-E. Breuer sowie Ex-Vorstand Tessen von Heydebreck. Sie hätten in einem früheren Prozess gelogen, um Schadensersatzansprüche des Medienunternehmers Leo Kirch abzuwenden, so die Staatsanwaltschaft. Dafür fanden sich keine Beweise, das Verfahren endete mit einem Freispruch. Seit 2013 ist Börsig Vorsitzender des Vorstands der Deutsche Bank Stiftung. Mitglied des Aufsichtsrates ist er bei Bayer seit April 2007.

Simone Bagel-Trah
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Sie ist wohl die einflussreichste Frau im Dax: Simone Bagel-Trah ist die erste und bislang einzige Aufsichtsratsvorsitzende eines Dax-Konzerns. Als Mitglied der fünften Generation der Henkel-Familie leitet sie nicht nur das Kontrollgremium des Persil-Konzerns, sondern hat auch im Gesellschafterausschuss das Sagen. Seit 2014 ist Bagel-Trah Mitglied im Bayer-Aufsichtsrat. Für dieses Amt bringt die gebürtige Düsseldorferin Fachwissen mit. Denn: Bagel-Trah hat im Bereich Mikrobiologie und Pharmazie promoviert – und ist bis heute geschäftsführende Gesellschafterin des Biotech-Dienstleisters Antiinfectives Intelligence. Das schlechte Image des Saatgutspezialisten Monsanto ist der Naturwissenschaftlerin daher durchaus bekannt. Trotzdem hat sie der Milliarden-Übernahme durch Bayer zugestimmt.

Thomas Ebeling
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Thomas Ebeling sitzt seit April 2012 im Aufsichtsrat von Bayer. Mit der Pharmabranche kennt sich der gebürtige Hannoveraner aus: Von 2000 bis 2007 war er CEO des Pharmageschäfts von Novartis, anschließend für ein Jahr Chef der Sparte Consumer Health. 2009 wechselte er dann in die Medienbranche als Vorstandsvorsitzender von Pro Sieben Sat 1, der im März der Sprung in den Dax gelang.

Johanna W. (Hanneke) Faber
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Die gebürtige Niederländerin ist ein Neuzugang im Bayer-Aufsichtsrat. Sie gehört dem Gremium seit April an. Als Chief Commercial Officer ist sie beim niederländischen Handelskonzern Ahold für die Werbung zuständig und Mitglied der Geschäftsleitung.

Das alles gibt Konzernchef Baumann noch Spielraum. Ob er ausreicht, um einen Durchbruch zu erzielen, ist keineswegs sicher. Aber die Chancen für einen Deal dürften zumindest etwas gewachsen sein.

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