Bayer und Evotec Im Kampf gegen Nierenversagen

Der Pharma- und Chemiekonzern Bayer hat sich mit dem Biotechunternehmen Evotec zusammengetan, um ein neues Medikament gegen Nierenversagen zu entwickeln. Doch die Forschungs-Allianz hat noch einen weiten Weg vor sich.
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Das Bayer-Kreuz am Köln-Bonner Flughafen: Der Konzern kooperiert mit einem Biotechunternehmen. Quelle: dpa
Bayer

Das Bayer-Kreuz am Köln-Bonner Flughafen: Der Konzern kooperiert mit einem Biotechunternehmen.

(Foto: dpa)

Die Zahlen sind erschreckend: Etwa zwei Millionen Menschen in Deutschland, schätzt die Gesellschaft für Nephrologie, leiden an eingeschränkter Nierenfunktion. Rund 80.000 Patienten sind hierzulande auf eine regelmäßige Blutwäsche, die sogenannte Dialyse, angewiesen, 20.000 leben mit einer Spenderniere. Und noch weitaus dramatischer wirken die Daten aus den USA. Dort sind nach Schätzung der Behörde für Krankheitskontrolle (CDC) bis zu 20 Millionen Menschen von Nierenerkrankungen betroffen, viele ohne es zu wissen.

Der Bedarf für bessere Therapien ist daher im Prinzip riesig. Trotzdem spielt der Bereich in der Medikamentenforschung bislang eher eine untergeordnete Rolle – im Schatten von Herzkreis-Erkrankungen und Diabetes, die wiederum als Hauptverursacher von Nierenerkrankungen gelten. In diese Lücke wollen Bayer und Evotec mit einer Forschungs-Allianz stoßen, die sie vor wenigen Wochen vereinbart haben.

Ziel ist es, neue, bessere Medikamente zu entwickeln, um den schleichenden Funktionsverlust der Nieren zu verzögern oder komplett zu stoppen. „Wenn man das schafft, könnte man verhindern, dass Menschen dialysepflichtig werden“, schätzt Jörg Moeller, Leiter der Pharmazeutika-Entwicklung bei Bayer. Und selbst wenn es nur gelinge, die Nierenschädigung zu verzögern, zeigt sich Evotec-Chef Werner Lanthaler überzeugt, „hätte das bereits einen dramatischen Effekt auf die Kosten im Gesundheitswesen.“

Die größten Übernahmen deutscher Konzerne
Platz 8
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Im Jahr 2014 übernahm der Merck-Konzern den US-Laborausrüster Sigma-Aldrich für 12,8 Milliarden Euro. Für den Darmstädter Pharma- und Chemiekonzern war es der größte Zukauf in der Firmengeschichte.

Platz 7
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Der Gasspezialist Linde kaufte im Jahr 2006 den britischen Konkurrenten BOC für 13 Milliarden Euro. Durch die Fusion wurde der deutsche Konzern zum Weltmarktführer für Industriegase.

Platz 6
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Der Baustoffkonzern Heidelberg Cement legte im Jahr 2007 13,7 Milliarden Euro für das britische Unternehmen Hanson auf den Tisch. Durch die bis dato größte Übernahme in der Baustoffindustrie wird HeidelCement zum weltgrößten Hersteller von Zuschlagstoffen.

Platz 5
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Im Jahr 2001 übernahm Eon den britischen Versorger Powergen für 16,6 Milliarden Euro. Durch die Übernahme gelang dem Düsseldorfer Konzern der Eintritt in den größten Energiemarkt der Welt, der USA.

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Im Jahr 2000 bezahlte die Deutsche Telekom für den vergleichsweise kleinen US-Mobilfunker Voice Stream 29 Milliarden Euro. Die heutige Telekom-Sparte T-Mobile US machte den Bonnern lange Zeit Sorgen, heute sprudeln die Gewinne wieder. T-Mobile US ist inzwischen der drittgrößte Mobilfunker in den Vereinigten Staaten.

Platz 3
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Der Düsseldorfer Technologiekonzern Mannesmann zahlt im Herbst 1999 rund 32,8 Milliarden Euro für den britischen Mobilfunker Orange. Kurze Zeit später schluckt dann der britische Telefonriese Vodafone Mannesmann nach einer bis dahin beispiellosen Abwehrschlacht für 180 Milliarden Euro - bis dato die größte Übernahme weltweit.

Platz 2
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Der Stuttgarter Autokonzern Daimler Benz und der drittgrößte US-Autobauer Chrysler zimmern im Sommer 1998 eine „Fusion unter Gleichen“. Chrysler wird bei dem Aktientausch mit rund 38,6 Milliarden Euro bewertet. 2007 trennt sich Daimler dann von Chrysler und verkauft den Unternehmensteil an den Finanzinvestor Cerberus. Inzwischen gehört Chrysler zu Fiat.

Für etwa drei Viertel aller Fälle von chronischem Nierenversagen sind Vorerkrankungen wie Diabetes und Herzkreislaufkrankheiten verantwortlich. Sie führen dazu, dass die feinen Blutgefäße der Niere nach und nach verstopfen und dadurch die Filterfunktion des Organs gestört wird. Nierenversagen wird darüber hinaus aber auch durch Entzündungen und andere, noch unbekannte Ursachen ausgelöst.

Ob es den Allianzpartnern tatsächlich gelingt, solche Funktionsstörungen mit neuen Medikamenten zu beheben, wird sich indessen erst im kommenden Jahrzehnt zeigen. Denn die Forschungs-Allianz hat noch einen weiten Weg vor sich.

Sie setzt zunächst einmal in einer sehr frühen Phase der Medikamentenentwicklung – der Suche nach günstigen molekularen Angriffspunkten für potenzielle Wirkstoffe – an. Immerhin bringen beide Partner bereits mehrere solcher „targets“ in die Kooperation ein.

Spätestens in etwa fünf Jahren, hofft Moeller, könnten aus der Allianz die ersten Wirkstoffkandidaten in klinische Tests gehen, also an Menschen erprobt werden. Auch danach wird es – selbst wenn alles gut läuft – noch einige Jahre dauern, bis konkrete Medikamente auf den Markt kämen. Vor Mitte des kommenden Jahrzehnts können Patienten daher kaum mit konkreten Ergebnissen aus der Bayer-Evotec-Initiative rechnen.

Das Langfristprojekt beleuchtet die strategische Zielrichtung beider Partner: Für Bayer geht es vor allem darum, die frühe Forschungs-Pipeline zu verbreitern und die Grundlagen für das Geschäft im nächsten und übernächsten Jahrzehnt zu legen. Mit 14 Milliarden Euro Arzneimittelumsatz ist Bayer derzeit Deutschland größter und auch wachstumsstärkster Pharmakonzern. Neuere Medikamente wie der Gerinnungshemmer Xarelto und das Augenmittel Eylea geben dem Geschäft derzeit kräftigen Schub. Viele Analysten sind jedoch skeptisch, ob der Konzern über genügend Produktnachschub für die kommenden zehn Jahre verfügt, wenn etwa ab 2024 die Patente auf die aktuellen Bestseller auslaufen.

Eine Herausforderung für den Konzern besteht darin, dass er es sich als nur mittelgroßer Akteur in der Pharmabranche nicht leisten kann, seine Wetten in der Pharmaforschung endlos breit zu streuen – zumal er nun auch die Riesenakquisition von Monsanto stemmen muss. „Wir können nicht den Anspruch verfolgen, auf jedem Therapiegebiet tätig zu sein“, räumt Moeller ein.

Auf der Suche nach „first-in-class“-Medikamenten
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