Bayer und Monsanto „Wir trauen uns das zu“

Bayer will in Kürze bei der EU die Genehmigung für den Monsanto-Kauf einholen. Konzernchef Baumann ist zuversichtlich, dass bei der transatlantischen Mega-Übernahme kein Fiasko droht wie einst Daimler bei Chrysler.
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Der Bayer-Chef ist zuversichtlich, dass die Übernahme von Monsanto zum Erfolg wird. Quelle: Reuters
Werner Baumann

Der Bayer-Chef ist zuversichtlich, dass die Übernahme von Monsanto zum Erfolg wird.

(Foto: Reuters)

DüsseldorfBayer-Chef Werner Baumann rechnet nach wie vor mit einem Abschluss der Mega-Übernahme des US-Saatgutkonzerns Monsanto in diesem Jahr. „Das ist realistisch“, sagte der 54-Jährige am Montagabend vor der Wirtschaftspublizistischen Vereinigung in Düsseldorf.

Dabei hat Bayer die Transaktion bislang nicht bei der EU-Kommission zur kartellrechtlichen Prüfung angemeldet. Und Baumann selbst rechnet – wie er in Düsseldorf sagte – allein schon wegen der Größe des Deals mit einer vertieften Prüfung. „Wenn wir nach der ersten Runde in Europa die Freigabe bekämen, dann finden wir das ziemlich gut. Wir glauben aber nicht, dass das der Fall sein wird."

Der Antrag soll aber offenbar in den kommenden Tagen in Brüssel eingehen. Der Konzern hatte angekündigt, den Antrag im zweiten Quartal einzureichen, also bis Freitag kommender Woche, „Das wollen wir immer noch“, betonte der Konzernchef. In den USA läuft die Prüfung bereits.

Bayer hatte sich im vergangenen Herbst mit Monsanto auf eine Übernahme geeinigt. Das Management um CEO Hugh Grant akzeptierte eine Offerte, die das Unternehmen mit 66 Milliarden Dollar bewertet. Gemeinsam wollen sie den weltweit größten Anbieter von Pflanzenschutzmitteln und Saatgut schaffen. Die kartellrechtlichen Prüfungen sind eine der letzten Hürden bei dem Megageschäft.

Die beiden Unternehmen werden sich im Zuge ihrer Übernahme von einigen Aktivitäten trennen müssen. Hierzu wollte sich Baumann aber nicht näher äußern. Klar ist, dass Bayer seine Saatgutmarke Liberty Link samt dem dazugehörigen Unkrautvernichter abgeben wird. Das fordert die Kartellbehörde in Südafrika.

Die größten Übernahmen deutscher Konzerne
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Im Jahr 2014 übernahm der Merck-Konzern den US-Laborausrüster Sigma-Aldrich für 12,8 Milliarden Euro. Für den Darmstädter Pharma- und Chemiekonzern war es der größte Zukauf in der Firmengeschichte.

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Der Gasspezialist Linde kaufte im Jahr 2006 den britischen Konkurrenten BOC für 13 Milliarden Euro. Durch die Fusion wurde der deutsche Konzern zum Weltmarktführer für Industriegase.

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Der Baustoffkonzern Heidelberg Cement legte im Jahr 2007 13,7 Milliarden Euro für das britische Unternehmen Hanson auf den Tisch. Durch die bis dato größte Übernahme in der Baustoffindustrie wird HeidelCement zum weltgrößten Hersteller von Zuschlagstoffen.

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Im Jahr 2001 übernahm Eon den britischen Versorger Powergen für 16,6 Milliarden Euro. Durch die Übernahme gelang dem Düsseldorfer Konzern der Eintritt in den größten Energiemarkt der Welt, der USA.

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Im Jahr 2000 bezahlte die Deutsche Telekom für den vergleichsweise kleinen US-Mobilfunker Voice Stream 29 Milliarden Euro. Die heutige Telekom-Sparte T-Mobile US machte den Bonnern lange Zeit Sorgen, heute sprudeln die Gewinne wieder. T-Mobile US ist inzwischen der drittgrößte Mobilfunker in den Vereinigten Staaten.

Platz 3
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Der Düsseldorfer Technologiekonzern Mannesmann zahlt im Herbst 1999 rund 32,8 Milliarden Euro für den britischen Mobilfunker Orange. Kurze Zeit später schluckt dann der britische Telefonriese Vodafone Mannesmann nach einer bis dahin beispiellosen Abwehrschlacht für 180 Milliarden Euro - bis dato die größte Übernahme weltweit.

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Der Stuttgarter Autokonzern Daimler Benz und der drittgrößte US-Autobauer Chrysler zimmern im Sommer 1998 eine „Fusion unter Gleichen“. Chrysler wird bei dem Aktientausch mit rund 38,6 Milliarden Euro bewertet. 2007 trennt sich Daimler dann von Chrysler und verkauft den Unternehmensteil an den Finanzinvestor Cerberus. Inzwischen gehört Chrysler zu Fiat.

Absehbar sind zudem Verkäufe im Baumwollgeschäft und bei einigen Gemüsesorten, bei denen Bayer und Monsanto zusammen eine sehr starke Marktposition hätten. Beide hatten angekündigt, Geschäfte mit einem Umsatzvolumen von 1,6 Milliarden Dollar im Zuge der Kartellprüfung angeben zu wollen. Insgesamt kommen Monsanto und Bayers Agrochemiesparte auf einen Pro-Forma-Umsatz von 24,5 Milliarden Dollar.

Vor der Integration des gewaltigen Zukaufs ist Baumann nicht bange. Zum einen sei die Finanzierung von Anfang an gesichert gewesen. „Das Risiko war überschaubar“, betonte Baumann. Zum anderen sieht er auch die organisatorische Verbindung vergleichsweise unproblematisch. „Die Art und Weise wie die Vorbereitung läuft, könnte nicht besser sein.“ Die Qualität der Zusammenarbeit mit dem Monsanto-Management sei „erstklassig“.

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1 Kommentar zu "Bayer und Monsanto: „Wir trauen uns das zu“"

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  • Dann sind die 66 Milliarden Dollar wohl weg. Schade.

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