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Bekleidungsunternehmen H&M, Nike, Adidas: Shitstorm gegen internationale Modemarken in China

Nur Tage nach der Verhängung von EU-Sanktionen wegen Menschenrechtsverletzungen wüten Chinas Staatsmedien gegen mehrere Mode- und Sportfirmen.
25.03.2021 Update: 25.03.2021 - 11:39 Uhr 4 Kommentare
Auch Adidas ist im Fokus der staatlichen Medien. Quelle: AP
Adidas-Geschäft in Peking

Auch Adidas ist im Fokus der staatlichen Medien.

(Foto: AP)

Peking Internationale Bekleidungsmarken sehen sich derzeit einem heftigen Shitstorm in China ausgesetzt. Angefangen hatte es am Mittwochabend zunächst mit dem schwedischen Modeunternehmen H&M, inzwischen sind jedoch auch andere internationale Marken wie Nike, Puma, Adidas und Uniqlo unter Beschuss in sozialen Netzwerken. Laut Medienberichten haben erste Onlinehändler wie Alibabas Taobao Waren von H&M von ihren Plattformen genommen.

Der Aktienkurs von Adidas brach am Donnerstagmorgen um vier Prozent ein. Das Unternehmen war damit der mit Abstand größte Verlierer im Dax. Puma gab etwa ein Prozent nach, H&M hatte bereits am Mittwoch zeitweise um fast drei Prozent verloren.

Die Kritik an den Firmen entzündet sich an deren Statements, dass sie aufgrund der Menschenrechtslage in Xinjiang keine Baumwolle mehr aus der westchinesischen Region beziehen wollen. Am Donnerstagmorgen weitete sich der Shitstorm – angefacht durch chinesische Staatsmedien – auf weitere westliche Marken aus, die sich kritisch bezüglich der Menschenrechtslage in Xinjiang geäußert hatten. Angesprochen auf den Shitstorm, sagte Chinas Handelsministerium am Donnerstag, Unternehmen sollten die Marktregeln respektieren und Fehler korrigieren.

Adidas wollte sich auf Anfrage zu den Ereignissen nicht äußern.

Laut Medienberichten, wissenschaftlichen Studien und Augenzeugenberichten hat die chinesische Regierung in Xinjiang mehr als eine Million Menschen in der Region in Internierungslager gesteckt, wo sie indoktriniert, misshandelt und Zwangsarbeit unterworfen werden. Die dort lebende muslimische Minderheit der Uiguren soll zudem durch Geburtenkontrolle bis hin zu Zwangssterilisationen davon abgehalten werden, sich fortzupflanzen. US-Außenminister Antony Blinken hatte das Vorgehen als „Völkermord“ bezeichnet. Peking bestreitet Menschenrechtsvergehen und bezeichnet die Internierungslager als Ausbildungsstätten, die der Terrorbekämpfung dienen.

Am Montag hatte die EU zum ersten Mal seit 1989 wegen der Menschenrechtsverstöße in Xinjiang Sanktionen gegen China erlassen. Die Reaktion der chinesischen Regierung fiel heftig aus. Sie sanktionierte zehn Individuen und vier Institutionen – darunter die China-kritischen EU-Parlamentarier Reinhard Bütikofer (Grüne) und Michael Gahler (CDU), der deutsche Forscher Adrian Zenz, der Berichte zu den Menschenrechtsvergehen der chinesischen Regierung in der Region Xinjiang veröffentlicht hat, sowie der Berliner China-Thinktank Merics.

Wer den Shitstorm gegen die internationalen Modefirmen am Mittwoch gestartet hat, ist nicht ganz klar, er könnte aber auf einen Beitrag des Jugendverbands der Kommunistischen Partei (KP) zurückgehen. Darin weist dieser auf eine Mitteilung von H&M vom März 2020 hin, dass das Unternehmen keine Baumwolle mehr aus Xinjiang kaufen wird. Der Einzelhändler schrieb darin, er sei „zutiefst besorgt“ über Berichte über Zwangsarbeit dort. Die Mitteilung ist inzwischen nicht mehr auf der Webseite des Unternehmens zu finden.

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In chinesischen sozialen Netzwerken haben – gezielt gesteuert durch scharfe Zensur von regierungskritischen Äußerungen – schon seit Längerem die Nationalisten die Überhand. Am Donnerstagvormittag riefen Kommentatoren chinesische Prominente etwa dazu auf, ihre Zusammenarbeit mit den kritisierten Firmen einzustellen. So kursierte eine Liste von Stars, die für Adidas Werbung machen. Eine Reihe von ihnen hat bereits öffentlich die Zusammenarbeit mit westlichen Konzernen aufgekündigt.

Die chinesischen Staatsmedien kritisierten die Unternehmen in mehreren Beiträgen scharf. So postete die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua in dem sozialen Netzwerk Weibo ein Bild, das den Nike-Haken zeigt, durchgestrichen mit einem roten Kreuz. Unter dem Bild steht „Nike, diesmal liegst du falsch“. Die staatliche „Global Times“ verbreitete ihrerseits über Weibo ein Video, das angeblich die Demontage eines H&M-Logos am Donnerstag an einer Shopping-Mall in Chengdu zeigt.

Die Modehändler sind unterschiedlich investiert in China. H&M macht rund fünf Prozent seines Umsatzes in der Volksrepublik, Adidas laut Berechnungen des Handelsblatts sogar 16 Prozent.

China ist für Adidas beides: Ein wichtiger Markt und gleichzeitig bedeutender Produzent. Aus dem Land stammen 15 Prozent aller Schuhe des Konzerns, 20 Prozent der Bekleidung und 36 Prozent der Accessoires, zum Beispiel Bälle und Taschen.

In China sitzt auch der größte einzelne Textil-Lieferant der Marke, der elf Prozent aller Kleidungsstücke herstellt.

Für die nächsten Jahre hat sich Adidas vorgenommen, jedes Jahr ein zweistelliges Plus in China zu erzielen und dabei Marktanteile zu ergattern. So hat es Vertriebsvorstand Roland Auschel Mitte des Monats verkündet, als der Dax-Konzern seinen neuen Mehrjahresplan präsentierte. China ist damit die Wachstumsregion schlechthin für die Marke.

Den Umsatz für China alleine hat Adidas für das vergangene Jahr nicht ausgewiesen. In Asien erzielte Adidas Erlöse von 6,5 Milliarden Euro, rund 17 Prozent weniger als 2019. Das entspricht rund einem Drittel des Konzernumsatzes. In China sei das Geschäft 2020 um 15 Prozent zurückgegangen, teilte Adidas mit. Zuletzt hat es sich jedoch kräftig erholt: Im vierten Quartal ist der Umsatz zu konstanten Wechselkursen um sieben Prozent gestiegen.

Es kommt in der Volksrepublik immer wieder vor, dass in sozialen Netzwerken zum Boykott internationaler Marken aufgerufen wird, wenn diese sich nicht so verhalten wie von der Kommunistischen Partei gewünscht. Im Jahr 2018 hatte es etwa den Autokonzern Daimler getroffen, der ein Zitat des Dalai-Lama für eine Werbung benutzt hatte. Nach Boykottaufrufen gab das deutsche Unternehmen klein bei und entschuldigte sich öffentlich.

Mehr: Konfrontation mit Ansage – Die neue Eiszeit zwischen der EU und China

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4 Kommentare zu "Bekleidungsunternehmen: H&M, Nike, Adidas: Shitstorm gegen internationale Modemarken in China"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Ich finde die Ansage von H&M jedenfalls schon mal sehr mutig. Jetzt werden sie massiv abgestraft und sind damit ein weiteres abschreckendes Beispiel dafür, was passiert wenn man in China "dumm" auffällt .
    Nur mit einer Gegenreaktion könnten Produzenten in China ermutigt werden, sich gegen das Regime zu engagieren. Wenn China Unternehmen mobbed könnten die Verbraucher sich wehren, indem sie verstärkt diese Produkte kaufen. Dann wäre die Hemmschwelle geringer und man würde China unter Druck setzen können. Der Verbraucher hat die Macht.
    Damit möchte ich nicht die Billig Produktion westlicher Unternehmen in China unterstützen.

  • absolut logischer Schritt von China. Und da sind die noch nicht mal bei der Achillesverse angekommen. Eher ein leichtes Kitzeln mit der Klinge, das wir jetzt vernehmen sollten.

    Bei den Konzernen zählt halt nur die Marge, sodass vieles nach China verlagert wurde. War und ist doch jedem klar, dass das politisch betrachtet ein Minenfeld darstellt.

    Wir reden da aber nicht nur über die großen Textilhersteller. Wenn Garnelen zum Schälen aus Europa nach China gebracht werden und wieder Retoure, kann man sich doch nur an den Kopf packen.

    Vielleicht führen die Maßnahme Chinas ja wieder zur "Besinnung" einiger Unternehmen. Wie der Vorredner bereits nannte, gibt es ausreichend Personal in Europa, um die Aufgaben zu übernehmen.

    Aber ok, so viel zu meinem Wunschdenken.
    Ich denke, dass als nächstes der afrikanische Kontinent dran ist. Wasser/ Lebensmittel der EU gegen Fabriken, Steuervorteile und genügend Personal für die Produktion....

  • Es gibt auch gute Standorte in Europa um günstig zu produzieren, somit umgeht man die miesen Machenschaften Chinas.

  • Dies ist für westliche Firmen in China eine sehr gefährlich Situation. Kritik wird bedingungslos abgestraft. Dies wird sich auch nicht ändern. Die Fragen die man sich stellen muss ist ob eine kritiklose Meinung dieser Firmen sich nicht auf das Konsumverhalten der Käufer im Westen auswirkt und wann die Schwelle der Kritik erreicht ist an dem die Chinesen die Produktionstätten diesr Firmen einfach verstatlichen.
    Schon jetzt wird deitlich dass die chinesische Normalverbraucher Produkte dieser Firmen weniger kaufen, weil sie von der chinesischen Führung überzeugt sind oder weil sie sich nicht mehr trauen z.B. Nike Schuhe zu kaufen aus Angst verbvolgt zu verden.
    Gut gemeinter Tipp: Produktionsstätten in China so langsam abbauen und wieder im Westen produzieren. Dann muss man auch keine Baumwolle mehr kaufen die durch Sklaven geernet werden.

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