Bentley Der nächste Sanierungsfall im VW-Konzern

Je größer das Auto, desto höher der Gewinn: Das gilt für Bentley nicht. Die Rendite der VW-Tochter sinkt. Konzernchef Diess will mithilfe von Porsche umsteuern.
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Das Logo des britischen Automobilherstellers Bentley Quelle: Bloomberg
Bentley Motors

Für die ersten sechs Monate dieses Jahres hat die britische Marke einen operativen Verlust von 80 Millionen Euro gemeldet

(Foto: Bloomberg)

DüsseldorfIn der Autobranche gilt ein ungeschriebenes Gesetz: Je größer das Fahrzeug ist, desto mehr Gewinn fällt für den Hersteller ab. Bei einem günstigen Kleinwagen bleiben am Ende oft nur ein paar Hundert Euro hängen. Ganz anders bei einem Luxusmodell oder bei einem edlen Sportwagen.

Bei Porsche etwa ist es völlig normal, dass das Unternehmen pro Auto 20.000 bis 30.000 Euro verdient. Als ertragsstärkste Marke gilt Ferrari. Bei den Italienern bewegt sich die Gewinnmarge in Richtung 25 Prozent. So sollte es eigentlich auch bei der britischen Volkswagen-Tochter Bentley sein.

Viel edler kann es bei einer Automarke kaum zugehen: Die Preisliste beginnt so richtig erst bei 150.000 Euro. Leder, Holz und teure Metalle gehören bei der britischen Marke zum Standard. Bei Bentley spielt Tradition bis heute eine große Rolle.

Erst seit 15 Jahren gehört das Unternehmen aus der Industriestadt Crewe südlich von Manchester zum VW-Konzern. Vom eigentlich zu erwartenden hohen Ertragsniveau wie bei anderen Luxusmarken kann bei Bentley aber keine Rede sein, im Gegenteil: Die Tochter aus dem englischen Norden schreibt rote Zahlen.

Ganz zum Leidwesen der Eigentümer in Wolfsburg. Für die ersten sechs Monate des Jahres hat die britische Marke einen operativen Verlust von 80 Millionen Euro gemeldet. Fahrzeugabsatz und Umsatz sind ebenfalls deutlich gefallen. Ein Ende der Misere ist nicht in Sicht. Frank Witter, Finanzvorstand des VW-Konzerns, sprach vor wenigen Tagen von einem „schwierigen Gesamtjahr für Bentley“.

Mit 4000 Mitarbeitern in Crewe und einem Jahresumsatz von knapp zwei Milliarden Euro gehört die britische Marke zu den kleineren Töchtern innerhalb des Volkswagen-Konzerns. Doch der neue Vorstandschef Herbert Diess hat mit der Dieselaffäre und den neuen, schärferen Abgas- und Verbrauchstests (WLPT) schon genug Baustellen. Eine eigentlich ertragsstarke Luxusmarke, die Verlust macht, ist das Letzte, was er im Moment gebrauchen kann.

Diess wird sich die roten Zahlen in England nicht lange gefallen lassen. Er trimmt jede Konzerntochter auf Effizienz, so, wie er es in den vergangenen drei Jahren schon selbst als Chef der Marke Volkswagen bewiesen hat. Angesichts der Bentley-Verluste ist im Topmanagement in Wolfsburg schon die Rede vom „nächsten Sanierungsfall“.

Die britische Tochter hat nicht erst seit 2018 ein Ertragsproblem, sondern schon viel länger. 2013 hatte Bentley zum letzten Mal ordentlich verdient. Der operative Ertrag von 168 Millionen Euro stand damals für eine Rendite von zehn Prozent.

Danach ging es Jahr für Jahr bergab. 2015 hatte sich die operative Marge schon nahezu halbiert und war bei 5,7 Prozent angekommen. 2017 waren noch drei Prozent übrig. Und in diesem Jahr hat sich dieser Abwärtstrend mit dem Verlust von 80 Millionen Euro noch verschärft.

Es ist nicht so, dass die jahrelange Abwärtsentwicklung von Bentley in Wolfsburg nicht bemerkt worden wäre. Schon im vergangenen Jahr versuchte der damalige Vorstandschef Matthias Müller einzugreifen. Er sorgte dafür, dass der glücklose Bentley-Chef Wolfgang Dürheimer mit Jaguar-Manager Adrian Hallmark einen Nachfolger bekam. Im Vorstand wurden Technik-, Vertriebs- und Personalressort ebenfalls neu besetzt.

Hallmark hat seinen neuen Posten erst im Februar angetreten, deshalb dürften ihm die Halbjahresverluste kaum anzulasten sein. Er hat die Probleme von seinem Vorgänger geerbt – und muss nun zusehen, dass er die britische Luxusmarke schnellstmöglich aus den roten Zahlen bekommt. In diesem Jahr ist es bei den Verkaufszahlen weiter abwärtsgegangen: Ein Absatz von 4 520 Fahrzeugen steht für die ersten sechs Monate in den Büchern, fast 400 Autos weniger als im ersten Halbjahr 2017.

Bentley hatte erhebliche Probleme beim Verkaufsstart seines neuen Continental GT, der so etwas wie das Basismodell für die Luxusmarke ist. „Weitere Softwareentwicklungen waren nötig, um unsere eigenen hohen Standards zu erfüllen“, begründete ein Bentley-Sprecher die Verzögerungen. Aus Wolfsburg kommen hingegen schärfere Töne.

In Konzernkreisen wird vom „schlechtesten Produktanlauf aller Zeiten“ gesprochen, bei Bentley habe es massive Qualitätsprobleme gegeben. Probleme, die mit dem Anspruch einer Luxusmarke überhaupt nicht vereinbar gewesen wären und die bei der betuchten Kundschaft für große Verärgerung gesorgt hätten.

Bentley sei gar nichts anderes übrig geblieben, als mit dem Verkauf zu warten und die Probleme beim Continental zu beseitigen. Für Verwunderung sorgt in Wolfsburg zudem noch ein anderer Punkt. Die Karosse des Bentley Continental wird im Leipziger Porsche-Werk gefertigt, parallel zum Porsche Panamera.

Der Fall Bentley liegt anders
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2 Kommentare zu "Bentley: Der nächste Sanierungsfall im VW-Konzern"

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  • Spannend, informativ und wertvoll ist dieser Beitrag für mich als VW Aktionär und Kunde der VW Gruppe.
    Vielleicht aber auch für Beschäftigte und Menschen die an einer gesunden Wirtschaft noch interessiert sind.

  • Wieso Gesetz?
    In den 70ern haben praktisch alle "Luxusmarken" rote Zahlen geschrieben. Egal ob Bentley/RR, Ferrari, Maserati, Cadillac oder was auch immer!
    Das war nicht die Steinzeit. Damals galten solche Firmen bestenfalls als ein Aushängeschild.

    Da Autos immer unwichtiger werden: "Was fahren SIE denn da, sind Sie Zuhälter, Zahnarzt oder von so 'nem Libanesenclan? Sie sehen gar nicht so aus!" sollte sich die ENtwicklung auch wieder dahingehend normalisieren.

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