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Bergbaugigant Norilsk Nickel Der Riese aus der Taiga

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Norilsk Nickel. Kerndaten, Geschäftsjahr zum 31.12.2005 (Quelle: Unternehmensangaben, Bloomberg, Datastream)

Norilsk Nickel. Kerndaten, Geschäftsjahr zum 31.12.2005 (Quelle: Unternehmensangaben, Bloomberg, Datastream)

Doch die Geschichte des Nickel, Kupfer, Platin, Palladium, Gold, Silber, Kobalt, Rhodium und andere seltene Metalle gewinnenden Konzerns kennt nicht nur solche Feiertage. Sondern vor allem Tage so schwarz wie die 370 Kilometer langen Schächte in der Untertage-Grube „Oktober“. 1935 beschloss der Rat der Volkskommissare der UdSSR einen Erlass zur Ausbeutung der seit dem 17. Jahrhundert bekannten Metallvorkommen. Zehntausende Gulag-Häftlinge stampften Gruben und Hütten aus dem Eisboden. Schon vier Jahre später wurden das erste Kupfer und Nickel gefördert. 1989 wurde der „Staatskonzern zur Produktion von Buntmetallen Norilsk Nickel“ daraus. Fünf weitere Jahre später wurde er bei einer zweifelhaften Auktion privatisiert.

215 000 Menschen leben noch hier hinter dem Polarkreis. 60 000 von ihnen finden noch Arbeit beim Nickelriesen; „früher waren es 130 000“, erzählt Bürgermeister Walerij Melnikow. Er war damals Gewerkschaftsboss und konnte sich gegen Druck des Werks als Politiker durchsetzen. Die eisigen und langen Polarwinter und Myriaden von Mücken der sommerlichen Sümpfe haben die Mannschaft gehärtet, „härter als Stahl“, wie der Bürgermeister es nennt. „Unser Schicksal hängt vollständig vom Nickel-Kombinat ab, denn die paar Gasvorkommen hier reichen nicht zur Ansiedlung anderer Industrien“, sagt Melnikow, der dennoch – wie viele – nicht wegwill.

Weg hingegen will die gebürtige Polin Olga Petriga. Weil ihre Familie als Russisch-Orthodoxe den Katholizismus nicht annehmen wollte, musste sie in die sowjetische Ukraine fliehen. Dort aber galten sie als unzuverlässig und wurden in den Ural verbannt. Als Olga später einen Brief an die Freundin schrieb, in dem sie ihr riet, wegen der verheerenden Zustände „nicht zu weinen“, wurde sie wegen antisowjetischer Propaganda in den Norillag-Gulag in Norilsk geschickt.

„Wir gruben zwölf Stunden lang mit Spitzhacken Gräben in den Permafrostboden“, erinnert sich die Frau, die 43 Jahre lang Buchhalterin bei NN war. „Was soll ich noch in Sibirien? Da können Lenin und Stalin hin, die uns Kinder hierher zum Schuften entführt haben“, macht die alte Dame mit den wachen Augen ihrem Ärger Luft: „Warum gibt uns NN nicht einmal Geld für eine Wohnung auf dem Festland? Wir sind doch nur noch so wenige“ – 25 Norillag-Häftlinge sowie 220 weitere frühere Gulag-Überlebende wohnen noch in Norilsk.

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