„Beschlüsse nicht rechtens“ Großmann mit launigem Abschied

Mit einer Attacke auf die Bundesregierung verabschiedet sich Jürgen Großmann von der großen Bühne. Der RWE-Chef hält die Beschlüsse zur Kernenergie für „nicht rechtens“. Und der „Atom-Dino“ umgarnt die Mitarbeiter.
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Jürgen Großmann verabschiedet sich mit einer Attacke auf die Bundesregierung. Quelle: dapd

Jürgen Großmann verabschiedet sich mit einer Attacke auf die Bundesregierung.

(Foto: dapd)

EssenRWE-Chef Jürgen Großmann hat wenige Wochen vor seinem Amtsende die Bundesregierung wegen des beschleunigten Atomausstiegs scharf angegriffen. „Wir akzeptieren das Primat der Politik, aber wir halten die Beschlüsse der Bundesregierung rund um die Kernenergie nicht für rechtens“, sagte der 60-Jährige am Donnerstag auf der Hauptversammlung des Konzerns in Essen. RWE habe deswegen auch im Februar eine Verfassungsbeschwerde gegen die Novelle des Atomgesetzes eingereicht. Das Atomoratorium vom vergangenen Jahr halte er ebenso für rechtswidrig wie die Kernbrennstoffsteuer.

Im vergangenen Jahr war bereits der Konkurrent Eon vor das Bundesverfassungsgericht gezogen. Der Energieriese betont wie RWE, dass es ihm nicht um das Wiederanfahren der 2011 abgeschalteten Atomkraftwerke gehe. Sollte nach dem - wohl mehrere Jahre dauernden - Verfahren die Atomwende für verfassungswidrig erklärt werden, hoffen die AKW-Betreiber jedoch auf Entschädigungen in Milliardenhöhe.

„Im Jahr 2050 kann die deutsche Stromversorgung klimaneutral sein“, sagte Großmann. Die Risiken auf dem Weg dorthin seien allerdings enorm. Unter anderem seien im vergangenen Jahr auf einen Schlag 40 Prozent der Kernkraftwerkskapazität vom Netz genommen worden. Die Energieversorgung operiere seitdem an der Belastungsgrenze.

Großmann bekräftigte, dass RWE bis 2014 insgesamt 16 Milliarden Euro investieren wolle, insbesondere um den Kraftwerkspark auszubauen. In den Ausbau erneuerbarer Energien sollen bei der Tochter RWE Innogy bis 2014 insgesamt 4 Milliarden Euro fließen, unter anderem in Windenergie. Darüber hinaus steckt RWE Milliarden in Offshore-Windparks in Großbritannien.

RWE, Eon und EnBW im Wettbewerbsvergleich

Wo die Energie herkommt

Anteil an der Stromerzeugung, in Prozent

RWE stößt mit seinen Stein- und Braunkohlekraftwerken in Europa das meiste CO2 aus. Greenpeace fordert, auf den Neubau eines Braunkohlekraftwerks im Rheinland und des Kohlekraftwerks im niederländischen Eemshaven an der deutsch-niederländischen Grenze zu verzichten. Das Kohlekraftwerk gefährde das Wattenmeer. Großmann hält fossile Kraftwerke allerdings für notwendig, um die schwankende Einspeisung grüner Energie auszugleichen.

Großmann hat sich wie kein ein anderer Manager für die Kernenergie in die Bresche geworfen und damit auch Proteste provoziert. Im vergangenen Jahr wurde der Zwei-Meter-Mann während der Hauptversammlung von einem Bodyguard von AKW-Gegnern abgeschirmt.

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23 Kommentare zu "„Beschlüsse nicht rechtens“: Großmann kanzelt zum Abschied die Regierung ab"

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  • Unternehmen wie RWE oder e.ON können durchaus auf die Erneuerbaren "umsteigen", weil es bei einem Unternehmen nicht primär um die Erbringung einer Leistung für die Kunden geht, sondern um GEWINNE. Mit der EEG Zwangs-Einspeisung ist es seit 10 Jahren in Deutschlang möglich, Geld zu verdienen ohne eine Leistung für den Kunden zu erbringen. Der Kunde muss für EEG-Strom bezahlen, ob er diesen will oder nicht. Unter diesem Gesichtspunkt sind die Aussagen der Konzerne zu sehen - diese wittern bei den Erneuerbaren einen Profit aus den EEG-Zwangs-Zahlungen der Stromkunden, sie wittern dort NICHT eine Energiequelle die wirklich brauchbaren Strom liefert - das ist eine gänzlich anderes Geschäftsmodell.

  • RWE Aktionär...Seltsamerweise zählt man die Wasserkraft zu den "Erneuerbaren" Energien. Gleichwohl Wasserkraft weder hoffnungslos unwirtschaftlich ist, nicht extrem umweltschädlich ist wie Solar- und Windenergie, noch viele Menschen tötet wie die Bioenergie.

    Kurz gesagt das Wunder der "Erneuerbaren" Energien beruht in Norwegen und anderen Ländern auf der eigentlich nicht ökologischen Wasserkraft.

    China investiert nur solange in "Erneuerbare" Energien, Ausnahme Wasserkraft, wie dies über sogenannte CDM Zertifikate finanziert wird.

    Vandale

  • RWE Aktionär..Das ist Theorie. Wenn jemand versucht einen Beitrag bei Wikipedia unterzubringen der nicht im Einklang mit der Oekoreligion steht, ist dieser schneller gelöscht denn geschrieben. Die PR Budgets der Oekobranche sind konkurrenzlos. Schreiber die hoch in der Wikipedia Hierarchie stehen stehen jederzeit bereit.

    Den Oekomüll in Wikipedia kann allenfalls mit grosser Vorsicht genossen werden.

    Vandale

  • ... @vandale, Wikipedia ist sicher keine Bibel aber es ist eine offene Quelle, in die Befürworter oder Gegner der EE gleichberechtigt belegte Einträge vornehmen können. Wenn dabei etwas heraus kommt, was Ihnen nicht in Ihre Weltanschauung passt, haben Sie halt Pech gehabt. Das heißt aber noch lange nicht, dass Wikipedia falsch liegt.

    Warum wechseln Sie nun die Begriffe? Wenn ich von "neu installerter Leistung" spreche, meine ich auch "neu installierte Leistung". Wenn ich von "erzeugter Energie" sprechen möchte, werde ich auch den Begriff "erzeugte Energie" verwenden. Dass ich mit 10 GW Photovolataik nicht die Strommenge von 10 GW Gaskraftwerk liefern kann, ist mir bekannt.

    Wetterberichte sind im Jahr 2012 auf 3 Tage gesehen sehr genau. Wir haben nicht mehr 1912. Der Begriff Zufallsstrom im Zusammenhang mit Wind- und Sonnenenergie ist veraltet.

  • @pisapisa, der Anteil der EE an der Stromerzeugung lag 2010 weltweit bei 20%. Was ist für Sie ein entwickeltes Industrieland?
    Norwegen? Anteil EE an Stromerzeug ca 100%
    Dänemark? ca. 25%
    Deutschland ca. 20%
    Frankreich? ca. 10%
    (Wenn Sie andere aktuelle Zahlen mit Quelle haben, akzeptiere ich die)

    Und schauen Sie sich die Pläne Chinas zu Wasserkraftwerken, Wind- und Solarenergie an. Die paar geplanten Kernkraftwerke verblassen dagegen und werden selbst im ungünstigtsten Fall (alle geplanten KKWs am Netz) nicht mehr als 5%chen der Stromerzeugung Chinas ausmachen. Diese weltweite Entwicklung der EE hat der Versager Großmann hartnäckig übersehen oder nicht wahr haben wollen und dem Konzern und damit den Aktionären (von denen ich einer bin) erheblich geschadet.

  • ich schmuzel auch immer gern über vandale :-), der alte märchenonkel.

    das nenn ich aber mal typisch deutschland, lieber menschen dafür bezahlen etwas schlechtes als etwas gutes zu verkaufen anstatt daran zu arbeiten das das schlechte verschwindet und dem guten platz macht. preiswerte speichertechnik anbieten und dann kann sich jeder mit "zufallsstrom" unabhängig von der telefonrechnung machen. ein passivhaus heizt sich ja auch tagsüber auf um abends die wärme abzugeben und mit strom soll das nicht funktionieren? deine s*h*iß propaganda kannst für dich behalten, so ein müll jedesmal. aber so funktionierts eben wiederholen, wiederholen, wiederholen.

  • RWE Aktionär...

    Wikipedia ist ein gutes Lexikon wenn es um unpolitische Fragen wie den Siedepunkt von Propan geht. In Sachen Klimawandel und Energie ist das Deutsche Wikipedia mit Oekomüll gefüllt und mit grösster Vorsicht zu geniessen. Wenn man nicht im Thema zu Hause ist, sollte man auf den Oekomüll von Wikipedia besser verzichten.

    Die Kraftwerkskapazität von Wind und Sonne sind hinsichtlich ihrer Verfügbarkeit 0, da der Strom nicht verlässlich zur Verfügung steht.

    Die Stromerzeugung von Windmühlen beträgt 1/5 eines thermischen Kraftwerks gleicher Kapazität, die einer Solarzelle beträgt 1/10 der Kapazität eines Wärmekraftwerks gleicher Nennleistung.

    Deshalb war Ihre Aussage schlicht falsch!

    Vandale

  • ... @vandale, auch mit Ihrer Behauptung, dass Strom aus Solarenergie wertlos los, liegen Sie offensichtlich falsch. Die Strompreise an der Börse kann jedermann im www z.B. bei epexspot.com aufrufen. Heute 19.04.2012, an einem normalen Donnerstag, wo tagsüber ca. 1/3 des Stroms in Deutschland/Österreich aus PV und Wind erzeugt wird, lagen die Preise beispielsweise bei 50€/MWh.

  • Kommentar zur Aussage von SGK10 zum Eigenverbrauch des Solarstroms durch Solarzelleneigner und zur preisdämfenden Wirkung von Solarstrom.

    Ein Arbeitnehmerhaushalt entnimmt zwischen 100W und ca. 7Kw Strom aus dem Netz. Einen kleinen Teil morgens, den grössten Teil abends.

    Eine Solarzelle produziert, sofern das Wetter danach ist, im Januar zwischen 10:00 und 14:00 nennenswerte Mengen Strom, im Sommer zwischen 08:00 und ca. 17:00.

    Sofern ein Haushalt nicht den Bedarf extrem anpasst und beispielsweise die Beleuchtung, Waschmaschine, Herd ...mittags nutzt, wird in der Regel weniger als 10% des selbsterzeugten Solarstroms verbrauchen können. Der Rest geht als wertloser Zufallsstrom ins Netz. Für das Netz ist es technisch egal ob der Strom direkt genutzt wird. Auch dieser Strom ist wertlos.

    Für die Netzbetreiber ist der Strom aus Windmühlen und Solarzellen der gem. den Launen des Wetters eingespeist wird nahezu wertlos da dieser durch Schattenkraftwerke die teils heiss in Bereitschaft stehen, abdgedeckt werden muss. Die Solarzellenbetreiber erhalten ihre Subvention die bei einem 20-fachen des Wertes dieses umweltschädlichen Stroms liegen, es werden Netzkosten verursacht und es bedarf der Regelenergie. Dann erzielt dieser Strom allerdings einen geringen Ertrag, ca. 1/10 bis 1/20 der Kosten. Letzteres ist die Quelle der Aussage von SGK10, dass Solarstrom die Preise an der Strombörse senken würde.

    SGK10 weiss, soweit man dies aus anderen etwas detaillierteren Kommentaren in anderen Threads entnehmen kann, mehr als die sehr einfachen regelmässig wiederholten Aussagen erwarten lassen.

    Vandale

  • ... es ist schon erstaunlich, wie man schlichte Zahlen, die im Internetzeitalter jedermann zur Verfügung stehen, leugnet.
    Zitat Wikipedia zu erneuerbaren Energien:
    An den prognostizierten 194 Gigawatt im Jahr 2010 neu installierter elektrischer Kraftwerksleistung hatten sie (EE) einen Anteil von rund 50 %.
    Zitatende.
    Die passende Grafik mit der rasanten Entwicklung des EE-Anteils findet man auch, wenn man nur möchte.

    @vandale, ich empfehle Ihnen, sich bei objektiven Quellen zu informieren und uns nicht ihre eigene verklärte Weltanschauung aufzudrängen. Ihre Meinung akzeptiere ich völlig aber bitte erzählen Sie mir nichts vom Pferd.

    @Realist, der Anteil der erneuerbaren Energien bei RWE liegt weit hinter EON, EnBW und Vattenfall zurück. (Das ist ein Erfolg von H. Großmann.) Auch das können Sie sich, wenn Sie sich wirklich informierten wollen, leicht im www verifizieren.

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