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Bestechungsvorwürfe Porsche-Führung im Visier der Ermittler – Durchsuchungen beim Ex-Betriebsratschef

Staatsanwälte haben Büros und Privathäuser von führenden Mitarbeitern des Sportwagenbauers durchsucht. Es geht um den Verdacht auf Untreue und steuerliche Unregelmäßigkeiten.
Update: 28.05.2019 - 17:40 Uhr Kommentieren
Durchsuchungen bei Porsche – Mitarbeiter unter Untreue-Verdacht Quelle: Reuters
Porsche-Produktion

Neben dem Untreue-Verdacht muss sich Sportwagenbauer Porsche noch mit einem anderen Verdacht der Ermittler auseinandersetzen. Es geht um Bestechung.

(Foto: Reuters)

Stuttgart, DüsseldorfDer Sonntag war noch ein guter Tag für Uwe Hück. Bei den Kommunalwahlen in Pforzheim konnte der Neupolitiker auf Anhieb die meisten Stimmen auf sich vereinen. Nur zwei Tage später steht Hück, obwohl selbst nicht beschuldigt, im Mittelpunkt eines Ermittlungsverfahrens.

Der Verdacht: Hück sollen in seiner Zeit als Betriebsratsvorsitzender der Porsche AG Vorteile gewährt worden sein, die ihm nicht zustehen. Die Beamten durchsuchten sogar Hücks Privathaus in Pforzheim. Das Verfahren richtet sich gegen sechs Manager des Sportwagenbauers, teils aus der obersten Führungsriege.

Auf Hücks Karriere fallen damit nur wenige Wochen nach seinem Ausscheiden bei Porsche dunkle Schatten. Mehr als drei Jahrzehnte arbeitete der Hobbyboxer bei Porsche, 22 Jahre davon als mächtiger und anerkannter Betriebsratschef.

Erst vor wenigen Wochen verabschiedete er sich vom Sportwagenbauer, um in die Politik zu gehen. Er wolle künftig für mehr Gerechtigkeit eintreten. „Wir dürfen den sozialen Unfrieden gar nicht erst entstehen lassen“, sagte er im Interview mit dem Handelsblatt. Finanzielle Mittel für seine politischen Ambitionen habe er in seiner Porsche-Zeit angespart.

Über die jetzigen Ermittlungen wollte sich Hück auf Nachfrage nicht äußern. „Mein Gehalt ist sauber“, sagte der Ex-Porsche-Betriebsrat lediglich. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hat offenbar eine andere Sicht auf die Dinge: „Es besteht der Verdacht, dass möglicherweise einem ehemaligen Betriebsratsmitglied der Porsche AG mit Rücksicht auf dessen Tätigkeit unverhältnismäßig hohe und damit nicht gerechtfertigte Vergütungen gezahlt worden sind“, teilte der Behördensprecher mit.

Die diesbezüglich sechs Beschuldigten könnten sich dadurch unter anderem der Untreue zulasten der Porsche AG strafbar gemacht haben. Porsche bestätigte die Durchsuchungen. Das Unternehmen „kooperiere vollumfänglich“ mit den Behörden.

Ärger um überhöhte Gehaltszahlungen an hochrangige Betriebsräte ist im VW-Konzern nicht neu – schon seit mehr als zwei Jahren beschäftigt sich die Braunschweiger Staatsanwaltschaft mit zumindest in Teilen vergleichbaren Vorwürfen. Sie ermittelt gegen die beiden Ex-Personalvorstände Karlheinz Blessing und Horst Neumann sowie zwei frühere Personalleiter wegen Untreueverdachts.

Sie sollen dafür verantwortlich sein, dass der VW-Betriebsratsvorsitzende Bernd Osterloh über Jahre ein möglicherweise zu hohes Salär erhalten hat. Und wegen etwaiger Steuervergehen in der Sache durchsuchten die Ermittler dann im November 2017 neben Blessings Büro auch die Büros von Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch und Finanzvorstand Frank Witter. Osterloh selbst gehört dabei – wie nun auch Hück – nicht zu den Beschuldigten.

Während eine Entscheidung der Staatsanwaltschaft über eine eventuelle Anklage noch aussteht, konnte VW zumindest arbeitsrechtlich einen Strich unter die Angelegenheit ziehen. Vor dem Arbeitsgericht Braunschweig einigte sich der Konzern mit insgesamt 15 Betriebsräten.

Neben dem Untreueverdacht muss sich Sportwagenbauer Porsche aber noch mit einem anderen Verdacht der Ermittler auseinandersetzen. Es geht um Bestechung. In diesem Zusammenhang gerät auch die Steuerverwaltung ins Zwielicht. Durchsucht wurden auch Finanzbehörden und die Räume eines Steuerberaters. Ein Betriebsprüfer muss sich schwere Vorwürfe gefallen lassen.

„Nach den bisherigen Ermittlungen soll ein Beamter des Konzernprüfungsamtes Stuttgart während laufender Prüfung der Porsche AG Informationen an einen steuerlichen Berater der Porsche AG verraten haben“, teilte die Staatsanwaltschaft mit.

Die Informationen seien geheimhaltungsbedürftig gewesen, und im Gegenzug soll der Beamte Vorteile angenommen haben. Neben dem Steuerberater wird daher auch der Beamte als Beschuldigter geführt. Insgesamt waren in beiden Angelegenheiten 176 Ermittler bis in den Nachmittag hinein im Einsatz. Dabei seien Unterlagen, Datenträger und auch Mobiltelefone sichergestellt worden.

Mehr: Der jahrelange Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück startet eine Karriere als Politiker. Im Interview spricht er über Korruptionsvorwürfe und darüber, wie er Pforzheim retten und Sigmar Gabriel zurückholen will.

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