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Beteiligungsfirma Mittelstandsinvestor Indus kehrt Autobranche den Rücken

Die Holding stellt ihre Segmente neu auf. Vorstandschef Johannes Schmidt rechnet im kommenden Jahr mit Unternehmenszukäufen und einem belebten Markt.
15.12.2022 - 13:28 Uhr Kommentieren
Die Mittelstandsholding Indus zieht sich aus dem Bereich zurück. Quelle: dpa
Autozulieferer

Die Mittelstandsholding Indus zieht sich aus dem Bereich zurück.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Die Beteiligungsholding Indus ändert ihre Strategie. Ab dem 1. Januar 2023 stelle man sich mit drei statt bisher fünf Segmenten neu auf, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Künftig werde es die Bereiche „Infrastructure“, „Materials“ und „Engineering“ geben. Der Fokus soll auf Industrietechnik und darin wiederum auf klaren Technologieschwerpunkten liegen.

Bestehende Beteiligungen mit guter Perspektive bleiben Bestandteil der neuen Kernsegmente. Zudem schafft Indus zukünftig ein Segment-Management, das die Vorstände der Unternehmen, an denen eine Beteiligung besteht, enger betreuen soll.

Von den Serienzulieferern im Segment Fahrzeugtechnik will sich die Mittelstandsholding langfristig ganz verabschieden. Durch den Strukturwandel in der Autoindustrie sei der Bereich endgültig „zum Verlustbringer geworden“, erklärte Indus-Vorstandschef Johannes Schmidt im Gespräch mit dem Handelsblatt. Erst im Oktober hatte die Holding ihre Autozuliefer-Tochter SMA in die Insolvenz geschickt.

Die Trennung von den Serienzulieferern steht exemplarisch für die Krise der Branche: Jüngst ging der Autozulieferer BIA, der unter anderem den Mercedes-Stern herstellte, insolvent. Auch das Traditionsunternehmen Borgers, Spezialist für textile Bauteile in Fahrzeugen, musste nach 156 Jahren Insolvenz anmelden.

Bei Indus sollen aus diesem Segment zunächst bis Ende 2023 zwei Unternehmen verkauft werden, die verbleibenden sollen ihren Platz in den drei neuen Kernsegmenten finden.

Der Vorstandschef der Beteiligungsgesellschaft Indus blickt zuversichtlich aufs Jahr 2023. Quelle: imago/sepp spiegl
Johannes Schmidt

Der Vorstandschef der Beteiligungsgesellschaft Indus blickt zuversichtlich aufs Jahr 2023.

(Foto: imago/sepp spiegl)

Zudem richtet sich der Mittelstandsinvestor auf Zukäufe und Investitionen im Bereich Infrastruktur aus – ein Markt, der gegenwärtig europaweit wächst. Durch die Pandemie und die Folgen des Ukrainekriegs habe das Unternehmen in seinem Portfolio bereits „ordentlich aufräumen“ müssen, erklärte Schmidt.

Doch: „Wenn ich in unsere Beteiligungen höre, können wir bei den aktuellen Auftragseingängen die ganz große Krise und Rezession, die alle ankündigen, nicht sehen“, erklärte der Indus-Chef. Im Portfolio befänden sich keine klassischen, energieintensiven Industrieunternehmen. „Wir haben keine Aluminiumherstellung, keine Stahlwerke und keine chemische Industrie“, sagte Schmidt.

Die 1989 gegründete Indus Holding ist ein Spezialist für nachhaltige Unternehmensbeteiligung und -entwicklung im deutschen Mittelstand. Die Gruppe aus Bergisch Gladbach vereinigt Dutzende Mittelständler unter einem Dach – aktuell 47 Beteiligungen. Jährlich werden zwei bis drei Zukäufe getätigt.

„Neigung zu Investitionen in China hat nachgelassen“

Auch Handelsspannungen zwischen Europa und den USA sowie China bremsen die Gruppe bislang nicht. Den vor Kurzem von der US-Regierung verabschiedeten Inflation Reduction Act (IRA) sieht Schmidt allerdings als „Beispiel für hemmungslosen Protektionismus“.

Obwohl die Beteiligungsholding nicht direkt betroffen sei, würden auch Unternehmen aus ihrem Portfolio mit Geschäft in Nordamerika angehalten, mehr Wertschöpfung vor Ort in den USA zu leisten. „Das heißt natürlich umgekehrt, dass sich die Wertschöpfung in Deutschland reduziert,“ sagte Schmidt.

Die Wachstumsdynamik in China habe dagegen nachgelassen, Schmidt sieht auf dem dortigen Markt „eine generelle Beruhigung“. Auch wenn einige Unternehmen bereits seit längerer Zeit Wertschöpfung vor Ort betrieben, habe die Neigung zu Investitionen in China mit Blick auf unsere Gruppe „eher nachgelassen“.

Ziel der Gruppe ist, im Normalfall etwa 50 bis 60 Millionen Euro jährlich für Akquisitionen neuer Unternehmen auszugeben, parallel zu den Investitionen in bestehende Unternehmensbeteiligungen.

Sinkende Unternehmensbewertungen

Über den Gesamtmarkt sagte Schmidt: „Wir kommen aus einer Phase extrem niedriger Zinsen, es ist aber aktuell auch viel Geld für Unternehmenskäufe da – auch Private Equity sitzt auf riesigen Geldbeträgen und sucht verzweifelt Anlagemöglichkeiten.“ Insofern werde der Markt mittelfristig ein Verkäufermarkt bleiben. Der deutlich gestiegene Zins werde allerdings tendenziell zu sinkenden Unternehmensbewertungen führen.

Im internationalen Vergleich fällt Deutschland bereits gegenwärtig mit besonders niedrigen Unternehmensbewertungen auf. Ein Grund dafür ist die skeptische Erwartung vieler Anleger und Anlegerinnen, dass die Firmengewinne angesichts rasant steigender Energiepreise, der drohenden Gasknappheit und des weltweiten Konjunkturabschwungs künftig sinken könnten.

Als Sanierungsspezialist sieht sich der Unternehmenschef Indus nicht. Es geht um einen Dreiklang: kaufen, halten und entwickeln. „Unser Modell adressiert den mittelständischen Unternehmer, der in seinem Unternehmen auch noch eine gewisse Zeit lang tätig sein möchte“, so Schmidt.

Mit einer Private-Equity-Gesellschaft will Schmidt Indus nicht vergleichen: „Wir akquirieren erfolgreiche Unternehmen, werden im ersten Schritt Mehrheitsgesellschafter und freuen uns, wenn der Unternehmer weiterhin eine Beteiligung hält“, sagte er. „Für Turnaround-Aktivitäten gibt es keinen Grund – denn das Unternehmen hat bewiesen, dass es funktioniert.“ Vor allem für Mittelständler im ländlichen Raum sei dieses Modell reizvoll.

Das neue Segment Infrastructure soll künftig Unternehmen aus den Bereichen Bau- und Gebäudetechnik, Telekommunikations-Infrastruktur und Kälte- und Klimatechnik bündeln. Der Umsatz der 14 Beteiligungen in dem Bereich lag im Vorjahr bei 515 Millionen Euro. Der Fokus soll auf Infrastrukturnetzen, Bauwerken und Technik für eine höhere Energieeffizienz liegen.

Im Bereich Materials haben die ebenfalls 14 Beteiligungen im vergangenen Jahr 586 Millionen Euro umgesetzt. Dazu gehören die Metallumformung und -bearbeitung, die Metallerzeugung für Hartmetalle und Strahlmittel, aber auch medizinische Verbrauchsmaterialien und Hilfsmittel.

Im Segment Engineering schließlich sollen 15 Beteiligungen aus den Bereichen Automatisierung und Robotik, Sensorik, Mess- und Regeltechnik und aus dem spezialisierten Maschinen- und Gerätebau zusammengefasst werden. Der Umsatz dieser Unternehmen lag 2021 bei rund 484 Millionen Euro.

Mehr: Deutscher U-Boot-Bauer spricht mit Finanzinvestoren über Beteiligung.

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