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Beurlaubter Audi-Chef Haftbeschwerde abgewiesen – Rupert Stadler bleibt in Untersuchungshaft

Für den Audi-Chef ist der letzte Hoffnungsschimmer auf eine zeitnahe Freilassung gewichen. Das Landgericht München hat seine Haftbeschwerde abgelehnt.
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Nun bleibt dem beurlaubten Audi-Chef nur noch der Weg vor das Oberlandesgericht. Quelle: AFP
Rupert Stadler

Nun bleibt dem beurlaubten Audi-Chef nur noch der Weg vor das Oberlandesgericht.

(Foto: AFP)

DüsseldorfAuch Rupert Stadler wird dieser Sommer im Gedächtnis bleiben. Allerdings nicht wegen der Rekordtemperaturen, sondern weil es für den langjährigen Audi-Chef der Sommer sein wird, der für ihn faktisch nicht stattfand. Denn Stadler wird hinter Gittern bleiben. Kein Biergarten, keine Restaurantbesuche, von Urlaub ganz zu schweigen.

Stattdessen Einzelzelle, Wecken morgens ab 06:30 Uhr, Einschluss um 19:30 Uhr, frische Luft lediglich beim täglichen Hofgang hinter den Gefängnismauern und nur wenige Stunden Besuchszeit im Monat. Das ist der triste Alltag eines der lange wichtigsten deutschen Wirtschaftsbosse an seiner derzeit gültigen Meldeadresse, der Justizvollzugsanstalt Augsburg-Gablingen.

Das Landgericht München I hat Stadlers Haftbeschwerde jetzt abgewiesen – und dem seit fast zwei Monaten einsitzenden Topmanager damit die letzte Hoffnung genommen, dass sich an seiner frustrierenden Situation auf absehbare Zeit etwas ändern dürfte.

Lange war der Audi-Boss im Skandal um manipulierte Abgaswerte bei Dieselfahrzeugen von Volkswagen und der Konzerntochter Audi zur Verwunderung vieler von Ermittlungen verschont geblieben, gab es doch einige Hinweise darauf, dass Stadler doch frühzeitig von den Abgasmanipulationen gewusst haben könnte.

Ab Ende Mai ging dafür dann alles sehr schnell. Die Staatsanwaltschaft München nahm Ermittlungen wegen Betrugs sowie mittelbarer Falschbeurkundung auf. Und nachdem die Ermittler Stadler dabei abgehört hatten, wie er mit einem Porsche-Mitarbeiter telefonierte und über die mögliche Beurlaubung eines Audi-Mitarbeiters sprach, nahmen sie den Topmanager am 18. Juni wegen Verdunkelungsgefahr fest.

Stadler hat die Vorwürfe stets zurückgewiesen. Zunächst hatte der Topmanager noch gehofft, durch seine Bereitschaft, gegenüber der Staatsanwaltschaft auszusagen, seine Freiheit schnell wiedergewinnen zu können. Bald löste sich dieser Hoffnungsschimmer aber in Luft auf.

Den Verdacht der versuchten Zeugenbeeinflussung konnte Stadler in mehreren Vernehmungen durch die Staatsanwälte nicht ausräumen. Nach mehreren Wochen Haft entschied sich der 55-Jährige dann, vorerst nicht weiter auszusagen.

Stattdessen legte sein Verteidiger Thilo Pfordte Mitte Juli Haftbeschwerde ein, die das Amtsgericht München dem übergeordneten Landgericht vorlegte. Seither zog sich die Entscheidung hin, auch weil zwischen den Verfahrensbeteiligten noch Schriftsätze ausgetauscht wurden.

Verdunklungsgefahr und Tatverdacht bestehen fort

Nach allem, was man hört, griff Stadlers Anwalt in seiner Beschwerde vor allem die Einschätzung der Staatsanwaltschaft an, dass überhaupt Verdunklungsgefahr bestehe. Das Landgericht München überzeugte er damit nicht: Der Haftgrund der Verdunkelungsgefahr bestehe fort, ließ das Gericht verlauten. Und noch immer bestehe gegen Stadler ein dringender Tatverdacht.

Er habe „trotz Kenntnis der Manipulationen oder in bewusstem Verschließen vor den Manipulationen zugelassen, dass die betroffenen Motoren weiter zum Einsatz kommen und in den Verkauf gelangen würden“. Das macht wenig Hoffnung für Stadler.
Wie hart die bayerische Justiz ist, spürte zuletzt der frühere Audi-Forschungs- und Entwicklungsvorstand Wolfgang Hatz. Er kam erst nach rund neun Monaten Untersuchungshaft frei, nur wenige Tage nachdem Stadler verhaftet worden war.

Stadler, der seit 2007 Chef von Audi ist, und seinem Verteidiger bleibt nun zunächst nur noch der Weg vor das Oberlandesgericht. Für Nachfragen dazu, ob er dieses Mittel ausschöpfen will, war Stadlers Verteidiger allerdings bisher nicht zu erreichen. Ansonsten stünde die nächste reguläre Haftprüfung erst zum Jahresende an.

Bei Audi hat unterdessen längst der bisherige Vertriebsvorstand Bram Schot die Geschäfte Stadlers übernommen, wenn auch nur kommissarisch. Als dauerhafter Nachfolger Stadlers wird Markus Duessmann gehandelt, den VW unlängst von BMW abwarb. Der Sommer bleibt noch ein wenig. Nur Rupert Stadlers Zeit scheint abgelaufen.

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