Beurlaubter Audi-Chef Rupert Stadler vor der Ablösung – Aufsichtsräte tagen in Wolfsburg

Seit Monaten sitzt Rupert Stadler in Untersuchungshaft. An diesem Montag berät der Konzernaufsichtsrat über die Ablösung des Audi-Chefs.
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VW-Aufsichtsrat berät in Wolfsburg – Rupert Stadler vor Ablösung Quelle: dpa
Rupert Stadler

Der inhaftierte Audi-Boss wurde beurlaubt. Jetzt berät der Aufsichtsrat über seine Ablösung.

(Foto: dpa)

DüsseldorfMontag, 18. Juni 2018. Dieser Tag hat das Leben von Rupert Stadler auf den Kopf gestellt. Am frühen Morgen klingeln die Ermittler an seinem neuen Haus im Ingolstädter Westen. Eine Woche zuvor waren sie schon einmal da, zur Hausdurchsuchung.

Doch an diesem Montag im Juni wird es richtig ernst für den Vorstandschef von Audi: Die Beamten bringen einen Haftbefehl mit, der 55-jährige Automanager wird in die Justizvollzugsanstalt nach Augsburg gebracht. Der Vorwurf der Staatsanwälte: Betrugsverdacht wegen der Dieselmanipulationen und Verdunkelungsgefahr.

Stadler sitzt nach zwei Monaten noch immer im Augsburger Gefängnis. Auch eine Haftbeschwerde ist zuletzt vom zuständigen Gericht abgewiesen worden. Für Audi und den Wolfsburger Mutterkonzern Volkswagen wird das zum Problem. Stadler kann seinen Pflichten als Vorstandsvorsitzender nicht mehr nachkommen. Auch auf absehbare Zeit wird sich daran so schnell nichts ändern, eine Freilassung Stadlers ist nicht in Sicht.

In Wolfsburg kommen deshalb an diesem Montag die Aufsichtsräte von Audi und Volkswagen zusammen, um über das weitere Vorgehen in Sachen Stadler zu beraten. Der inhaftierte Automanager ist nicht nur Audi-Vorstandschef, sondern zugleich auch Mitglied des VW-Konzernvorstandes. Aus aktienrechtlichen Gründen müssen deshalb beide Kontrollgremien über das weitere Schicksal von Rupert Stadler entscheiden.

Am Montagvormittag kommt der Volkswagen-Aufsichtsrat zu einem außerplanmäßigen Treffen zusammen, das wichtigere der beiden Gremien. Die 20 Aufsichtsräte wollen darüber beraten, ob Stadler noch an der Spitze der Ingolstädter Audi-Tochter bleiben kann – trotz der bis auf Weiteres von der bayerischen Justiz angeordneten Untersuchungshaft für den Automanager.

Bis zum Mittag soll voraussichtlich eine Entscheidung vorliegen. Am Wochenende verdichteten sich die Hinweise, dass sich der Aufsichtsrat für die Trennung von Stadler entscheiden könnte. „Vieles deutet jetzt darauf hin“, verlautete dazu aus Konzernkreisen.

Volkswagen, dem Aufsichtsrat und auch den Vorstandskollegen fällt die Aufhebung des Stadler-Vertrages nicht leicht. „Rupert Stadler kenne ich seit Jahren als Kollegen, und ich habe ihn in der Dieselkrise als Aufklärer wahrgenommen“, sagte VW-Konzernchef Herbert Diess im August in einem Gespräch mit dem Handelsblatt. Persönlich hoffe er, dass Rupert Stadler bald aus der Untersuchungshaft herauskommen werde.

Stadler hat zwei Verträge

Die Hoffnung war vergeblich, auch nach dem Diess-Interview hat sich an der prekären Situation von Rupert Stadler nichts geändert. Dabei herrscht in Wolfsburg die Meinung vor, dass der Audi-Chef nicht in den Dieselskandal verstrickt sei und dass die Ermittler ihm deshalb keinen konkreten Tatverdacht nachweisen könnten.

Deshalb steckt der Volkswagen-Konzern im Fall Stadler in einem Dilemma. Rein rechtlich gilt die Unschuldsvermutung für den inhaftierten Audi-Manager. Also gäbe es auch keinen Grund, sich vom langjährigen Ingolstädter Vorstandsvorsitzenden zu trennen. Es könnte sein, dass er in wenigen Wochen freigelassen wird und auch nicht mehr zu den Beschuldigten zählt.

Doch es könnte auch alles noch schlimmer kommen und Stadler wird noch in diesem Jahr angeklagt. Dann wäre er endgültig für das Unternehmen untragbar geworden. Wegen dieser großen Unsicherheiten gibt es im Aufsichtsrat einflussreiche Stimmen, die sich für die Ablösung Stadlers aussprechen. „Wegen der Untersuchungshaft kann es keine Rückkehr auf den Audi-Chefposten geben“, verlautete aus Aufsichtsratskreisen.

Eine Trennung von Stadler würde das Unternehmen auf jeden Fall Geld kosten, da der Audi-Chef nicht rechtskräftig verurteilt worden ist. Deshalb müsste ihm das Vorstandsgehalt aus dem laufenden Vertrag ausbezahlt werden. Wegen seiner Doppelfunktion bei Audi und im Konzern ist das bei Stadler allerdings vergleichsweise kompliziert.

Der Audi-Chef hat in Wahrheit nämlich zwei Verträge, einen mit Audi und einen mit dem Konzern. Der Vertrag mit der Ingolstädter Volkswagen-Tochter ist bereits 2017 verlängert worden und läuft noch mehr als drei Jahre. Der Konzernvertrag geht hingegen seinem Ende entgegen und läuft in der ersten Jahreshälfte 2019 aus.

Kein unmittelbarer Handlungsdruck

Nach den deutschen Corporate-Governance-Vorgaben hätte der Konzernvertrag von Stadler schon längst erneuert werden sollen – doch dann kam im Juni die Verhaftung dazwischen. Bei einer Trennung müsste der Aufsichtsrat also ein Abfindungspaket schnüren, das Rücksicht auf die beiden unterschiedlichen Verträge nimmt.

Stadler könnte es allerdings passieren, dass er nach einer rechtskräftigen Verurteilung Teile der Abfindung doch wieder an den Konzern zurückzahlen muss. Eine entsprechende Klausel könnte in den Aufhebungsvertrag aufgenommen werden.

Ähnlich ist der Konzern mit den früheren Vorständen Wolfgang Hatz und Ulrich Hackenberg umgegangen, die ebenfalls wegen der Dieselaffäre gehen mussten, die aber genauso nicht rechtskräftig verurteilt worden sind. Hatz hat ebenso wie Stadler mehrere Monate in Untersuchungshaft gesessen.

Über eine Nachfolge wird der Konzern-Aufsichtsrat am Montag mit hoher Wahrscheinlichkeit noch nicht entscheiden. Unmittelbaren Handlungsdruck gibt es in Wolfsburg und Ingolstadt nicht, da Audi-Vertriebsvorstand Bram Schot gleich im Juni als Interimschef eingesetzt worden war. Der Audi-Vorstand ist insofern also handlungsfähig. 

Schot dürfte allerdings mit großer Sicherheit nur ein Übergangskandidat sein. Als Favorit für den Audi-Chefposten gilt der frühere BMW-Vorstand Markus Duesmann, den der VW-Konzern bereits im Juli in München erfolgreich abgeworben hatte.

Duesmann unterliegt allerdings noch einer Sperrfrist seines bisherigen Arbeitgebers – und bislang will BMW den Manager nicht vorzeitig freigeben. „Darüber wird mit BMW noch immer verhandelt“, hieß es dazu aus Konzernkreisen. Kommt die Freigabe aus München, gäbe also gleich den nächsten Grund für eine Sondersitzung des Volkswagen-Aufsichtsrats.

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