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„Beyond Conventions“ Was Großkonzerne von Start-ups lernen können

Großunternehmen haben hohe Budgets, sind aber oft träge. Mit Hilfe von Start-ups können sie schnell innovativer werden – das zeigen Thyssen-Krupp, Innogy und Aldi.
  • Josseline Ross
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Viele Unternehmen haben zwar hohe Investitionsbudgets, tun sich aber oft schwer, damit auf spontane Marktentwicklungen zu reagieren. Quelle: dpa
Stahlwerk von Thyssen-Krupp

Viele Unternehmen haben zwar hohe Investitionsbudgets, tun sich aber oft schwer, damit auf spontane Marktentwicklungen zu reagieren.

(Foto: dpa)

EssenEigentlich ist es Frederik Pferdts Beruf, die Zukunft eines der innovativsten IT-Unternehmens der Welt zu gestalten. Doch als der Chief Innovation Evangelist von Google am Mittwochabend lässig in Jeans und weißen Sneakern die Bühne im Essener Thyssen-Krupp-Quartier betritt, fordert er die anwesenden Industriemanager und Start-up-Gründer auf, sich ihre Zukunft selbst auf ein Papier aufzumalen – und sie danach einfach wegzuwerfen.

„Ich bin fest davon überzeugt, dass wir die Zukunft nicht alleine gestalten können“, erklärt Pferdt daraufhin bei der Veranstaltung „Beyond Conventions“, bei der Großkonzerne aus dem Ruhrgebiet auf junge Unternehmen treffen, um Kooperationen anzubahnen. Das Besondere: Nicht die Start-ups präsentieren ihre Geschäftsidee – sondern die Ruhrkonzerne ihre Probleme.

Ob Thyssen-Krupp, der Energieversorger Innogy oder der Handelsriese Aldi: Viele der teilnehmenden Unternehmen haben zwar hohe Investitionsbudgets, tun sich aber oft schwer, damit auf spontane Marktentwicklungen zu reagieren. Von den Start-ups können sie lernen, wie man mit wenig Kapitaleinsatz neue Geschäftsmodelle erschließt.

Die Wunschliste, die die Ruhrkonzerne nach Essen mitbrachten, war dabei breit gefächert: Künstliche Intelligenz im Energiehandel, digitale Assistenten im Supermarkt, Chatbots, die globale Lieferketten steuern. Bereits am zweiten Tag sollten die Start-ups ihre Lösungen anhand von selbst entwickelten Prototypen präsentieren.

Worauf es bei der Zusammenarbeit von Start-ups und Großkonzernen ankommt, erklärten die eingeladenen Redner in mehreren Vorträgen – neben Frederik Pferdt von Google so auch Andy Goldstein, Partner bei Deloitte Digital Ventures und selbst mehrfacher Gründer.

So spiele etwa die unterschiedliche Bewertung von Zeithorizonten oft eine Rolle, sagte Goldstein: „Wenn ein Konzern und ein Start-up sich die Hand schütteln und sagen, lass uns beginnen, schaut der Konzernvertreter auf den Kalender an der Wand und der Gründer auf seine Uhr.“

Es ist nur einer der zahlreichen Unterschiede, die beide Welten voneinander trennt. Im Gespräch mit dem Handelsblatt hob Google-Manager Pferdt auch die Angst vor der Zukunft hervor, die sich bei Großkonzernen und Start-ups deutlich voneinander unterscheide: „Start-ups haben auch Angst vorm Scheitern. Das beschleunigt dort aber eher die Dinge und lässt eine gewisse Dringlichkeit aufkommen.“

„Da prallen schon zwei Welten aufeinander“

Gerade etablierten Unternehmen fällt es hingegen oft schwer, mit traditionellen Strukturen zu brechen und neue Wege einzuschlagen. Das sei aber nötig, um wettbewerbsfähig zu bleiben, so der Manager, der auch an der US-Universität Stanford unterrichtet: „Wer kreativ und innovativ werden will, muss mit der Unsicherheit leben – und die Chancen nutzen, die sich dadurch bieten.“

Start-ups fällt dieser Prozess wegen der noch fehlenden Strukturen häufig leichter. „Da prallen schon zwei Welten aufeinander“, berichtet Jakob Barzel, der den Wettbewerb für Thyssen-Krupp mitorganisiert hat.

Bei einem Start-up sei der Innovationsprozess „eine Angelegenheit von Leben und Tod“, führte Deloitte-Partner Goldstein den wohl größten Unterschied weiter aus – bei etablierten Unternehmen hingegen ein zwar wichtiger, aber nicht unbedingt dringender Prozess.

Unter den Großkonzernen vorne sind dabei vor allem jüngere IT-Unternehmen, zeigt eine Studie der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG). Die Vorreiter heißen Apple, Google und Tesla. Entscheidend für deren Innovationsprozess sei einerseits eine engagierte Führungsmannschaft, die gewillt ist, Strukturen zu verändern, sowie andererseits eine kreative und innovative Mentalität, so die Studienautoren.

Wer als Konzernmanager den schnellen Weg gehen und stattdessen ein Start-up einkaufen will, sollte dabei vor allem zunächst herausfinden, was die Erwartungen sind – und ob das Unternehmen diese Erwartungen auch erfüllen kann.

So investierten Wagniskapitalgeber üblicherweise nur in weniger als einem Prozent der Firmen, die sie beobachten, erklärte Deloitte-Partner Goldstein. Ein Vorgehen, das sich Unternehmen abschauen sollten, so der Berater: „Viele Firmen sind oft viel zu sehr darauf fokussiert, Start-ups zu kaufen. Sie sollten sich vielmehr auf strategische Partnerschaften konzentrieren.“

Herausforderungen und Lösungen

Doch mit einer Unterschrift allein ist die Zusammenarbeit noch nicht geglückt. Vor allem das sogenannte „Onboarding“, bei dem man das Start-up zunächst an die Hand nehme, sei entscheidend, erklärte Goldstein. „Es ist mindestens eine Führungsperson notwendig, die versteht, worum es bei dem Innovationsprozess geht und der sich dafür verantwortlich fühlt.“

Bei der „Beyond Conventions“ in Essen sind die Verantwortlichkeiten klar: Die Konzerne präsentieren Herausforderungen, die Start-ups Lösungen. Doch pro Durchgang kann sich hierbei jeweils nur ein Start-up mit seiner Lösung durchsetzen. Dem Sieger winkt dabei allerdings kein Preisgeld – sondern die Zusammenarbeit mit einem der Großkonzerne.

Manchem Jungunternehmen, wie dem Datenanalyse-Start-ups Orbica, war dies immerhin eine Reise um den halben Globus wert. Das Start-up stammt aus Neuseeland – und gewann am Ende eine Partnerschaft mit dem Versorger Emschergenossenschaft, bei der sie für das Wasserwirtschaftsunternehmen eine Anwendung entwickeln, die Sturmfluten erkennen und analysieren soll – bisher ist in solchen Fällen eine dreistellige Mitarbeiterzahl damit beschäftigt.

Organisator Barzel von Thyssen-Krupp betonte daher auch die Bedeutung des Themas für die Region. So sei die erste Runde der Digitalisierung mit großen Online-Plattformen wie Facebook oder Amazon komplett an die USA gegangen. „Beim Internet der Dinge werden die Karten neu gemischt – da dürfen sich die starken Industrieregionen in Europa, wie das Ruhrgebiet, nicht verstecken.“ Das müsse noch stärker genutzt werden.

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