Biermarkt Probleme am Flaschenhals

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Acht Millionen Euro stehen auf dem Hof
Wo das Bier zuhause ist
Revellers drink beer from a giant glass on the second day of the San Fermin festival in Pamplona
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Platz 10 - Spanien - 32,7 Millionen Hektoliter Bierausstoß im Jahr 2013

Manchem Deutschen dürfte das spanische Bier noch aus dem Sommerurlaub bekannt sein. Obwohl der heimische Wein hervorragend ist, sind auch die Spanier dem Bier nicht abgeneigt. Die bekanntesten Marken der iberischen Halbinseln sind San Miguel, Damm und Cruzcampo. (Quelle: Barth-Haas-Group)

WM 2006 - Polnische Fans in Hannover
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Platz 9 - Polen - 39,6 Millionen Hektoliter

Nicht nur Fußballfans in Polen genießen das heimische Bier. Die polnischen Biersorten Lech, Tyskie und Zywiec sind auch in Deutschland längst keine Unbekannten mehr.

Barmaid pulls a pint in a pub in central London
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Platz 8 - Großbritannien - 42,4 Millionen Hektoliter

Auch wenn Bier aus England nicht den besten Ruf in Deutschland genießt: Die britische Insel gehört zu den führenden Biernationen. Auch wenn die berühmteste Brauerei Scottish & Newcastle schon seit 2008 in ausländischem Besitz. Besonders erfolgreich auf der britischen Insel sind die Großbrauereien Heineken, Carlsberg und Inbev.

To match story JAPAN-BEER/
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Platz 7 - Japan - 57,2 Millionen Hektoliter

Die neuste Erfindung in Japan: Frozen Bier. Ohnehin haben die Bierkreationen in Fernost nicht viel mit dem deutschen Reinheitsgebot am Hut. Beliebt sind die japanischen Biere trotzdem. Die bekanntesten japanischen Marken sind Asahi und Kirin.

A man drinks a Corona beer at a bar in Cancun
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Platz 6 - Mexiko - 82,5 Millionen Hektoliter

Der Bierausstoß des südlichen Nachbarn der USA ist zwar nur geschätzt, weil offizielle Statistiken nicht vorliegen. Doch die Schätzung katapultiert die Mexikaner locker in die Top Ten. Das mexikanische Bier Corona ist auch in Deutschland beliebt - mit Limette im Flaschenhals.

Russia May Day
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Platz 5 - Russland - 88,6 Millionen Hektoliter

"Na sdorowje" - die Russen sind für ihre Trinkfestigkeit weltberühmt. Doch das hat einen ernsten Hintergrund. In einigen Regionen Russland ist der Alkoholismus zum sozialen Problem geworden. Präsident Putin (rechts) hat eine Gegenoffensive angekündigt. Der Bierabsatz ging im vergangenen Jahr tatsächlich massiv zurück. Marktführer in Russland sind die lokalen Marken von Carlsberg mit einem Anteil von 38 Prozent.

Fruehling im Biergarten
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Platz 4 - Deutschland - 94,36 Millionen Hektoliter

"O'zapft is!" Trotz aller Tradition kommt der Bierdurst der Deutschen langsam zum erliegen. Die Brauereien klagen über sinkenden Absatz. Die Furcht vor weiteren Übernahmen wächst. Bezeichnend, dass die Billigbiermarke Oettinger seit Jahren das beliebteste Bier des Landes ist. Ebenfalls stark: Radeberger, Inbev und Bitburger.

„Früher mussten wir jede achte Flasche aussortieren, heute ist es fast jede Zweite“, sagt Tichelkamp. Bei 0,33-Liter Flaschen sind es gerade einmal 37 Prozent, die die Brauerei noch für die eigene Abfüllung verwenden kann. Der Rest muss per Flaschenhändler getauscht werden. Danach geht die Flasche auf eine Reise quer durch die Republik. Wenn in Krefeld zum Beispiel eine Flasche der Brauerei „Radeberger“ im Kasten landet, die ihr Logo in das braune Glas prägt, muss die zurück nach Radeberg bei Dresden. Entfernung: rund 620 Kilometer - pro Strecke. Ein ökologisches, aber auch wirtschaftliches Problem.

„Für regionale Brauer ist das eine gefährliche Entwicklung“, sagt Tichelkamp. Denn die finanzielle Belastung trägt am Ende der Inhaber der Sortiermaschinen. Rund 3,4 Cent pro Flasche koste der Sortierungsprozess, sagt Tichelkamp. Ein Umstand, hinter dem Tichelkamp Kalkül vermutet. „Am Ende wollen großen Premiumbrauereien damit den schrumpfenden Biermarkt bereinigen - und dass auf Kosten der Kleinen“. 

Bei kleineren Brauereien wie der Privatbrauerei Gaffel aus Köln ist der Flaschenwahnsinn längst zum Markenproblem geworden. „Gerade bei den durchsichtigen Klarglasflaschen hatten wir in der letzten Zeit manchmal falsche Flaschen im Kasten“, sagt Michael Busemann, Sprecher der Kölner Privatbrauerei „Gaffel“. Das Familienunternehmen ist mit einem Marktanteil von 15 Prozent beim Flaschenbier der zweitgrößte Kölschproduzent und nach eigenen Angaben Marktführer bei der alkoholfreien Fassbrause. Letztere wird in durchsichtige Flaschen abgefüllt. „Mehrere Kunden berichteten von Flaschen mit Becks-Prägung im Kasten, trotz Gaffel-Etikett und Gaffel-Inhalt“, sagt Busemann.

Noch schlimmer ist es, wenn die Brauereien auf den fremden Flaschen sitzenbleiben. Acht Cent haben die Brauereien für den Pfandwert der Flasche bezahlt. Nicht alle Flaschen finden ihren Weg zurück zum Abfüller, darum müssen die großen Brauereien ständig in neue Flaschen investieren. „In ganz Deutschland stehen Flaschen rum, die nur von einer einzigen Brauerei abgefüllt werden können“, sagt Königshof-Vertriebsleiter Tichelkamp. Vor seiner Brauerei stehen tausende Kästen mit Leergut, hinter der Brauerei stehen Kästen und neben der Brauerei auch. Überall wo Platz ist.

Mittlerweile stapelt sich Leergut im Wert von rund acht Millionen Euro auf dem Hof des Unternehmens. „Ich nenne das nur noch den Leergut-Wahnsinn“, sagt der Verkaufsleiter, „ein anderes Wort fällt mir dazu nicht ein.“

„Außer Preiskämpfen ist den Bierbrauern nichts eingefallen“

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14 Kommentare zu "Biermarkt: Probleme am Flaschenhals"

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  • Ich kaufe sowieso keine Produkte, die mit teuerer Werbung (und oft mäßiger Qualität) behaftet sind.
    Schon mal Bier einer kleinen regionalen Brauerei getrunken? Echt lecker, hohe Qualität, idividueller bis mitunter auch markanter Genuss - wäre doch schade, wenn's das wegen unserer mangelnden Unterstützung bald nicht mehr gäbe !

  • Einfach verbieten oder Abholpflicht für Brauereien beim Verbraucher.

  • Somit soll unter anderem den kleinen, mittleren Brauereien ein Klotz mehr in den Weg gelegt werden, um stattdessen den Verkauf der profitgesteuerten,Industrieeinheitsplörre-AG zu fördern.
    Ich würde deswegen auf lokale Biere setzen, die leider immer weniger den Gaumen runterlaufen, da sie schlichtweg verdrängt werden.

  • die Idee ist genial, eine besser werbung kann man als kleine brauerei gar nicht haben. Das ist sicher ein Thema was durch den ganzen Freundeskreis zieht wenn mal in einer Becksflasche die Marke XYZ drinne ist. Dann noch eine Internetseite mit Lustigen Mischen und fertig ist es.

  • laaaangsam,- hier wird ein Thema verfehlt, denn an sich geht es um "Designwahn". Alles muss durchgestylt sein, selbst Haarshampooflaschen oder Einwegrasierer. Jedes Jahr ein neues Automodell, zweimal im Jahr neue Herbst bzw. Winterklamotten, etc etc. Das bringt nicht nur jede Menge Müll mit sich, sondern vor allem auch jede Menge Verkehr. Sorgt angeblich für Wirtschaftswachstum,- kann man glauben, oder auch nicht....

  • Ich hätte nicht gedacht, dass ich Trittin mal verteidige, aber der hat zwar das Dosenpfand ins Leben gerufen (was übrigens nicht mal seine Idee war, sondern die seiner damaligen Amtsvorgängerin Angela Merkel), aber hat die im Artikel genannte Problematik nichts mit Trittin und dem Dosenpfand zu tun.

    Hier geht es um Mehrwegflaschen, auf diesen war auch lange vor Trittin Pfand und an dem System hat Trittin nichts geändert...

  • Als kleine oder mitlere Brauerei würde ich einfach nicht mehr in Flaschen investieren und die Fremdflaschen der Marken nutzen.
    Dann steht doch in der Flasche halt Becks, Herforder oder sonst was geprägt...na und?

    Einerseits könnte es sein, dass ich Werbung für diese Fremdmarke mache, andererseits profitiere ich aber auch davon, wenn eine werbebekannte Markenbezeichnung auf der Flasche mit meinem Bier steht.

    Nur sollten Brauereien doch Brauereien sein und nicht in erster Linie Flaschenverwalter und -logistiker.

  • Ein Lob auf das Flaschenpfand! Scherben an den Baggerseen sowie Schnittwunden an den nackten Füßen kleiner Kinder sind um gefühlte 90 % zurückgegangen. Wenn die Deutschen - aber das ist nun bestimmt kein Alleinstellungsmerkmal - nicht alle Winkelzüge und Kniffe nutzen und ständig neue erfinden würden, um einen schonenden und vernünftigen Umgang mit der Umwelt und den begrenzten Ressourcen zu vermeiden, hätte es auch kein Zwangspfand gebraucht, das leider immer noch zu viele Ausnahmen zulässt.

    Muss man den viel geschmähten Bürokratie-Wahnsinn jetzt auf die Spitze treiben und auch noch die Individualisierung der Flaschen per Gesetz verbieten? Vielleicht reicht es ja auch schon, wenn der Biertrinker sich konsequent eine Marke sucht, deren Brauerei auf eine Individualisierung der Flaschen verzichtet und seine bisherigen Stammbrauerei davon per Mail unterrichtet. Geht heute ja ganz einfach, und dann wollen wir mal sehen, wie schnell Radeberger, Becks & Co. reagieren.

    Welchen Grund Sie sehen, die Flaschen Trittin in den Garten zu stellen, erschließt sich mir allerdings überhaupt nicht. Was hat der Mann hart kämpfen müssen, um das System aus Mehrweg und Recycling von Flaschen zu retten, das vollends unter die Räder zu kommen drohte. Und dieses System scheinen Sie ja selbst für eine gute Idee zu halten.

  • Wegen solchen "Gehirnakrobaten" sind auch immer wieder neue Gesetze notwendig. Wenn der Verstand aussetzt, muss dershalb ein Gesetz her, leider!
    Die EU sollte im Rahmen ihrer Regelungswut auch den Bierflaschen eine Norm verpassen.

  • Ich habe mich entschlossen, überhaupt kein Bier zu kaufen. Bin ich jetzt ein Umwelt-Schwein? Es geht auch ohne Drogen, wie Alkohol, Nikotin.




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