Biermarkt Probleme am Flaschenhals

Im harten Wettbewerb der Brauer geht der Trend zur individualisierten Flasche: Premiumbrauereien prägen ihre Markennamen ins Glas - mit schlimmen Folgen für regionale Brauereien und die Umwelt.
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Für Frank Tichelkamp, Verkaufsleiter der Krefelder Königshof-Brauerei werden die Flaschen mit Prägung zum Problem.

Für Frank Tichelkamp, Verkaufsleiter der Krefelder Königshof-Brauerei werden die Flaschen mit Prägung zum Problem.

Krefeld/München„Bitte ein Bit“, „Veltins“ oder „Radeberger“ - die Namen der großen Biermarken stehen längst nicht mehr nur auf dem Etikett. Neuerdings werden die Markennamen direkt in die Flasche geprägt. Um sich im schrumpfenden Biermarkt von der Konkurrenz im Getränkehandel abzuheben, reichen Silberpapier und Kronkorken nicht mehr. Der Konsument soll die Biermarke fühlen, wenn er mit dem Daumen über die Flasche fährt.

Auf der Branchenmesse „Drinktec“ in München, der größten Getränke-Messe der Welt, geht der Trend zur individualisierten Flasche. „Große Brauereien, die es sich leisten können, wie Veltins, Radeberger oder Hasseröder, haben sich zur besseren Markendifferenzierung für eine Individualflasche entschieden“, sagt Johann Overath, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Glasindustrie. Die Glasflaschen mit Prägung werden bei den deutschen Brauern immer beliebter - mit schlimmen Folgen für das Pfandsystem und die Umwelt. 

Für viele regionale Brauereien ist die Individualisierung zur Kostenfalle geworden. „Die Sortierung hat in unserer Arbeit einen extrem teuren Stellenwert eingenommen“, sagt Frank Tichelkamp. Der Krefelder ist seit 25 Jahren in der Bierbranche und seit zehn Jahren ist er Verkaufsleiter der Königshof Brauerei in seiner Heimatstadt. Er kennt noch die Zeiten, als alle deutschen Brauereien ihr Bier in die gleichen Flaschen abfüllten und in ochsenblutfarbigen Kästen verkauften. Eine Zeit, die lange vorbei ist. „Die Anzahl an Flaschen, die wir direkt säubern und wiederverwenden können wird immer geringer“, sagt der 52-Jährige. 

Das Hauptgeschäft seiner Brauerei sind Abfüllaufträge: Kölsch, Alt, Pils und Fassbrause anderer Marken fließen in Krefeld in die Flaschen. Jährlich kommt „Königshof“ so auf einen Ausstoß von 600.000 Hektolitern. Damit gehören die Krefelder zu den zwanzig größten privaten Brauereien in Deutschland. Dabei macht die eigene Marke „Original Königshof“, die erst seit 2007 existiert, nur rund 40 Prozent des Ausstoßes aus. Das lukrative Geschäft mit den Aufträgen ist für die Privatbrauerei durch die individuellen Flaschen zur Kostenbelastung geworden.

Denn Königshof muss nicht nur die eigenen Flaschen identifizieren, sondern auch die der Auftraggeber. „Wir mussten in teure Sortieranlagen investieren, die diese Flaschen herausfiltern“, sagt Tichelkamp. Vor sieben Jahren hat seine Brauerei eine Sortieranlage für mehrere Millionen Euro angeschafft. Sie sortiert auf 600 Quadratmetern 55.000 Flaschen pro Stunde. Früher waren dafür in drei Schichten 30 Mitarbeiter verantwortlich. Tausende Kisten rattern heute jeden Tag über die Bänder der Brauerei. 

Acht Millionen Euro stehen auf dem Hof
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14 Kommentare zu "Biermarkt: Probleme am Flaschenhals"

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  • Ich kaufe sowieso keine Produkte, die mit teuerer Werbung (und oft mäßiger Qualität) behaftet sind.
    Schon mal Bier einer kleinen regionalen Brauerei getrunken? Echt lecker, hohe Qualität, idividueller bis mitunter auch markanter Genuss - wäre doch schade, wenn's das wegen unserer mangelnden Unterstützung bald nicht mehr gäbe !

  • Einfach verbieten oder Abholpflicht für Brauereien beim Verbraucher.

  • Somit soll unter anderem den kleinen, mittleren Brauereien ein Klotz mehr in den Weg gelegt werden, um stattdessen den Verkauf der profitgesteuerten,Industrieeinheitsplörre-AG zu fördern.
    Ich würde deswegen auf lokale Biere setzen, die leider immer weniger den Gaumen runterlaufen, da sie schlichtweg verdrängt werden.

  • die Idee ist genial, eine besser werbung kann man als kleine brauerei gar nicht haben. Das ist sicher ein Thema was durch den ganzen Freundeskreis zieht wenn mal in einer Becksflasche die Marke XYZ drinne ist. Dann noch eine Internetseite mit Lustigen Mischen und fertig ist es.

  • laaaangsam,- hier wird ein Thema verfehlt, denn an sich geht es um "Designwahn". Alles muss durchgestylt sein, selbst Haarshampooflaschen oder Einwegrasierer. Jedes Jahr ein neues Automodell, zweimal im Jahr neue Herbst bzw. Winterklamotten, etc etc. Das bringt nicht nur jede Menge Müll mit sich, sondern vor allem auch jede Menge Verkehr. Sorgt angeblich für Wirtschaftswachstum,- kann man glauben, oder auch nicht....

  • Ich hätte nicht gedacht, dass ich Trittin mal verteidige, aber der hat zwar das Dosenpfand ins Leben gerufen (was übrigens nicht mal seine Idee war, sondern die seiner damaligen Amtsvorgängerin Angela Merkel), aber hat die im Artikel genannte Problematik nichts mit Trittin und dem Dosenpfand zu tun.

    Hier geht es um Mehrwegflaschen, auf diesen war auch lange vor Trittin Pfand und an dem System hat Trittin nichts geändert...

  • Als kleine oder mitlere Brauerei würde ich einfach nicht mehr in Flaschen investieren und die Fremdflaschen der Marken nutzen.
    Dann steht doch in der Flasche halt Becks, Herforder oder sonst was geprägt...na und?

    Einerseits könnte es sein, dass ich Werbung für diese Fremdmarke mache, andererseits profitiere ich aber auch davon, wenn eine werbebekannte Markenbezeichnung auf der Flasche mit meinem Bier steht.

    Nur sollten Brauereien doch Brauereien sein und nicht in erster Linie Flaschenverwalter und -logistiker.

  • Ein Lob auf das Flaschenpfand! Scherben an den Baggerseen sowie Schnittwunden an den nackten Füßen kleiner Kinder sind um gefühlte 90 % zurückgegangen. Wenn die Deutschen - aber das ist nun bestimmt kein Alleinstellungsmerkmal - nicht alle Winkelzüge und Kniffe nutzen und ständig neue erfinden würden, um einen schonenden und vernünftigen Umgang mit der Umwelt und den begrenzten Ressourcen zu vermeiden, hätte es auch kein Zwangspfand gebraucht, das leider immer noch zu viele Ausnahmen zulässt.

    Muss man den viel geschmähten Bürokratie-Wahnsinn jetzt auf die Spitze treiben und auch noch die Individualisierung der Flaschen per Gesetz verbieten? Vielleicht reicht es ja auch schon, wenn der Biertrinker sich konsequent eine Marke sucht, deren Brauerei auf eine Individualisierung der Flaschen verzichtet und seine bisherigen Stammbrauerei davon per Mail unterrichtet. Geht heute ja ganz einfach, und dann wollen wir mal sehen, wie schnell Radeberger, Becks & Co. reagieren.

    Welchen Grund Sie sehen, die Flaschen Trittin in den Garten zu stellen, erschließt sich mir allerdings überhaupt nicht. Was hat der Mann hart kämpfen müssen, um das System aus Mehrweg und Recycling von Flaschen zu retten, das vollends unter die Räder zu kommen drohte. Und dieses System scheinen Sie ja selbst für eine gute Idee zu halten.

  • Wegen solchen "Gehirnakrobaten" sind auch immer wieder neue Gesetze notwendig. Wenn der Verstand aussetzt, muss dershalb ein Gesetz her, leider!
    Die EU sollte im Rahmen ihrer Regelungswut auch den Bierflaschen eine Norm verpassen.

  • Ich habe mich entschlossen, überhaupt kein Bier zu kaufen. Bin ich jetzt ein Umwelt-Schwein? Es geht auch ohne Drogen, wie Alkohol, Nikotin.




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