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Bietergefecht auf der Zielgeraden Siemens verbessert Alstom-Angebot

Bis Montag soll sich Alstoms Verwaltungsrat zwischen Siemens und GE entscheiden. Der US-Konzern verbessert auf den letzten Drücker noch mal sein Angebot - und Siemens zieht am Freitagmorgen nach.
Update: 20.06.2014 - 08:05 Uhr 1 Kommentar

Siemens kontert GE

Viele Runden sind nicht mehr zu gehen im Kampf zwischen Siemens und GE. Der Verwaltungsrat des umworbenen französischen Mischkonzerns Alstom soll sich bis Montag entscheiden. Und Siemens und Mitsubishi Heavy Industries (MHI) haben ihr Angebot auf den letzten Drücker angehoben.

„Im Ergebnis erhöht sich der Bar-Anteil der Offerte um 1,2 Milliarden Euro auf 8,2 Milliarden Euro, während die Gesamtbewertung des Energiegeschäfts von Alstom um 400 Millionen Euro auf insgesamt 14,6 Milliarden Euro steigt“, teilten die beiden Konzerne mit. Sie buhlen gemeinsam um Alstom und konkurrieren dabei mit dem US-Konzern General Electric.

Dessen Chef Jeff Immelt war persönlich nach Paris geflogen und verhandelte am Donnerstag unter anderem mit Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg. Danach stand noch eine Besprechung mit Vertretern von Gewerkschaften an. Am Spätnachmittag stellte er sich im Sitz von General Electric Frankreich den Fragen der Journalisten.

Kaum waren die mit der Immelt-typischen Mischung aus wenigen Worten und humorigem Beiwerk abgefüttert, kam ein braungebrannter Herr mit locker über der Schulter baumelnder Tasche über den Hof geschlendert: Patrick Kron, der Chef von Alstom. Also der Mann, der den ursprünglichen Deal mit Immelt eingefädelt hatte, den die Regierung auf den letzten Metern stoppte. Kron war es sichtlich unangenehm, drei Journalisten in die Arme zu laufen. „Bin sehr beschäftig“, nuschelte er, quetschte sein Handy ans Ohr und verzog sich durch einen Nebeneingang.

Auf der anschließenden Pressekonferenz sagte Immelt das, was längst die Spatzen von den Dächern pfiffen: GE hat das Angebot für Alstoms Energiesparte aufgebessert – was Siemens und MHI nicht auf sich sitzen lassen. Für GE bleibt es zwar bei der Bewertung von Alstom mit 12,35 Milliarden Euro. Aber GE sicherte die Schaffung von 1000 Arbeitsplätzen zu sowie den Verbleib einer starken Geschäftsführung im Land: „Wir haben Vereinbarungen mit Alstoms Management getroffen, die eine Allianz zwischen unseren beiden Unternehmen sowohl im Geiste als auch in der Praxis schaffen werden“, erklärte Immelt.

Umfassende Allianz

Gemeinsam gegen GE: Siemens-Chef Joe Kaeser (rechts) Shunichi Miyanaga, CEO von Mitsubishi. Quelle: dpa

Gemeinsam gegen GE: Siemens-Chef Joe Kaeser (rechts) Shunichi Miyanaga, CEO von Mitsubishi.

(Foto: dpa)

Am Freitagmittag trifft Immelt erneut mit Staatschef Francois Hollande zusammen. „Jetzt stehen die letzten Entscheidungen an“, sagte Immelt. Inhaltlich stellte er eine deutliche Überarbeitung seiner Offerte vor: Statt lediglich nur die Energiesparte von Alstom zu übernehmen, planen die Amerikaner nun eine umfassende Allianz mit den Franzosen. Unter anderem seien zwei 50:50-Joint-Ventures in der Netzsparte sowie bei erneuerbaren Energien geplant sowie eine globales Bündnis in der Nukleartechnik. Die Barkomponenten des Angebotes sinke allerdings wegen der Joint Ventures und weil GE seine Signaltechnik an Alstom abgeben wolle.

Die beiden Unternehmen haben GE zufolge zudem eine Absichtserklärung zur Gründung einer weltweiten Allianz im Transportgeschäft unterzeichnet. An den Börsen brachte die Nachricht nur bedingt Bewegung in die Aktienkurse: Alstom-Papiere verloren 0,9 Prozent, während GE auf der Stelle trat. Die Titel des Nebenbuhlers Siemens gewannen 0,8 Prozent. Dessen Frankreich-Chef Christophe de Maistre schoss eine Breitseite gegen das nachgebesserte GE-Gebot ab: „Das bestätigt unser Konzept, dem es in der Herangehensweise folgt, ohne das Spiel zu verändern.“ GE wolle Alstom immer noch „zerlegen“, während Siemens und Mitsubishi „eine echte Allianz“ vorschlügen.

Laut Siemens und MHI ziele das verbesserte Angebot „weiterhin darauf ab, Alstom in seiner gegenwärtigen Form in fast allen Geschäftsfeldern zu erhalten und als Industrieunternehmen nachhaltig zu stärken“. Darüber hinaus könne Alstom damit seine finanzielle Struktur verbessern und als französischer, börsennotierter Großkonzern mit einem Umsatz von rund 20 Milliarden Euro erhalten bleiben. Mit den zusätzlichen 1.000 neuen durch MHI geschaffenen Stellen und weiteren 1.000 Ausbildungsplätzen von Siemens für französische Jugendliche schaffe das Angebot zusätzliche Arbeitsplätze in Frankreich.

Der Alstom-Verwaltungsrat muss sich bis Montag zwischen der schweren GE-Offerte und dem Gegengebot entscheiden. Mitsubishi will sich an Alstom und drei von dessen Sparten beteiligen, Siemens will den Franzosen die begehrte Gasturbinensparte abnehmen. Auf Fragen von Immelt, ob das Siemens-Gebot Alstom nicht höher bewerte, sagte der mit ironischem Lächeln: „Rechnen Sie mal selber nach.“ In einer Frage blieb der Amerikaner knallhart: „Die Frist für unsere Angebot läuft am Montag ab.“

Alstom: Siemens-Plan „zu kompliziert“

Siemens will Jobs bei Alstom schaffen

An dem Geschäftsfeld ist Siemens-Chef Joe Kaeser seit längerem interessiert, doch Kron zeigte ihm schon im Februar die kalte Schulter. Kein Interesse an einer Zusammenarbeit, bürstete der Franzose seinen Amtskollegen bei dessen Antrittsbesuch ab. Wenig später nahm Kron die Gespräche mit GE auf. Kron sagte laut Exane BNP nun weiter, der Verwaltungsrat werde beide Gebote auf ihre Wirtschaftlichkeit, Machbarkeit und auf Risiken prüfen und die Ansichten der Aktionäre dabei berücksichtigen.

Mit wem es Alstom-Chef Patrick Kron lieber hätte, hat er am Donnerstag noch einmal betont. Aus seiner Ablehnung des Siemens-Angebots macht er zumindest keinen Hehl: „Sie wollen unser Gasgeschäft, und wir sollen ihr Transportgeschäft übernehmen – nun ja, sie dürfen träumen“, sagte Kron auf einer Investorenkonferenz, wie die Analysten der französischen Bank Exane BNP Paribas in einem Marktkommentar schreiben. „Am Ende des Tages, auch wenn es gelegentlich anders aussieht, werden die Aktionäre entscheiden“, sagte der Firmenchef weiter in Anspielung auf die Versuche der französischen Politik, die Übernahme zu beeinflussen, um Arbeitsplätze zu retten. Eine Alstom-Sprecherin wollte sich dazu nicht äußern.

Zudem hat Alstom den Siemens-Plan in einer ersten Bewertung als zu kompliziert eingestuft, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet. So betrachte der Konzern etwa die von Siemens vorgeschlagene Auftrennung des Gas- und Dampfturbinengeschäfts als nicht praktikabel. Der Plan sei „in seiner Struktur hochkomplex”, was aus betrieblicher Sicht vermutlich noch sehr viel deutlicher zum Tragen kommen würde, schrieb der New Yorker Analyst Nicholas Heymann von William Blair & Co. in einer Studie am 17. Juni. „Die Aufspaltung in Gas- und Dampfturbinen ist möglicherweise nicht durchführbar.”

Fraglich ist die Rolle des französischen Staates: Laut Medienberichten will dieser wiederum seinen Einfluss bei Alstom nach einer Fusion ausbauen. Die Staatsbank BPI steht offenbar bereit, sich am künftigen Konzern zu beteiligen. Das gelte unabhängig davon, welcher der beiden Bieter den Zuschlag für Alstom bekomme, sagte eine mit den Plänen vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters.

Sollte Alstom mit GE eine Verbindung eingehen, würde sich die Staatsbank an der übrig bleibenden Transportsparte beteiligen, sagte der Insider weiter. Falls Alstom mit Siemens und Mitsubishi einig werde, strebe BPI einen Anteil an Alstom als Ganzem an.

  • th
  • rtr
  • dpa
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1 Kommentar zu "Bietergefecht auf der Zielgeraden: Siemens verbessert Alstom-Angebot"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Mensch Siemens-Chef Joe Kaeser überlege es Dir noch einmal. Du stößt jetzt schon auf erhebliche Widerstände in Paris. Laß´ sich doch GE die Finger an diesem "heißen" Unternehmen Alstom verbrennen und setzt Euer Geld sinnvoller ein.

    Das Ganze wird obendrein noch von der Politik "begleitet", obwohl diese geistigen Tiefflieger wie Hollande & Co. nun von Wirtschaft so gut wie keinen blaßen Schimmer haben.

    Ich mach´ ne Flasche Champagner auf, wenn Siemens / Mitsubishi nicht "zum Alstom-Zug" kommen.

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