Bilanz-Analyse Deutsche Konzerne werden zu Europas Gewinnmaschine

Die Bilanzen der 600 größten europäischen Unternehmen belegen eindrucksvoll, wie stark die Wirtschaft des Kontinents auseinanderdriftet. Auf der Sonnenseite boomen deutsche Konzerne wie Henkel, auf der Schattenseite stehen die Unternehmen etlicher Südländer. Doch gerade diese Kluft könnte auf die Firmen hierzulande zurückschlagen.
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Überdimensionale Euro-Münze in der Frankfurter Innenstadt: Gut ein Drittel der großen deutschen Unternehmen verdient so viel wie noch nie. Quelle: dpa

Überdimensionale Euro-Münze in der Frankfurter Innenstadt: Gut ein Drittel der großen deutschen Unternehmen verdient so viel wie noch nie.

(Foto: dpa)

Das Düsseldorfer Unternehmen Henkel lebt in der besten aller Welten. Die Aktie läuft, die Gewinne steigen. In diesem Jahr erwartet der Konsumgüterkonzern das beste Ergebnis seiner 134-jährigen Firmengeschichte.

Wäre da nicht das kleine Manko: In den schuldengeplagten Ländern Südeuropas schwächelt der Dax-Konzern. Hier muss Henkel deutliche Umsatzrückgänge hinnehmen.

Was aus Henkel-Sicht derzeit eher eine Randnotiz ist, könnte noch zum Problem werden. Europas Wirtschaft driftet auseinander - und zwar in einer Geschwindigkeit, wie sie der Kontinent seit Ende des Zweiten Weltkriegs nie erlebt hat. Das zeigen nicht nur Konjunkturdaten, das belegen auch die Neunmonatsergebnisse der 600 größten europäischen Unternehmen und die Prognosen für das restliche Jahr. Während Deutschlands Firmen 2010 ihre Nettogewinne im Schnitt um 42 Prozent gegenüber dem Vorjahr steigern dürften, hinken die Konzerne Resteuropas abgeschlagen hinterher. Frankreichs Firmen kommen gerade mal auf ein Plus von 18 Prozent, spanische Konzerne stagnieren, und griechischen Unternehmen droht ein Gewinneinbruch von 40 Prozent.

Der Kontrast zwischen schwachen Peripheriestaaten und einem vor Kraft strotzenden Deutschland könnte gerade hiesige Unternehmen empfindlich treffen. Denn der Anteil der Exporte deutscher Firmen in die EU liegt über 60 Prozent. In das sagenumwobene China gehen 4,5 Prozent - eine Randnotiz, sollte man meinen.

Die Bilanzen der 600 größten Unternehmen zwischen Nordkap und Sizilien belegen eindrucksvoll, wie stark Europas Wirtschaft auseinanderdriftet. Auf der Sonnenseite boomen Deutschlands Konzerne so stark wie die keines anderen Landes auf dem Kontinent. Auf der Schattenseite hingegen kommen die Unternehmen etlicher Südländer nicht aus der Rezession heraus. Zwischen diesen beiden Extremen tummelt sich der große Rest - vom Spitzenreiter Deutschland fast genauso weit entfernt wie vom Schlusslicht Griechenland. Einzige Ausnahme: In Irland stemmen sich viele Firmen erfolgreich gegen den wirtschaftlichen Niedergang.

Deutschland als Europas größte Volkswirtschaft rangiert mit weitem Abstand an der Spitze Europas. Die 59 deutschen Firmen im marktbreiten Börsenindex Stoxx 600 dürften im laufenden Jahr im Schnitt 42 Prozent mehr verdienen als 2009. Das signalisieren die bisherigen Quartalsberichte, die Vorhersagen der Vorstände und die Prognosen der Analysten, die der Finanzdatenspezialist Factset zusammenfasst. Danach winkt den 30 Dax-Konzernen sogar ein Zuwachs von rund 70 Prozent.

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6 Kommentare zu "Bilanz-Analyse: Deutsche Konzerne werden zu Europas Gewinnmaschine"

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  • Henkel erwirtschaften neuerdings einen Teil seiner Putzmittel nicht durch Erdölrohstoffe sondern durch nachwachsende Rohstoffe Palmöl.

    Mich interessiert ob dieser Anbau in Ordnung ist, z.b. das keine Ureinwohner und andere Menschen dadurch von ihren Plätzen vertrieben werden. Wenn dieses Kriterium erfüllt ist und henkel wirklich ökologisch wirtschaftet, also das Putzmittel ist ok, ich habe es getestet.

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    Allerdings habe ich gesehen dass bei Nivea Creme und die sind von welchem Hersteller, unilever bayer Wekre oder so, ? Microkristalline drin sind. Was ist das bitteschön ?

  • Nur haben leider Angestellte und Arbeiter nichts davon. im Gegenteil. Ein Großteil des Gewinns wurde aufgrund schlechterer Arbeitsverträge erwirtschaftet.

  • Endlich mal wieder gute Nachrichten aus D. :)

  • DiESEN ARTiKEL biTTE EiN JAHR AUFHEbEN UND iM NOVEMbER 2011 NOCH EiNMAL LESEN,
    um zu sehen, wie sehr falsch doch das Handelsblatt ein Jahr zuvor lag.

  • Wirtschaftsminister brüderle (FDP) gestern abend bei Maischberger auf die Frage von Dirk Müller, warum man den iMF mit ins boot geholt hat:
    "Der iWF ist der Einzige, der die Expertise hat." war brüderles Antwort.
    Expertise => Kompetenz, Fachkenntnis!
    Hallo, dieser Mann ist unser Wirtschaftsminister - und ihr glaubt weiterhin solchen Ahnungslosen wie brüderle, daß der Euro nicht kolabiert und wir in D in einer boomenden heilen Konsumwelt leben??? Öffnet eure Augen und ihr werdet die Wahrheit sehen.

  • Die vom Handelsblatt veröffentlichte Liste der Aktienportfolios von zehn Milliardären und Wallstreet-Weisen (einschließlich buffett und Soros) zeigt, dass keiner von ihnen eine europäische Aktie besitzt. Sollten sie etwa mehr wissen als wir?

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