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Bilanzcheck BASF muss weiter auf einen neuen Aufschwung warten

Die Coronakrise trifft den Ludwigshafener Dax-Konzern heftig. Die Früchte des Umbaus lassen auf sich warten. Und bis Jahresende zeichnen sich weitere Einbußen ab.
17.06.2020 - 04:00 Uhr Kommentieren
2020 könnten BASFs Erträge um 30 Prozent auf etwa 3,2 Milliarden Euro sinken. So wenig hatte der Chemiekonzern zuletzt 2003 verdient. Quelle: dpa
BASF

2020 könnten BASFs Erträge um 30 Prozent auf etwa 3,2 Milliarden Euro sinken. So wenig hatte der Chemiekonzern zuletzt 2003 verdient.

(Foto: dpa)

Frankfurt Von einer neuen Realität ist viel die Rede in diesen Tagen. Für den Chemieriesen BASF gilt das Schlagwort gleich in zweifacher Hinsicht. Die Coronakrise wird dem Branchenführer der Chemiebranche 2020 einen weiteren deutlichen Gewinnrückgang bescheren.

Zugleich entstehen bei dem Ludwigshafener Konzern neue Realitäten auch im Innern. Mit seinem 2018 eingeleiteten Umbau und Sparprogramm will Firmenchef Martin Brudermüller den Konzern zugleich effizienter, beweglicher und wachstumsstärker machen. Vor allem aus Sicht der Kunden, verspricht Konzernherr Brudermüller, entstehe spürbar eine neue BASF.

Bei den Aktionären des Chemieriesen, die sich am Donnerstag zur ersten virtuellen Hauptversammlung des Unternehmens „versammeln“, dürfte sich die Begeisterung über die neue BASF jedoch in Grenzen halten. Denn gemessen an den Ertragszahlen, die Brudermüller zur Hauptversammlung präsentiert, ähnelt die neue BASF eher der alten: der BASF vom vorletzten Jahrzehnt, einem volatilen und konjunkturanfälligen Großchemie-Konglomerat, bei dem von der erhofften neuen Wachstumsphase wenig zu sehen ist.

Bei nahezu stabilem Umsatz sank das operative Ergebnis 2019 erneut kräftig, um ein Drittel auf rund vier Milliarden Euro. Bereinigt um Sondereinflüsse errechnet sich ein Rückgang um knapp 28 Prozent auf 4,5 Milliarden Euro.

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    Für 2020 zeichnen sich angesichts der Konjunkturflaute im Gefolge der Coronakrise weitere starke Einbußen ab. Im ersten Quartal des laufenden Jahres hat sich der Chemiekonzern zwar mit einem Umsatzplus von sieben Prozent und einem moderaten Rückgang des bereinigten Betriebsgewinns noch vergleichsweise gut geschlagen. Das nach dem Bilanzierungsstandard IFRS ermittelte Betriebsergebnis (Ebit) lag aber im ersten Quartal um 18 Prozent unter Vorjahresniveau. Im zweiten Quartal dürfte es noch stärker sinken, möglicherweise sogar negativ ausfallen.

    Ebit sinkt weiter

    Für das Gesamtjahr 2020 unterstellen Analysten einen weiteren operativen Ertragsrückgang um 30 Prozent auf etwa 3,2 Milliarden Euro. So wenig hatte die BASF zuletzt 2003 verdient. Selbst in den Krisenjahren 2008 und 2009 konnte der Chemieriese operativ höhere Erträge ausweisen – damals allerdings noch mit kräftiger Unterstützung des Öl- und Gasgeschäfts, das inzwischen komplett entfallen ist.

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    Denn bilanziell hat sich die BASF von dieser Sparte schon im Herbst 2018 weitgehend verabschiedet. Die neu formierte Wintershall-Dea-Gruppe wird seither nur noch mit ihrem Eigenkapitalanteil im BASF-Abschluss erfasst und leidet unter starken Ertragseinbußen als Folge schwacher Öl- und Gaspreise. Im ersten Quartal belastete sie die BASF-Ertragsrechnung mit einem Verlust von 160 Millionen Euro.

    Im Chemiebereich bietet der BASF-Konzern unterdessen ein zwiespältiges Bild. Vor allem das Geschäft mit Kunststoffen (Materials) und Grundchemikalien (Chemicals), das bis Mitte 2018 noch mit hohen Gewinnen glänzte, steht massiv unter Druck. Im Segment Materials sank der Betriebsgewinn sowohl 2019 als auch im ersten Quartal 2020 um rund 60 Prozent.

    Ähnlich stark fielen die Einbußen in der Sparte Chemicals aus. Der ohnehin bestehende Ertragsdruck durch Überkapazitäten wird hier nun durch die Corona-bedingte Flaute in wichtigen Abnehmerindustrien wie der Automobilbranche verstärkt.

    Deutlich günstiger sieht der Trend im sogenannten Downstream-Geschäft der BASF aus, das heißt im Bereich der höher veredelten und konsumnäheren Chemieprodukte. Dazu gehören etwa das Geschäft mit Farben und Katalysatoren (Surface Technologies), Vorprodukten für die Ernährungs-, Kosmetik- und Pflegeprodukte (Nutrition & Care) sowie die Agrochemiesparte, die der Konzern vor zwei Jahren durch den Kauf von Pflanzenschutz- und Saatgutaktivitäten von Bayer deutlich verstärkte.

    In diesen Segmenten konnte der Konzern seine Erträge sowohl 2019 als auch im ersten Quartal 2020 verbessern oder zumindest halten. Allerdings reicht das bei Weitem nicht aus, um die Schwächen im Kunststoff- und Grundchemiebereich zu kompensieren. Insgesamt bleibt damit die Anfälligkeit der BASF für zyklische Schwankungen relativ hoch.

    Praktisch alle maßgeblichen Ertragskennziffern haben sich seit 2018 verschlechtert. Die Ebitda-Marge sank im vergangenen Jahr von 14,9 auf 13,5 Prozent, den niedrigsten Wert seit fast 20 Jahren, die Rendite auf das eingesetzte Kapital schrumpfte von zwölf auf 7,7 Prozent. Erstmals seit Langem hat der Konzern seine Kapitalkosten nicht verdient. Und im laufenden Jahr dürfte die Diskrepanz noch größer ausfallen.

    Der einzige positive Ausreißer im Ertragsbild ist der bilanzielle Reingewinn, der 2019 um fast 70 Prozent auf 8,5 Milliarden Euro stieg. Verantwortlich dafür jedoch ist ausschließlich ein Buchgewinn von fast sechs Milliarden Euro aus der Umgliederung von Wintershall, den die BASF im Ergebnis aus nicht fortgeführten Aktivitäten ausweist.

    Alles in allem fällt die Kurzfristdiagnose damit ernüchternd aus: Neuordnung und Effizienzprogramm haben bisher praktisch keine Wirkung entfaltet, sondern sind im Gegenwind von Konjunkturflaute und Petrochemie-Margenverfall verpufft.

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    Immerhin birgt der Jahresabschluss aber auch einige Indikatoren dafür, dass sich die Situation längerfristig bessern könnte. So wird die aktuelle Ertragsschwäche maßgeblich von steigenden Herstellungskosten und einer rückläufigen Bruttomarge geprägt. Die übrigen operativen Kosten – also Vertriebs-, Verwaltungs- und Forschungsaufwand – sind 2019 nur leicht gestiegen und im ersten Quartal 2020 durchweg gesunken. Damit deutet sich an, dass der Konzern seine Fixkosten schrittweise reduzieren und mit einer verbesserten Kostenstruktur in den nächsten Konjunkturaufschwung gehen kann.

    In vergleichsweise solider Verfassung präsentieren sich zudem Finanzkraft und Bilanzstruktur. Die Eigenkapitalquote hat sich in den letzten Jahren schrittweise verbessert und profitierte 2019 zusätzlich von dem hohen Buchgewinn aus der Wintershall-Umgliederung.

    Solide Bilanzstruktur

    Die Nettoverschuldung ist nach einem Rückgang zum Jahresende 2019 zwar wieder auf den Rekordwert von knapp 19 Milliarden Euro per Ende März gestiegen und damit auf etwa das Dreifache des erwarteten Ebitda. Sie bewegt sich damit aber immer noch im Rahmen dessen, was in der Chemie gängig ist.

    Zudem zeichnet sich mit den geplanten Desinvestitionen ein deutlicher Abbau der Verschuldung ab. Gut drei Milliarden Euro bringt der vereinbarte Verkauf der Bauchemiesparte an den Finanzinvestor Lonestar. Eine weitere deutliche Entlastung verspricht der geplante Börsengang von Wintershall Dea. Offen bleibt allerdings, wann und zu welchen Konditionen dieser realisierbar sein wird.

    Der Anteil von 72,7 Prozent an dem Öl- und Gasförderer steht aktuell mit rund zwölf Milliarden Euro in den Büchern. Zweifel an den Langfristperspektiven des Ölgeschäfts, wie sie jüngst etwa der Energieriese BP mit hohen Abschreibungen auf seine Reserven signalisierte, könnten auch die BASF zu Abstrichen an der Bewertung zwingen. Aber selbst auf ermäßigter Basis würde ein Wintershall-IPO wohl noch zu einer signifikanten Entschuldung beitragen.

    Eine Stärke des Ludwigshafener Konzerns bleibt vorerst auch der Cashflow, der sich in den letzten Jahren weitaus stetiger als die Gewinne entwickelte. Der operative Cashflow sank 2019 nur um sechs Prozent auf 7,5 Milliarden Euro, der Free Cashflow schrumpfte um ein Zehntel auf 3,7 Milliarden Euro. Im ersten Quartal folgte darauf zwar ein starker Cash-Abfluss aus dem operativen Geschäft von fast 1,6 Milliarden Euro. Doch das dürfte sich im Jahresverlauf wieder umkehren. Dafür jedenfalls sprechen die Erfahrungen aus der Finanzkrise, als die BASF gegenläufig zum Gewinnrückgang den freien Cashflow deutlich stärken konnte.

    Enorme Zuversicht für die Finanzkraft des Chemieriesen demonstriert das BASF-Management zudem mit seiner offensiven Dividendenpolitik. Anders als etliche andere Industriekonzerne hält der Konzern trotz Coronakrise am Plan fest, die Dividende um zehn Cent auf 3,30 Euro anzuheben. Die Ausschüttungssumme steigt damit erstmals auf etwas mehr als drei Milliarden Euro.

    Der Gewinntrend der vergangenen zwei Jahre dagegen gibt eine so üppige Dividende kaum her. Angesichts der Diskrepanz wird BASF-Chef Brudermüller spätestens 2021 zeigen müssen, dass die BASF-Erneuerung in der Erfolgsrechnung sichtbar wird.

    Mehr: Die deutsche Chemiebranche kommt bisher robust durch die Krise – anders als die US-Konkurrenz. Doch das bedeutet noch keine Entwarnung für die nächsten Monate.

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