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Bilanzcheck Corona bremst das Wachstum von Fresenius

Nach einem Übergangsjahr wollte der Gesundheitskonzern wieder Fahrt aufnehmen. Doch die Pandemie dämpft die Aussichten – obwohl das Geschäftsmodell robust ist.
27.08.2020 - 03:44 Uhr Kommentieren
Fresenius: Corona-Pandemie bremst das Wachstum Quelle: dpa
Firmenzentrale von Fresenius in Bad Homburg

Der Gesundheitskonzern hat die Prognose für dieses Jahr wegen der Corona-Pandemie gesenkt.

(Foto: dpa)

Frankfurt Als Jahr der Investitionen hatte Fresenius-Chef Stephan Sturm 2019 angekündigt. Ein Jahr, in dem das Unternehmen in Maßnahmen für mehr Wachstum investieren und die Strukturen optimieren wollte, um dann ab diesem Jahr wieder stärker zulegen zu können. Doch die Corona-Pandemie hat Fresenius wie so viele andere Unternehmen zu einer Planänderung gezwungen.

Weil verschobene Behandlungen insbesondere die Medikamentensparte und das Klinikgeschäft belasten und die Kosten durch die Schutzmaßnahmen steigen, könnte der Gewinn von Fresenius in diesem Jahr sogar sinken, wie Stephan Sturm den Aktionären auf der am Freitag stattfindenden virtuellen Hauptversammlung erläutern wird.

Alles in allem ist der Konzern mit seinem diversifizierten Geschäftsmodell im wachsenden Gesundheitsmarkt aber durchaus robust genug aufgestellt, um die Folgen der Corona-Pandemie zu verkraften. Zum Unternehmen gehören der ebenfalls im Dax notierte Dialysekonzern Fresenius Medical Care (FMC), die Kliniktochter Helios, die Infusions- und Medikamentensparte Kabi sowie die auf Klinikdienstleistungen spezialisierte Vamed.

Von der steigenden Nachfrage nach Gesundheitsleistungen konnte der Bad Homburger Konzern auch 2019 profitieren: Alle Unternehmensbereiche wuchsen organisch. Ohne Sondereinflüsse und Wechselkurseffekte gerechnet, schnitt der Dax-Konzern im Übergangsjahr 2019 mit einem Gewinnzuwachs von einem halben Prozent sogar minimal besser als prognostiziert ab.

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    Die Aktionäre können auf der wegen der Corona-Pandemie verschobenen Hauptversammlung am Freitag über die 27. Dividendenerhöhung in Folge abstimmen. Der Zuwachs fällt mit fünf Prozent auf 0,84 Euro allerdings erneut geringer aus als in den Vorjahren.

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    Die Aktie von Fresenius bleibt seit der missglückten Akorn-Übernahme 2018 hinter der Dax-Entwicklung zurück, auch wenn sie im vergangenen Jahr um 18 Prozent an Wert zulegte. Seit Anfang dieses Jahres haben die Fresenius-Titel rund ein Fünftel an Wert verloren.

    Der Jahresabschluss 2019 zeigt gegenläufige Trends bei Umsatz und Gewinn: Während der Umsatz um 5,6 Prozent auf 35,4 Milliarden Euro wuchs, sank das operative Ergebnis um 11,8 Prozent auf 4,6 Milliarden Euro. Das Konzernergebnis schrumpfte um sieben Prozent auf knapp 1,9 Milliarden Euro.

    Helios mit Einbußen beim Gewinn

    Verschiedene Sonderfaktoren sind für diese Entwicklung verantwortlich, wobei als größter Effekt der Verkauf eines Ärztenetzwerks durch die Tochter FMC noch nachwirkte: Denn der Verkauf hatte 2018 auf Ebene des operativen Gewinns für einmalige Einnahmen von zusätzlich 809 Millionen Euro gesorgt und damit die Vergleichsbasis deutlich erhöht. Auf Ebene des Konzerngewinns, der den Gesellschaftern der Fresenius SE &Co KGaA zufällt, betrug der Effekt noch mehr als 200 Millionen Euro.

    Fresenius hält an der Dialysetochter FMC rund 31 Prozent der Anteile, kontrolliert das Unternehmen aber voll über die Struktur einer Kommanditgesellschaft. FMC, die rund die Hälfte zum Konzernumsatz beiträgt, wird daher voll konsolidiert. Lediglich beim Konzernergebnis fließt der Beitrag der Tochter nur anteilig ein.

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    Sondereinflüsse herausgerechnet, konnte Fresenius den Umsatz um acht Prozent steigern, währungsbereinigt lag das Plus bei sechs Prozent. Der operative Gewinn (Ebit) legte um ein Prozent zu, beziehungsweise schrumpfte währungsbereinigt um zwei Prozent. Das lag zum einen daran, dass Fresenius Medical Care mit knapp 2,3 Milliarden Euro lediglich ein stagnierendes Ebit erreichte.

    Die vor allem in Deutschland und Spanien aktive Krankenhaustochter Helios wiederum büßte sogar rund vier Prozent beim operativen Gewinn von rund einer Milliarde ein. Gründe dafür waren Investitionen in neue Angebote und digitale Maßnahmen ebenso wie die verstärkte Neueinstellung von Pflegekräften in Deutschland.

    Die Medikamenten- und Infusionsparte Kabi kämpfte in der Region Nordamerika mit Umsatzrückgängen, weil das Unternehmen nicht mehr von Lieferengpässen der Wettbewerber profitieren konnte, die Kabi über viele Jahre eine Art Sonderkonjunktur mit hohen Margen beschert hatten. Dank einer erfolgreichen Entwicklung in den Schwellenländern gelang es dem Unternehmensbereich aber, den Umsatz um sechs Prozent auf 6,9 Milliarden Euro zu steigern und den operativen Gewinn um immerhin fünf Prozent auf 1,2 Milliarden Euro zu erhöhen.

    Die 2019 geänderten Bilanzierungsvorschriften für Leasingverträge, die eine Aktivierung von Nutzungsrechten und die Passivierung von Leasingverbindlichkeiten verlangen, machen sich in der Bilanz und Kapitalflussrechnung von Fresenius stark bemerkbar. So verdoppelten sich die Netto-Finanzschulden durch den IFRS-16-Effekt und die Übernahme des Heimdialysebetreibers NX Stage auf 25,6 Milliarden Euro, was dem 3,6-Fachen des Ebitda entspricht. Adjustiert um den IFRS-16-Effekt erhöhten sie sich dagegen nur um 20 Prozent auf 19,5 Milliarden Euro oder das 3,14-Fache des Ebitda.

    So steigen etwa die Abschreibungen von Fresenius um 958 Millionen Euro auf 2,5 Milliarden Euro an. Das trägt wesentlich dazu bei, dass sich der Mittelzufluss aus laufender Geschäftstätigkeit um 14 Prozent auf 4,3 Milliarden Euro erhöht. Das Unternehmen hat damit ausreichend Spielraum, nicht nur die Dividendenzahlungen in Höhe von 952 Millionen Euro zu zahlen, sondern ebenso 600 Millionen Euro für Aktienrückkäufe bei Fresenius Medical Care.

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    Der operative Konzern-Cashflow belief sich 2019 auf knapp 4,3 Milliarden Euro, inklusive des IFRS-16-Effekts von 749 Millionen Euro. Bereinigt um diesen Effekt, ging der operative Cashflow um sechs Prozent auf 3,5 Milliarden Euro zurück. Die Cashflow-Marge sank von 11,2 auf 9,9 Prozent. Gestiegene Sachinvestitionen von 2,43 Milliarden Euro sorgen dafür, dass der Free Cashflow bereinigt um den IFRS-16-Effekt mit 1,1 Milliarden Euro um mehr als ein Drittel (35 Prozent) unter den Vorjahreswert sank.

    Wachstum ist kein Selbstläufer

    Insgesamt zeigt die um IFRS-16-Effekte und andere Sondereinflüsse bereinigte Fünf-Jahres-Übersicht, dass die Profitabilität des Unternehmens in den vergangenen vier Jahren gesunken ist. So ging die operative Marge von 14,6 Prozent im Jahr 2016 auf 12,9 Prozent im Jahr 2019 zurück. Das ist der niedrigste Stand des vergangenen Jahrzehnts. Auch die Rendite auf das eingesetzte Kapital schrumpfte von 8,5 Prozent im Jahr 2016 auf 7,4 Prozent im vergangenen Jahr.

    Das zeigt: Profitables Wachstum im Gesundheitsmarkt ist auch für den erfolgsverwöhnten Fresenius-Konzern kein Selbstläufer, regulatorische Eingriffe zur Dämpfung der Kostensteigerungen im Gesundheitswesen und eine zunehmende Wettbewerbsintensität in den Märkten fordern das Unternehmen heraus.

    Stephan Sturm, der den Vorstandsvorsitz von Fresenius am 1. Juli 2016 übernahm, hatte geplant, mit Optimierungsmaßnahmen und Investitionen im Jahr 2019 die Gewinnentwicklung von Fresenius wieder anzukurbeln und auch die Profitabilität zu steigern. Er ist grundsätzlich weiter optimistisch und hält an den mittelfristigen Finanzzielen fest. Bis 2023 will Fresenius den Umsatz währungsbereinigt im Durchschnitt um vier bis sieben Prozent pro Jahr steigern. Beim Gewinn sollen es fünf bis neun Prozent sein.

    Doch die Coronakrise dürfte diese Pläne zumindest für dieses Jahr zunichtemachen. Auch wenn sich die Dialysetochter FMC im ersten Halbjahr erfolgreich entwickelt hat, bremst die Pandemie die anderen drei Sparten von Fresenius. Weil weniger operiert wird, wächst die Medikamentensparte Kabi langsamer und verdient weniger. Der Umsatz im ersten Halbjahr steigt nur um zwei Prozent, und das operative Ergebnis liegt um fünf Prozent unter dem Vorjahr.

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    Und in der Krankenhaussparte ist noch unklar, inwieweit Kompensationszahlungen durch die Staaten die gestiegenen Kosten ausgleichen können. Im ersten Halbjahr schrumpfte das operative Ergebnis der Krankenhaustochter Helios um 13 Prozent.

    Fresenius erwartet für das laufende Jahr – vorausgesetzt, es kommt zu keiner weiteren Covid-19-Welle – einen währungsbereinigten Anstieg des Konzernumsatzes um drei bis sechs Prozent, das Ergebnis soll sich in einer Spannbreite von minus vier bis plus ein Prozent bewegen. Den Trend rückläufiger Margen kann der Konzern damit auch 2020 noch nicht umkehren.

    Mehr: Dax-Konzerne ungeschminkt – der Handelsblatt-Bilanzcheck

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