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Bilanzcheck Covestro ist von alter Stärke weit entfernt

Beim Kunststoffhersteller standen die Gewinne vor der Coronakrise schon unter Druck. Die Erholung wird dauern – und hängt von den Konkurrenten ab.
28.07.2020 - 14:56 Uhr Kommentieren
Der Dax-Konzern leidet unter den Preiseinbrüchen bei Kunststoffen. Quelle: AFP
Plastikgläser mit Covestro-Logo:

Der Dax-Konzern leidet unter den Preiseinbrüchen bei Kunststoffen.

(Foto: AFP)

Düsseldorf Rote Zahlen, steigender Aktienkurs – beim Kunststoffhersteller Covestro geht das zusammen. Die Anleger nahmen es dem Dax-Konzern nicht übel, dass unterm Strich im zweiten Quartal 2010 ein Minus stand, wie Covestro Anfang Juli bekanntgab. Sie richten den Blick nach vorn: Operativ ist es bei dem Unternehmen zwischen April und Juni besser gelaufen als von Analysten erwartet. Das nährt die Hoffnung, dass die Coronakrise Covestro im Rest des Jahres nicht so stark zurückwerfen wird wie ursprünglich befürchtet.

Die Aktie hat daher seit dem Tiefpunkt im März um rund ein Drittel zugelegt. Die Anleger honorieren auch, dass Covestro trotz des aktuellen Geschäftseinbruchs die Dividende nicht komplett streicht. Geplant ist einer Ausschüttung von 50 Prozent der geplanten Summe, was 1,20 Euro pro Aktie und insgesamt rund 200 Millionen Euro bedeutet.

Für den Konzern ist das ein Kraftakt, denn schon im vergangenen Jahr ist der für die Ausschüttung zur Verfügung stehende freie Cashflow um 70 Prozent auf 473 Millionen Euro eingebrochen. In diesem Jahr könnte dieser Wert schlimmstenfalls sogar negativ sein, wie Covestro in seiner aktuellen Prognose erwartet.

Insofern wird Covestro-Chef Markus Steilemann mit gemischten Gefühlen am Donnerstag auf der virtuellen Hauptversammlung vor die Aktionäre treten. Seit Mai haben sich die Geschäfte zwar schrittweise wieder verbessert, doch mit Blick auf das zweite Halbjahr bleiben große Unsicherheiten.

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    Zwei Faktoren sind für den Kunststoffhersteller entscheidend: Erstens die allgemeine konjunkturelle Lage der Weltwirtschaft – insbesondere in der Autoindustrie. Zweitens die Wettbewerbssituation, die für den Konzern schon seit Längerem enorm herausfordernd ist und zu einem starken Preiseinbruch geführt hat.

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    Mittlerweile ist allen Aktionären klar, dass die Boomjahre 2015 bis 2018 eine außergewöhnliche und nicht wiederkehrende Phase für Covestro waren. Aber ist der Tiefpunkt schon erreicht?

    Nachfrage ist intakt

    Klammert man den Geschäftseinbruch durch die Coronakrise aus, so ergibt sich folgendes Bild: Grundsätzlich ist die Nachfrage nach den Kunststoffen von Covestro intakt, selbst im bereits herausfordernden Jahr 2019 legte die verkaufte Menge leicht zu. Die Verkaufspreise hingegen brachen um 17 Prozent ein.

    Das hinterließ Spuren im Zahlenwerk. Der Umsatz sank zwar nur um 15 Prozent auf 12,4 Milliarden Euro. Der operative Gewinn (Ebit) hingegen schrumpfte um 67 Prozent auf 852 Millionen Euro.

    2020 wird die Ertragskraft von Covestro weiter sinken. Der Konzern selbst stellt den bereinigten Betriebsgewinn vor Abschreibungen (Ebitda) in den Vordergrund, der 2019 bei 1,6 Milliarden Euro lag. Nach aktueller Prognose wird er in diesem Jahr zwischen 700 Millionen und 1,2 Milliarden Euro erreichen. Das obere Ende diese Spanne dürfte schwer zu erreichen sein, dazu müsste Covestro im zweiten Halbjahr kräftig zulegen.

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    Für eine Besserung der Nachfrage spricht, dass vor allem im wichtigen chinesischen Markt die Automobilkonjunktur wieder deutlich angezogen hat. Die Covestro-Produkte sind aber ebenso von der Entwicklung in der Bauindustrie, Elektronik und konsumnahen Geschäften abhängig.

    Der Konzern fertigt den Schaumstoff Polyurethan in weicher Form etwa für Matratzen und Sitze und in harter Form für Fassadenbekleidung und Kühlgeräte. Der transparente Kunststoff Polycarbonat wird im Automobilbau, in der Medizintechnik und in der Elektronik verwendet.

    Covestro dürfte weiterhin von grundlegenden Nachfragetrends profitieren: Beispielsweise werden für E-Autos und in der grünen Energieerzeugung Kunststoffe für den Leichtbau benötigt, die schwere Metallteile ersetzen. Die Frage ist nur, mit welcher Gewinnspanne der Konzern seine Produkte loswird.

    Die Preise in den beiden Kerngeschäften stehen schon länger unter Druck, weil Konkurrenten in Asien und dem Nahen Osten neue Kapazitäten in Betrieb nahmen. Firmen wie Wanhua aus China, aber auch BASF hatten zunächst technische Probleme mit neuen Anlagen, was Covestro zwischen 2015 und 2018 eine Sonderkonjunktur mit massiven Preissprüngen bescherte. Das gipfelte 2017 in einem Ebit von 2,8 Milliarden Euro.

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    2019 zeigten sich dann die Folgen der Überkapazitäten im Markt und dem damit verbundenen Einbruch der Preise. Im Polyurethangeschäft kam Covestro nur noch auf ein Ebit von 250 Millionen Euro. Etwas geringer war der Verfall der Margen im Verkauf von Polycarbonat, das auf 300 Millionen Euro Ebit kam.

    Stabilisierend wirkte sich im vergangenen Jahr die dritte Säule mit den sogenannten CAS-Geschäften aus, also Inhaltsstoffe für Lacke, Klebstoffe sowie Spezialitäten. Dort ging der operative Gewinn nur leicht auf 191 Millionen Euro zurück.

    Aktuell stehen wegen der Coronakrise aber alle drei Segmente unter Druck. Dem Covestro-Management bleibt nichts anderes übrig als konsequentes Kostenmanagement.

    Vorteilhafte Kostenstruktur

    Der Sparkurs wurde daher weiter verschärft, die Investitionen auf das Nötigste beschränkt, die Sachkosten weiter gedrückt. Management und Mitarbeiter haben sich auf einen freiwilligen Gehaltsverzicht bei verkürzter Arbeitszeit geeinigt.

    Der Konzern sieht sich schon heute als Anbieter mit der besten Kostenstruktur und als technologisch führend. Die Kalkulation der Covestro-Führung lautet daher auch, dass Wettbewerber die aktuelle Situation schlechter aushalten können und Kapazitäten vom Markt nehmen werden.

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    Grundsätzlich will Steilemann das Produktportfolio nach und nach auf eine konjunkturrobustere Basis stellen und Geschäfte stärken, in denen Nachhaltigkeit eine große Rolle spielt, also etwa die Fassadendämmung oder E-Mobilität.

    Covestro wird dabei vor allem auf die eigene Innovationskraft vertrauen müssen. Finanziell hätte der Konzern zwar noch gewissen Spielraum für Zukäufe. Die Nettofinanzverschuldung ist zwar kräftig auf 969 Millionen Euro gestiegen. Dies ist aber vorwiegend durch die erstmalige Anwendung der neuen Regeln für die Bilanzierung von Leasingverbindlichkeiten bedingt. Brutto verfügte der Konzern zur Jahresmitte über Finanzmittel von rund 1,8 Milliarden Euro.

    Größere Übernahmen in den beiden großen Kerngeschäften sind aber kartellrechtlich schwierig. Covestro ist Weltmarktführer bei Polyurethanen und unter den globalen Top-drei-Anbietern für Polycarbonat.

    Mehr: Covestro sieht Trendwende – Gewinnrückgang weniger stark als befürchtet

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