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Bilanzcheck Heidelbergcement ist wegen der Coronakrise im Sparmodus

Die nahende Krise trifft die Aktionäre des Baustoffkonzerns empfindlich. Dabei ist das Finanzpolster durchaus solide.
02.06.2020 - 18:09 Uhr Kommentieren
„Dax-Konzerne ungeschminkt“ nimmt die Aktionärstreffen deutscher Großunternehmen zum Anlass, deren Jahresabschlüsse kritisch zu durchleuchten. Quelle: dpa
HeidelbergCement

„Dax-Konzerne ungeschminkt“ nimmt die Aktionärstreffen deutscher Großunternehmen zum Anlass, deren Jahresabschlüsse kritisch zu durchleuchten.

(Foto: dpa)

Stuttgart, Frankfurt Seinen Start als Vorstandsvorsitzender von Heidelbergcement hätte sich Dominik von Achten vermutlich etwas anders gewünscht. Anfang Februar übernahm der 54-jährige Volljurist und promovierte Volkswirt als Nachfolger des langjährigen CEO Bernd Scheifele das Ruder beim zweitgrößten Baustoff-Konzern der Welt – und musste fast von Beginn an auf Krisenmodus schalten.

Denn mit der Coronakrise ziehen auch für den Heidelberger Konzern düstere Wolken auf: Man rechne mit deutlich negativen Auswirkungen auf Umsatz und Gewinn, warnte von Achten bei Vorlage der Zahlen zum ersten Quartal 2020. „Das Ergebnis wird eine ordentliche Delle bekommen.“ Entsprechend getrübt dürfte am Donnerstag die Stimmung bleiben, wenn der Dax-Konzern zur Hauptversammlung im Internet lädt.

Dabei war man in der Heidelcement-Zentrale bereits vor den Warnmeldungen des Robert Koch-Instituts wegen der Gefahren des Virus alarmiert. So hatte der Heidelberger Konzern vor wenigen Jahren den italienischen Konkurrenten Italcementi für vier Milliarden Euro übernommen. Dessen Zentrale residiert just in Bergamo, jener Stadt in Norditalien, die am frühesten und am heftigsten von der Corona-Pandemie getroffen wurde.

Schon bevor die Bilder vom Sterben und den überforderten Intensivstationen im Ospedale Papa Giovanni XXIII in Bergamo um die Welt gingen, hatten die Heidelberger bereits 200.000 Euro an die Klinik gespendet. Das ist zwar keine Summe, die bei der Bilanzanalyse eines 16-Milliarden Euro-Konzerns ins Gewicht fällt, aber ein Indiz für die frühe Wahrnehmung der Herausforderungen.

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    Auch in anderer Hinsicht fackelte die Heidelcement-Führung nicht lange. Ende Februar, noch bevor die Krise im Geschäft wirklich sichtbar wurde, starteten von Achten und sein Finanzchef Lorenz Näger das Sparprogramm „Covid Contingency Plan Execution“ (COPE) – mit dem Ziel, eine Milliarde Euro einzusparen, unter anderem auch beim Personal.

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    Die Führungskräfte verzichten auf 20 Prozent ihres Gehalts. In der Heidelberger Konzernzentrale wurde Kurzarbeit eingeführt. Einen Werksneubau in den USA hat der Konzern erst einmal verschoben.
    Zusätzliche 317 Millionen Euro sollen die Aktionäre in Gestalt einer deutlichen Dividendenkürzung beisteuern. Auf der virtuellen Hauptversammlung am 4. Juni sollen sie über eine Dividende von 0,60 Euro je Aktie beschließen, anstatt der ursprünglich geplanten 2,20 Euro.

    Die Ausschüttungssumme sinkt damit von 417 Millionen Euro im Vorjahr auf nur noch 119 Millionen Euro im laufenden Jahr. Ähnlich wie etliche andere Konzerne steuert auch der Baustoffriese in Richtung Cash-Sicherung.

    Besser vorbereitet als 2008

    Nicht nur der langjährige Finanzchef Näger, auch von Achten selbst hat auf diesem Feld einschlägige Erfahrungen bei Heidelbergcement gesammelt. Schon während der Finanzkrise 2008 war er mit an Bord. Damals geriet der Baustoffhersteller extrem ins Straucheln, nachdem er ein Jahr zuvor den britischen Konkurrenten Hanson für 14 Milliarden Euro übernommen und den Deal mit kurzfristigen und damit möglichst zinsgünstigen Krediten finanziert hatte. Nur mit größter Mühe und hohen Zugeständnissen gelang es der Heidelbergcement-Führung damals, mit den Banken eine Refinanzierung auszuhandeln.

    Diesmal kam die Krise zwar ebenso überraschend, aber der Baustoffriese erscheint deutlich besser vorbereitet als 2008. Der Konzern steht insgesamt stabiler da als damals. Die Nettofinanzverschuldung ist mit 8,4 Milliarden Euro um rund ein Drittel niedriger als damals, der Betriebsgewinn vor Abschreibungen (Ebitda) war 2019 ein Drittel höher.

    Zudem sind die Fristigkeiten der Verbindlichkeiten wesentlich besser austariert. Im April etwa hat der Konzern eine alte, mit 7,5 Prozent verzinste Anleihe im Volumen von 750 Millionen Euro durch eine neue, mit 2,5 Prozent verzinste Anleihe über 650 Millionen Euro abgelöst und gleichzeitig seine Kreditlinie um 425 Millionen Euro auf 3,3 Milliarden Euro erweitert. Darüber hinaus hat der Konzern Zugang zu dem neuen Commercial-Paper-Kaufprogramm der Europäischen Zentralbank. Alles in allem sieht er seine Liquiditätsreserve bei 5,7 Milliarden Euro. Die Ratingagenturen Standard & Poor’s und Moody‘s haben ihre Investmentgrade-Einstufungen bestätigt.

    Operativ lief es noch bis Februar 2020 relativ ordentlich für den Konzern. Für das erste Quartal 2020 konnte er immerhin trotz Umsatzrückgang eine leichte Steigerung des Betriebsgewinns und des Betriebsgewinns vor Abschreibungen (Ebitda) ausweisen.
    Auch die Performance 2019 war solide. Der Umsatz stieg um vier Prozent auf 18,8 Milliarden Euro und das Betriebsergebnis um ein Zehntel auf knapp 2,2 Milliarden Euro. Das Ebitda legte um 15 Prozent auf 3,6 Milliarden Euro zu.

    Allerdings ging der Löwenanteil dieses Anstiegs auf die Neuregelung der Leasing-Bilanzierung nach IFRS 16 zurück. Der Effekt brachte 330 Millionen Euro an zusätzlichem Ebitda. Auf vergleichbarer Basis betrug der Anstieg des Ebitda nach Unternehmensangaben nur 2,4 Prozent.

    Neben dem Bilanzierungseffekt trug auch eine günstigere Kostenstruktur zur Ertragssteigerung bei. Preissteigerungen, insbesondere im Zementbereich, übertrafen den relativ moderaten Anstieg der Material- und sonstigen Kosten.

    Im Zementgeschäft konnte der Konzern dadurch sein Ebit um fast 14 Prozent steigern, während der Bereich Zuschlagstoffe erneut leichte Einbußen verbuchte. Regional entwickelten sich die Erträge vor allem im Europageschäft gut, während sich das Betriebsergebnis in Nordamerika abermals abschwächte.

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    Alles in allem verbesserte sich damit die Ebitda-Marge bezogen auf den Umsatz um volle zwei Punkte auf 19 Prozent, die Ebit-Rendite immerhin noch um rund einen halben Prozentpunkt auf 11,6 Prozent.

    Die Rendite auf das eingesetzte Kapital (ROIC) konnte bei 6,9 Prozent gehalten werden und hat damit nach Kalkulation des Unternehmens die Kapitalkosten leicht übertroffen.

    Den Rendite-Abstand gegenüber dem Branchenführer Lafarge-Holcim, der für 2019 rund 23 Prozent Ebitda-Rendite und 14 Prozent Ebit-Marge ausweist, hat sich indessen nicht verringert. Nicht zuletzt dieser Rückstand gegenüber dem Schweizer Konkurrenten spricht dafür, dass bei Heidelbergcement generell noch Effizienzreserven schlummern.

    Finanzkraft hat sich deutlich verbessert

    Das gilt letztlich auch mit Blick auf den Reingewinn, der sich 2019 gegenläufig zum operativen Ergebnis leicht verschlechterte. Der Konzernjahresüberschuss und auch der Anteil der Heidelbergcement-Aktionäre am Reingewinn lagen um jeweils rund vier Prozent unter Vorjahresniveau.

    Hauptgrund dafür sind zum einen geringere Erträge und höhere Verluste aus Desinvestitionen, zum anderen höhere Restrukturierungskosten. So sorgte unter anderem der Verkauf mehrerer Tochterfirmen in der Ukraine für Verluste. Hinzu kamen höhere Wertminderungen auf verschiedene Aktivitäten in West- und Südeuropa sowie Restrukturierungskosten, die sich auf knapp 100 Millionen Euro verfünffachten.

    Die Position „zusätzliches ordentliches Ergebnis“, unter der Heidelbergcement diese Vorgänge verbucht, wies damit für 2019 einen deutlichen Swing von plus 108 Millionen Euro auf minus 178 Millionen Euro aus.

    Deutlich verbessert hat sich dagegen die Finanzkraft des Konzerns. Der operative Cashflow erhöhte sich um gut ein Drittel auf den Rekordwert von knapp 2,7 Milliarden Euro. Nach Sachinvestitionen verblieb ein freier Cashflow von fast 1,5 Milliarden Euro. Auch dies ein Spitzenwert in der Geschichte von Heidelbergcement. Hinzu kamen mehr als 400 Millionen Euro Cash-Zuflüsse aus Desinvestments.

    Dass die Nettoverschuldung trotzdem noch leicht auf 8,4 Milliarden Euro anstieg, ist ebenfalls ein Effekt der neuen Leasing-Bilanzierung. Denn die Leasing-Verpflichtungen müssen unter der neuen Regelung als Finanzschulden ausgewiesen werden, was bei Heidelbergcement mit 1,3 Milliarden Euro zu Buche schlug. Das heißt: ohne diesen Effekt hätte sich die Nettofinanzverschuldung des Konzerns 2019 um rund 1,2 Milliarden Euro vermindert.

    Im laufenden Jahr wird es wohl wesentlich schwieriger werden, Schulden abzubauen. Denn die Corona-bedingte Ertragsdelle dürfte auch ihre Spuren im Cashflow hinterlassen, und Desinvestitionen sind in diesen Zeiten schwierig. Denn auch potenzielle Käufer von Assets werden vorsichtig agieren. Auch das gibt dem neuen Heidelbergcement-Chef gute Gründe, lieber schnell und beherzt auf die Bremse zu treten.

    Mehr: Die 317-Milliarden-Euro-Blase: Hoffnungswerte belasten Bilanzen der Dax-Konzerne

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