Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Bilanzcheck Hohe Investitionen verschlechtern das Ergebnis von Infineon

Der Chipkonzern ist deutlich weniger profitabel als noch in den Vorjahren. Das liegt etwa an hohen Investitionen – und einem geplanten Zukauf.
19.02.2020 - 11:10 Uhr Kommentieren
Im Vergleich zum Rest der Chipbranche haben sich die Bayern wacker geschlagen. Quelle: Imago
Infineon-Zentrale in Neubiberg

Im Vergleich zum Rest der Chipbranche haben sich die Bayern wacker geschlagen.

(Foto: Imago)

München Zwei Gewinnwarnungen, eine Milliardenübernahme und neue Köpfe auf zwei Schlüsselpositionen: Infineon-Chef Reinhard Ploss hat auf der Hauptversammlung am Donnerstag in München außergewöhnlich viel zu erklären. Ein derart ereignisreiches Geschäftsjahr wie 2018/19 erlebte Deutschlands größter Halbleiterhersteller lange nicht mehr.

Die Aktionärstreffen der vergangenen Jahre waren für den erfahrenen Manager stets ein Kinderspiel. Der 64-Jährige hatte meist Gutes zu berichten, die Aktionäre waren voll des Lobes. An diesem Donnerstag dürfte das anders sein. Da dürfte so mancher Anteilseigner sehr viel genauer nachhaken als zuletzt.

Denn in wesentlichen Kennziffern hat sich der Dax-Konzern im abgelaufenen Geschäftsjahr, es endete am 30. September, verschlechtert. Mehr noch: Die selbst gesteckten Ziele hat Ploss weit verfehlt. Gleich zweimal musste der Ingenieur seine Prognose zurücknehmen, zunächst im Februar, dann im März. Binnen weniger Wochen hatte sich das Geschäft radikal eingetrübt.

Das ist noch nicht alles: Im Mai trat mit Sven Schneider ein neuer Finanzvorstand an. Der Ex-Chef von Linde hatte gerade einmal fünf Wochen Zeit, den größten Deal der Unternehmensgeschichte auf finanziell solide Beine zu stellen.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Am 3. Juni verkündete Ploss, dass Infineon für neun Milliarden Euro den amerikanischen Mitbewerber Cypress schlucken will. Wenig später der nächste Wechsel: Wolfgang Eder löste Eckart Sünner an der Spitze des Aufsichtsrats ab.

    Grafik

    Der neue Chefkontrolleur kann nicht zufrieden sein mit den Zahlen, die ihm Ploss vorlegte. So fiel die operative Rendite auf nur noch 16,4 Prozent, das sind 1,4 Prozentpunkte weniger als im Jahr zuvor. Diese sogenannte Segmentergebnis-Marge ist die zentrale Größe, an der Infineon den Erfolg misst. Noch im November 2018 hatte Ploss 18 Prozent in Aussicht gestellt.

    Der wichtigste Grund für die niedrigere Marge: Infineon konnte im zweiten Halbjahr seine Werke nicht mehr auslasten. Die Fabriken hatte Ploss erst im vorherigen Geschäftsjahr ausgebaut. Das führte nun zu hohen Leerstandskosten.

    Immerhin, die Erlöse sind gewachsen: um sechs Prozent auf rund acht Milliarden Euro. Damit ist Infineon jedoch deutlich weniger dynamisch vorangekommen als geplant. Ursprünglich hatte Ploss ein Plus von elf Prozent versprochen. Zudem legte der Konzern in den Jahren zuvor stärker zu.

    Im Vergleich zum Rest der Chipbranche haben sich die Bayern wacker geschlagen. So schrumpfte der weltweite Umsatz der Industrie den Marktforschern von Gartner zufolge 2019 um rund zwölf Prozent. Die drei größten Segmente legten zu. Digital Security Solutions (DSS), die frühere Chipkartensparte, ist hingegen geschrumpft. Am wichtigsten ist das Umsatzplus von sieben Prozent der Autodivision.

    44 Prozent der Erlöse stammen aus diesem Bereich, das ist mehr, als Power Management & Multimarket (PMM) und DSS zusammen erwirtschaften. Die schlechte Nachricht: Die Gewinnspanne im Autogeschäft beträgt nur 11,5 Prozent. Damit ist die Segmentergebnis-Marge um 2,7 Prozentpunkte gesunken. Der operative Gewinn ging um 62 Millionen auf 404 Millionen Euro zurück.

    Fabriken nicht ausgelastet

    Infineon begründet dies damit, dass die Division mehr Produkte für Elektrofahrzeuge verkauft habe. Deren Anteil am Spartenumsatz sei von zehn auf 13 Prozent geklettert. Für diese neuen Chips müsse der Konzern mehr Geld für Entwicklung und Fertigung in die Hand nehmen als bei den bisher üblichen Bauteilen.

    Zudem habe das Unternehmen mit einem stärkeren Umsatzplus gerechnet und dafür Fertigungskapazitäten bereitgestellt. Die konnten nicht voll eingesetzt werden. Die Industriesparte kam ebenfalls auf ein Wachstum von sieben Prozent, sie produziert Halbleiter für Windräder, Waschmaschinen oder Lokomotiven. Die Marge indes fiel um 1,6 Prozentpunkte auf 17,7 Prozent.

    Das sei auf höhere Materialkosten zurückzuführen sowie auf nicht ausgelastete Fabriken. Im Mittelfeld liegt PMM mit einem Umsatzwachstum von fünf Prozent. Die Sparte verkauft unter anderem Komponenten für den Mobilfunk und für Computerhersteller und steht für knapp ein Drittel des Konzernumsatzes.

    PMM ist der Renditekönig von Infineon: Die Marge betrug 23,9 Prozent, 0,9 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Dies liege am höheren Umsatz sowie besseren Preisen für Leistungshalbleiter, so Infineon. Auch der Wechselkurs zum Dollar habe sich positiv ausgewirkt.

    Enttäuschend entwickelte sich DSS. Das zweite Jahr in Folge ist der Umsatz geschrumpft, und zwar um drei Prozent. Infineon macht dafür das schwache Geschäft mit SIM-Karten verantwortlich, wie sie in Handys eingesetzt werden. Die Marge der Sparte fiel von 15,8 auf zwölf Prozent. Zum Vergleich: Vor drei Jahren waren es noch 19,2 Prozent.

    Infineon erklärt dies mit niedrigeren Erlösen sowie mit nicht genutzten Maschinen in den Fabriken. Die Division ist die kleinste von Infineon, Ploss hält aber eisern an ihr fest, unter anderem, weil sie die Sicherheitstechnik für alle anderen Sparten bereitstellt.

    Die Anleger leiden nicht
    Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen
    Mehr zu: Bilanzcheck - Hohe Investitionen verschlechtern das Ergebnis von Infineon
    0 Kommentare zu "Bilanzcheck: Hohe Investitionen verschlechtern das Ergebnis von Infineon"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%