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Bilanzpressekonferenz Evonik verabschiedet sich vom Plexiglas und stärkt seine Bilanz

Die Zahlen für 2018 fallen solide aus, der Verkauf des Plexiglas-Geschäfts bringt mehr ein als erwartet. Dennoch blickt Evonik verhalten auf das laufende Jahr.
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Der Chemiekonzern erfüllt seine Prognose und kommt beim Konzernumbau voran. Quelle: Reuters
Evonik-Bilanz

Der Chemiekonzern erfüllt seine Prognose und kommt beim Konzernumbau voran.

(Foto: Reuters)

EssenEvonik-Chef Christian Kullmann machte aus seiner Genugtuung wenig Hehl, als er am Dienstag die Bilanz von Deutschlands zweitgrößtem Chemiekonzern präsentierte. Denn er konnte diesmal gleich auf zwei Ebenen mit Erfolgsmeldungen aufwarten: bei den Geschäftszahlen und beim Konzernumbau.

Was die Zahlen angeht, lief es für den Essener Spezialchemie-Hersteller deutlich besser als bei etlichen Wettbewerbern. Evonik steigerte den Umsatz 2018 um vier Prozent auf 15 Milliarden Euro, den Nettogewinn um fast ein Drittel auf 954 Millionen Euro und den bereinigten Betriebsgewinn vor Abschreibungen (Ebitda) um zehn Prozent auf 2,6 Milliarden Euro. Der Essener Konzern hat damit seine Prognosen voll erreicht und kann sich insofern im aktuellen Chemieumfeld bestens sehen lassen.

„Wir kündigen an und liefern“, sagte Kullmann und spielte damit indirekt auf die Konkurrenten BASF und Covestro an, die nach einem heftigen Margen-Einbruch im vierten Quartal ihre Prognose für 2018 revidieren mussten – und auch Gewinnrückgänge im Gesamtjahr verbuchten. Evonik konnten weder die schwankenden Rohstoffkosten, die große Unsicherheit durch den Brexit und Handelskonflikte noch die 35-Millionen-Euro-Belastung durch das niedrige Rheinwasser im Herbst etwas anhaben.

Zum anderen ist Evonik beim Konzernumbau einen weiteren wichtigen Schritt vorangekommen, und dies aus Sicht des Konzerns und vieler Beobachter zu unerwartet guten Konditionen. Am Montagabend einigte sich Evonik mit dem Finanzinvestor Advent über den Verkauf des Methacrylat-Geschäfts (Plexiglas) für insgesamt drei Milliarden Euro.

„Mit dem Verkauf erreichen wir einen Meilenstein, der von einem großartigen Erlös gekrönt wird“, sagte der Evonik-Chef. Viele Analysten hatten mit einer Bewertung von zwei bis 2,5 Milliarden Euro für die Sparte gerechnet.

An der Börse kamen die Transaktion und die Zahlen daher positiv an. Die Evonik-Aktie legte am Dienstag um rund drei Prozent auf Werte um 26,50 Euro zu, notiert damit aber immer noch rund 15 Prozent unter dem Niveau von Anfang Oktober.

Den Rückzug aus dem Methacrylat-Geschäft hatte der Essener Konzern bereits im vergangenen Jahr angekündigt. Mit dem Verkauf wird er sich von einer Sparte mit zuletzt rund 1,9 Milliarden Euro Umsatz und 445 Millionen Euro Ebitda trennen. Das Geschäft mit dem transparenten Spezialkunststoff, der unter anderem im Automobilbau und in der Elektronik eingesetzt wird, profitierte in den letzten beiden Jahren von besonders hohen Margen, dürfte 2019 aber deutlich an Ertragskraft verlieren.

„Wir haben ein sehr gutes Geschäft verkauft, das aber nicht mehr zu unserer Strategie passt“, begründete Kullmann den Deal mit Advent. Der Essener Konzern will sich stärker auf höherwertige Chemieprodukte in den Bereichen Spezialkunststoffe, Tierernährung, Kosmetik und Gesundheit konzentrieren.

Mit dem nun vereinbarten Verkauf des Methacrylat-Geschäfts wird der Konzern voraussichtlich 1,5 Milliarden Euro Buchgewinn erzielen und einen Cash-Zufluss von rund 2,5 Milliarden Euro erzielen. Er dürfte damit seine Netto-Finanzverschuldung von zuletzt drei Milliarden Euro deutlich reduzieren.

Den zusätzlichen bilanziellen Spielraum will Evonik, wie Kullmann deutlich machte, für organische Wachstumsprojekte, wie etwa den Ausbau der Kapazitäten für den Spezialkunststoff Polyamid-12 sowie für weitere ergänzende Zukäufe in den definierten Wachstumsfeldern nutzen, aber nicht für eine Expansion um jeden Preis.

„Mit unserer M&A-Strategie gehen wir nicht den Weg der Helden“, sagte Kullmann. Man wolle vielmehr bestehende Spitzenpositionen gezielt ausbauen. Zuletzt hatte Evonik in diesem Zuge die Übernahme der US-Chemiefirma Peroxychem für 625 Millionen Dollar (rund 550 Millionen Euro) vereinbart.

Dieser Hersteller von Wasserstoff-Peroxid soll das Geschäftsfeld Ressourcen-Effizienz weiter verstärken, in dem der Essener Konzern sein Geschäft mit Vorprodukten für die Kosmetik- und Lebensmittelindustrie sowie Kunststoff-Zusätze gebündelt hat. In den beiden Vorjahren verstärkte sich Evonik durch die Übernahme des Silikat-Geschäfts der US-Firma Huber und des Additivgeschäfts von Air Products.

Investitionen schlagen sich bei Gewinnen noch nicht nieder

Ungeachtet der Fortschritte beim Konzernumbau bleibt Evonik beim Ausblick für 2019 eher vorsichtig. Für das Gesamtjahr geht er davon aus, dass Umsatz und Ebitda stabil bis leicht rückläufig sein werden. Mit enthalten in der Prognose ist allerdings noch das Methacrylat-Geschäft, dessen Verkauf wohl erst im zweiten Halbjahr abgeschlossen wird. Das Ebitda der Sparte dürfte nach den Worten Kullmanns 2019 um etwa 150 Millionen Euro sinken. Für die verbleibenden Aktivitäten unterstellt der Konzern damit moderate Ertragsverbesserungen.

Klammert man das Methacrylat-Geschäft bereits komplett aus, dürfte Evonik 2019 auf gut 13 Milliarden Euro Umsatz und etwa 2,3 Milliarden Euro Ebitda zusteuern. Der bisherige Umbau, in den der Konzern per Saldo etwa zwei Milliarden Euro investierte, hat sich damit im längerfristigen Vergleich noch nicht niedergeschlagen.

So verbuchte Evonik 2016 bei einem Umsatz von 12,7 Milliarden Euro ein bereinigtes Ebitda von knapp 2,2 Milliarden Euro. 2015 lagen die Werte dank eines Booms im Geschäft mit dem Futterzusatz Methionin sogar noch deutlich darüber.

Kullmann und sein Vize Harald Schwager zeigen sich dennoch überzeugt, dass sich Struktur und Perspektiven nachhaltig verbessert haben, weil man das Geschäft stärker auf Segmente mit stabileren Erträgen und Wachstumsaussichten konzentriert und gezielter investieren kann. „Wir haben heute eine ganz andere Ebitda-Qualität als wir sie in der Vergangenheit hatten“, sagte Kullmann.

Die Neuausrichtung ist nach den Worten des Evonik-Chefs dabei noch längst nicht abgeschlossen. „Wenn wir das mit einem Hundert-Meter-Lauf vergleichen würden, dann sind wir vielleicht bei Meter zehn angekommen“, sagte er.

Zu den Veränderungen, die erst in den nächsten Jahren voll durchschlagen sollen, gehört unter anderem auch ein Effizienzprogramm im Bereich Vertrieb und Verwaltung, das insgesamt 200 Millionen Euro an Entlastung bringen soll. Rund 50 Millionen davon wurden bereits 2018 ergebniswirksam.

Die Kosten für die Restrukturierung belasteten 2018 das Ergebnis mit mehr als 200 Millionen Euro und dürften im laufenden Jahr den Cashflow noch bremsen. Dessen ungeachtet stellte Evonik eine weitere deutliche Verbesserung des Free-Cashflows in Aussicht.

Im vergangenen Jahr generierte der Konzern aus dem operativen Geschäft nach Sachinvestitionen 672 Millionen Euro an Liquidität, knapp ein Drittel mehr als im Vorjahr und damit auch deutlich mehr als für die Dividendensumme von 536 Millionen Euro erforderlich ist.

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