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Bilanzsaison Die meisten Dax-Konzerne trotzen der Krise – doch bald schlägt sie durch

Die Gewinne der Dax-Konzerne sinken „nur“ um ein Viertel – und die Barreserven sind hoch. Doch die Bewährungsprobe in der Coronakrise kommt erst noch.
14.05.2020 - 16:30 Uhr Kommentieren
Das Schlimmste steht den Dax-Konzernen in der Coronakrise noch bevor. Quelle: obs
Produktion bei BASF

Das Schlimmste steht den Dax-Konzernen in der Coronakrise noch bevor.

(Foto: obs)

Düsseldorf Der weltweite Stillstand infolge der Corona-Pandemie lässt die Gewinne der Unternehmen einbrechen. Das ist die schlechte, wenig überraschende Nachricht, nachdem am Donnerstag die letzten deutschen Großkonzerne ihre Bilanz für das abgelaufene Quartal vorgelegt haben.

Doch es gibt zwei gute Nachrichten dahinter: Die Gewinne brechen weniger stark ein, als befürchtet. Auch schrumpft die in der Krise so wichtige Liquidität bislang kaum. Allerdings, und das ist dann doch wieder eine schlechte Nachricht: Die Talsohle der Krise ist noch nicht erreicht. Sie steht erst im laufenden, zweiten Quartal bevor.

Zu den Positivbeispielen zählte am Donnerstag die Deutsche Telekom. Der Ex-Monopolist stemmt sich erfolgreich gegen die Viruspandemie. Der Gewinn vor Steuern und Zinsen stieg gegenüber dem Vorjahresquartal um elf Prozent auf 2,5 Milliarden Euro.

Kein anderes Unternehmen hat so viel verdient. Das Management bestätigte die Mitte Februar herausgegebenen Jahresziele. Auch bei RWE hat Corona kaum Einfluss auf die Geschäfte, so dass der Konzern seine Prognose für das laufende Jahr ebenfalls bestätigte.

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    Einem Unternehmen wie Henkel kommt in der Krise seine breite Aufstellung zu Gute, die an den Finanzmärkten oft kritisiert wird, weil sich der Markenhersteller nicht fokussiert. Zwar belastet die Schwäche der Automobilindustrie: Das Klebstoffgeschäft, das für knapp die Hälfte der Umsätze steht, hat im abgelaufenen Quartal gut vier Prozent an Umsatz eingebüßt.

    Hingegen läuft es mit den Wasch- und Reinigungsmitteln gut. Die Umsätze stiegen um gut fünf Prozent. Henkel hat die Seifenproduktion um 30 Prozent erhöhen können. Marken wie Pril und Somat verzeichneten zweistellige Wachstumsraten. Grund dafür sind nicht nur Vorratskäufe, sondern auch ein verändertes Verbraucherverhalten mit einem Mehrverbrauch von Hygieneprodukten. Zudem hat Henkel seine Produktion von Desinfektionsmitteln hochgefahren, um etwa Krankenhäuser auszustatten.

    Grafik

    Den Resistenten, wozu auch Bayer mit seinem 2,5-Milliarden-Euro-Gewinn zählte, weil sowohl die Agrar- als auch Pharmasparte sehr gut liefen, stehen jedoch viele von der Krise geschädigte Unternehmen gegenüber.

    So wird der Pharma- und Spezialchemiekonzern Merck zunehmend vorsichtiger. Abweichend von der ersten Prognose im März geht der Vorstand nun von einer erheblichen Belastung des weltweiten wirtschaftlichen Wachstums aus. Allerdings, im ersten Quartal zeigten sich noch keine negativen Auswirkungen. Umsätze und Gewinne stiegen.

    Insgesamt steigerten Deutschlands Dax-Konzerne ihre Umsätze im abgelaufenen ersten Quartal leicht um 1,6 Prozent. Der Gewinn vor Steuern und Zinsen (Ebit) sank hingegen um 24 Prozent. Immerhin elf Unternehmen schafften ein Gewinnplus.

    Dax-Konzerne haben noch große Reserven

    Bemerkenswert: Mit 95,3 Milliarden Euro verfügen die Dax-Unternehmen nach Berechnungen der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY nach wie vor über erhebliche liquide Mittel. Gegenüber dem Vorjahr ist das nur ein Minus von 0,4 Prozent. Grund dafür ist, dass die Unternehmen trotz zum Teil erheblicher Mittelabflüsse dank höherer Kreditlinien und der Ausgabe neuer Anleihen ihr Finanzpolster stabil hielten.

    „Wie groß die finanziellen Einbußen durch die Pandemie tatsächlich sein werden, wird sich erst nach dem zweiten Quartal seriös abschätzen lassen“, prognostiziert Mathieu Meyer, Mitglied der Geschäftsführung von EY. Viele Konzerne haben bereits angekündigt, dass die Zeiten schwieriger werden.

    Besonders betroffen sind die vielen exportstarken globalisierten Unternehmen, weil die Pandemie die Weltwirtschaft in ihre schwerste Krise seit der Depression vor 90 Jahren abstürzen lässt. In ihrem Ausblick rechnen die Ökonomen des Internationalen Währungsfonds (IWF) damit, dass die Weltwirtschaft in diesem Jahr um drei Prozent schrumpft. In der Finanzkrise vor zehn Jahren waren es lediglich 0,1 Prozent.

    So verliert die Lufthansa nach Angaben ihres Konzernchefs Carsten Spohr jede Stunde eine Million Euro, weil es am Himmel ruhig bleibt. Im Auftaktquartal bilanzierte die Lufthansa einen Verlust von 1,2 Milliarden Euro. Im zweiten Quartal rechnet der Konzern jedoch mit einem „erheblich höheren operativen Verlust“.

    Grund dafür ist – und das gilt nicht nur für die Lufthansa –, dass die Geschäfte in den ersten sechs Wochen des abgelaufenen Quartals normal liefen. Solche Wochen wird es im zweiten Quartal wohl nicht geben.

    Doch nicht nur Industriekonzernen, auch Versicherern setzt die Krise zu – und das zunehmend stärker. Bei der Allianz schlugen die durch das Coronavirus hervorgerufenen Belastungen im ersten Quartal mit rund 700 Millionen Euro zu Buche. Durch den Ausfall von Großveranstaltungen dürften in den kommenden Quartalen etliche Belastungen hinzukommen.

    Sein Gewinnziel wird die Allianz wahrscheinlich verfehlen. Ursprünglich hatte Konzernchef Oliver Bäte einen operativen Gewinn von 11,5 bis 12,5 Milliarden Euro angepeilt – dieses Ziel aber Ende April zurückgezogen. Finanzvorstand Giulio Terzariol wagte nach Vorlage der Quartalsbilanz keine neue Prognose.

    Diese traut sich so gut wie kein Unternehmen mehr zu. Weder BASF in der Chemiebranche noch BMW, Daimler und Volkswagen in der Autobranche oder die Lufthansa in der Transport- und Logistikbranche. Die durch die Pandemie hervorgerufenen Auswirkungen auf die Kundennachfrage, Lieferketten und die Produktion sind nicht verlässlich einschätzbar, heißt es unisono bei den Unternehmen.

    Dass nämlich selbst das Wiederhochfahren der Wirtschaft nicht unbedingt hilft und zur Normalität zurückführt, darauf wies zuletzt eindrucksvoll der weltgrößte Autobauer hin. Volkswagen fährt seine Bänder wegen der anhaltenden Nachfrageschwäche nur zwei Wochen nach dem Hochfragen teilweise wieder herunter. Im Stammwerk in Wolfsburg soll an vier Tagen im Mai nicht produziert werden.

    Der Verkauf kommt nicht in Gang, weil die Kunden vorsichtig sind. „Wir kämpfen gegen eine ängstliche Stimmung im Markt an“, sagte VW-Marken-Vertriebschef Jürgen Stackmann. Im April hatte die Marke Volkswagen auf dem deutschen Heimatmarkt zwei Drittel weniger Fahrzeuge verkauft als im Vorjahr. In Europa brach der Absatz um mehr als 80 Prozent ein, in Italien, Spanien und Frankreich lag das Minus bei 99 Prozent.

    Hoffnungsträger China

    Wachstumstreiber bleibt für die deutschen Unternehmen der nordamerikanische Markt. Dort stiegen die Umsätze bei den Unternehmen, die entsprechende Angaben über verschiedene Regionen machen, nach EY-Berechnungen um drei Prozent. In Europa lag das Minus bei knapp vier Prozent, in Asien sogar bei knapp sechs Prozent.

    Doch auch das dürfte im zweiten Quartal nicht so bleiben. Asien und vor allem China entwickeln sich zum Hoffnungsträger – vor allem für die deutschen Autokonzerne, die dort mehr als ein Drittel ihrer Umsätze erzielen. In China werden inzwischen die Beschränkungen gelockert und die Kauflust kehrt offenbar zurück.

    Hingegen zeigt sich in der weltweit größten Volkswirtschaft das umgekehrte Bild. In den USA dürften die Absätze der Unternehmen im zweiten Quartal sinken, weil die Pandemie seit dem März die USA erreicht hat.

    Von Normalität sind die deutschen Unternehmen also weit entfernt. Darüber täuschen auch die immer noch robusten Umsätze und nur mäßig eingebrochenen Gewinne im ersten Quartal nicht hinweg. Die schwersten Zeiten kommen noch im zweiten und womöglich dritten Quartal.

    „In diesem Jahr könnten die Unternehmensgewinne im Dax um 50 Prozent und mehr einbrechen, stärker als in früheren Rezessionen“, warnt der Chefanlagestratege der DZ Bank, Christian Kahler. Für 28 der 30 Dax-Konzerne fielen in den vergangenen drei Monaten die Gewinnschätzungen: bei der Hälfte um mehr als 20 Prozent und bei sechs sogar um mehr als 60 Prozent.

    Doch es gibt auch Hoffnungsträger. Einer davon ist die Post. „Es gibt in Europa erste Anzeichen dafür, dass sich die Dinge wieder normalisieren“, sagte Vorstandschef Frank Appel bei der Zwischenbilanz zum ersten Quartal. Viele Werksschließungen und Handelsbeschränkungen haben das DHL-Lagerhaltungsgeschäft stark getroffen. Dort ist das Ergebnis um fast 80 Prozent eingebrochen.

    Ganz anders sieht es in dem üblicherweise stagnierenden und in der Vergangenheit oft enttäuschenden Heimatmarkt aus. Obwohl das Briefaufkommen auch im vergangenen Quartal rückläufig war, ist der Gewinn dank der Paketflut um fast 50 Prozent gestiegen. Mehr als 4000 neue Paketzusteller stellte die Post ein, damit sie die Mengen befördern und zustellen kann.

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