Billiganbieter Stromkonzerne zweifeln an Flexstrom

Die Insolvenz des Discount-Stromanbieters Teldafax hat das Vertrauen der Verbraucher erschüttert. Und jetzt gibt es neue Warnzeichen: Gibt es Finanzprobleme bei einem weiteren großen Anbieter?
Update: 13.11.2012 - 11:26 Uhr 40 Kommentare

DüsseldorfEin Jahr nach der Pleite von Teldafax steht der deutsche Strommarkt nach Recherchen des Handelsblatts vor einer erneuten Belastungsprobe. Flexstrom, mit 570.000 Kunden derzeit größter unabhängiger Anbieter, befindet sich bei allen vier großen Stromkonzernen nach häufigem Zahlungsverzug unter Beobachtung.

Einer der vier Übertragungsnetzbetreiber, die den überregionalen Stromtransport organisieren, nannte dem Handelsblatt „diverse Unregelmäßigkeiten“, ein zweiter „Auffälligkeiten“ im Zahlungsverkehr.

Viele Marktteilnehmer wurden schon 2011 schwer getroffen, als der Flexstrom-Konkurrent Teldafax überschuldet zusammenbrach. Zurück blieb ein Schaden von mehreren Hundert Millionen Euro. Geschäftspartner saßen auf offenen Rechnungen, geprellte Kunden mussten den Stromanbieter wechseln und dort erneut bezahlen. Der Anbieter aus Troisdorf hatte mit sensationellen Billigangeboten gelockt. Zu billig, wie sich später herausstellte. Teldafax verkaufte den Strom unter Einkaufspreisen.

Flexstrom weist jede Parallele zu Teldafax zurück und beharrt darauf, profitabel zu arbeiten. Das Wachstum hat sich allerdings stark verlangsamt. Konnte Flexstrom 2011 noch 160.000 Kunden hinzugewinnen, waren es 2012 bisher nur rund 10.000.

Flexstrom-Sprecher Dirk Hempel sagte zur Preispolitik, Flexstrom könne den Strom deshalb so günstig anbieten, weil „wir direkt in den Kunden über Preisnachlässe oder Boni investieren“. Die Branche hegt trotzdem Zweifel. Flexstrom bietet Neukunden den Strom schon ab 11 Cent pro Kilowattstunde an – sofern sie per Vorkasse zahlen.

Gero Lücking, Vorstandsmitglied des Flexstrom-Konkurrenten Lichtblick AG sagte dazu dem Handelsblatt: „Man muss kein Prophet sein, um zu sehen, dass hier mit Dumpingangeboten offenbar schnell Geld eingesammelt werden soll. Solche unseriösen Geschäftspraktiken sind gefährlich. Wenn es erneut eine große Insolvenz geben sollte, könnte der Anbieterwechsel an sich in Verruf geraten. Das würde dem ganzen Markt schaden.“

Derzeit bemüht sich Flexstrom auch bei Nichtkunden um frisches Kapital. Das Unternehmen will mit einer fünfjährigen Anleihe 35 Millionen Euro einsammeln.

 

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40 Kommentare zu "Billiganbieter: Stromkonzerne zweifeln an Flexstrom"

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  • Habe vor über 3 Jahren den Stromanbieter (Flexstrom) gewechselt, weil es sich offensichtlich um eine große Fehlentscheidung handelte. Danach verfaßte ich einen Erfahrungsbericht, der diverse Ungereimtheiten enthielt, um andere vor diesem Unternehmen zu warnen. Dieser Bericht wurde nach über 3 Jahren - Sie haben richtig gelesen: DREI - von Flexstrom beanstandet. Was soll man von so einem Unternehmen halten, das offensichtlich glaubt, damit Kunden oder ehemalige Kunden einschüchtern zu können.

  • Sofort Mahnbescheid. Alles andere ist Zeitverschwendung.

  • Nun, wer die AGB von Flexstrom genau liest, der findet da sowohl die Angabe, daß da wenn man nicht widerspricht, der Aufschlag für die Preisgarantie kassiert wird, als auch, daß Kundenboni erst im zweiten Vertragsjahr bezahlt werden,- doch da ist man ja nur, wenn man nicht rechtzeitig kündigte. Und das zweite Jahr ist dann teuer. Wenn wir draußen den Kunden einen fairen Tarif empfehlen,- sie vor Vorkassetarifen, etc. warnen, und die dann trotzdem noch bei Flexstrom o.ä. den so billig scheinenden Vorkassetarif mit dem Argument "Wird schon gutgehen,- ich will jetzt den billigeren Strompreis, basta!" buchen,- dann sind die selbst dafür verantwortlich. Und wenn sie dann unterm Strich draufzahlen,- können wir nur sagen: "Tut uns leid, wir hatten Sie gewarnt!".

  • Ich warte auch schon 2 Monate auf die Auszahlung meines Guthabens (500 Euro). Werde immer wieder vertröstet und mir wird immer wieder versichert, das das Geld in den nächsten Tagen ausgezahlt wird.Was soll ich machen????

  • Ich war bis zum Sommer Kunde bei Flexstrom. Die Schlussrechnung wurde erst ein 1/4 Jahr später erstellt (und das auch erst nach Anmahnen). Mit der Rechnung wurde lapidar mitgeteilt, dass das ausgewiesene Guthaben weitere 6 Wochen später überwiesen werden soll. Meine Forderung, den Betrag unverzüglich auszuzahlen, wird ignoriert. Na, wenn die nicht in Zahlungsschwierigkeiten stecken, würde mich das wundern...

  • Flexstrom schadet der freien Marktwirtschaft, da Sie durch ihre unseriösen Geschäftspraktiken eine effizienzfördernde Verhaltensweise - den Wechsel - unterbinden, da die Verbraucher kein Vertrauen mehr haben. Ich bin ein Verfechter des Markes, aber habe schon bei teldafax Geld verloren und befinde mich momentan im Rechtstreit mit Flexstrom. Ich suche immer noch Rudi Völler, vielleicht zahlt der ja für den Schaden. Flexstrom und die Löwenzahn (gleiche Baggage) sind das Letzte.

  • @OLDENDORP:
    Unterlassen Sie bitte solche Kommentare, wenn Sie keine Ahnung haben!: Sie und ich, als "Endkunde", können weder zum Strom"erzeuger", noch zum Strom"händler" oder Sonstigem wechseln. Sie können ausschließlich einen (Energieliefer)Vertrag mit einem LIEFERANTEN abschließen... In der Energiewirtschaft sind das riesige Unterschiede! MfG

  • Ich empfehle, die aktuellen Preise auf der Flexstrom-Website in ein Excel-Sheet zu schreiben und davon die staatlich bedingten Kosten abzuziehen. Von dem Ergebnis ziehen Sie bei Haushaltskunden noch die Beschaffungskosten gem. den EEX-Preisen ab. Da Sie den exakten Strukturpreis für HH-Kunden nicht ermitteln können nehmen Sie der Einfachheit halber den BASE Cal. 2013, im Moment historisch niedrig bei 4,74 ct/kWh. Wenn Sie hier ein negatives Ergebnis in Ihrem Excel-Sheet stehen haben sehen Sie den negativen Deckungsbeitrag, den jede verkaufte kWh bringt.
    An dieser Rechnung kann weder das Handelsblatt, noch böswillige Dritte noch der Papst was ändern. Einzig das Kartellamt HÄTTE den Auftrag, Preisdumping zu verhindern....

  • Ab dem 19.11.2012 platziert FlexStrom an der Börse Stuttgart (bondm) ein Anleihe über 10 Mio. Euro zu 8,25% p.a.!!! Dafür wurde FlexStrom von CreditReform mit BBB- (Investmentgrade geratet) .... seltsam!? Wird der von den Netzbetreibern beschriebene Liquiditätsengpass jetzt so behoben?

  • Ich selbst bin Teldafax Geschädigter. Was mich an der ganzen Sache am meisten ärgert ist, dass es überall heisst man könne doch so viel sparen wenn man den Anbieter wechselt. Bevor ich zu Teldafax gewechselt bin, habe ich auf Verivox die beiden Anbieter als billigste genannt bekommen. Nun hat man die Misere.

    Keiner prüft die Machenschaften dieser Billiganbieter, sogar auf den RTL Nachrichten wird einem jedes Jahr zu einem Wechsel empfohlen als erste und einzige Maßnahme zu den steigenden Preisen.

    Jedes mal wenn ich nun die Werbung von "Paul dem Schlautier" (Verivox) sehe, wird es mir übel.

    Nach dem Teldafax Disaster habe ich alle Risikooptionen bei Verivox entfernt und bin dann mehr oder weniger beim lokalen Anbieter gelandet mit evtl. 5% Unterschied zum billigsten Anbieter. Der Unerschied war es mir dann auch nicht mehr wert zu einem unbekannten Anbieter zu wechseln.

    Herzliches Beileid an alle Geschädigten...

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