Biokraftstoff E10 „Das sind alles Pfuscher, Murkser und Dilettanten“

Das Thema E10 erregt die Gemüter. Nach dem Verkaufsstopp des Biosprits schieben sich die Beteiligten den Schwarzen Peter gegenseitig zu. Die Kritik von Experten trifft indes vor allem die Mineralölkonzerne und den ADAC.
  • Nele Hansen
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Mineralölkonzerne haben die Vermarktung von E10 gestoppt. Jetzt wird der Schuldige gesucht. Quelle: dapd

Mineralölkonzerne haben die Vermarktung von E10 gestoppt. Jetzt wird der Schuldige gesucht.

(Foto: dapd)

„Das sind alles Pfuscher, Murkser und Dilettanten“, wettert Ernst Prost. Der Geschäftsführer des Motorenölherstellers Liqui Moly kann das Chaos um die Einführung des Biosprits E10 nicht verstehen. Am Donnerstag hat die Benzinbranche die Einführung des Biobenzins E10 gestoppt. Autofahrer hatten befürchtet, dass der neue Treibstoff ihre Motoren schädigt und zapften kaum etwas.

Während sich Politik, Ölkonzerne, Tankstellen und Verbände die Schuld gegenseitig in die Schuhe schieben, steht für Ernst Prost der Schuldige fest. „Das ist eine riesige Kommunikationspanne der Mineralölkonzerne“ sagt er. “Wie kann man denn ein Produkt einführen ohne vorher darüber zu informieren?“ Man könne doch auch kein neues Medikament einführen ohne einen Beipackzettel mitzuliefern. Er haut damit in die gleiche Kerbe wie Umweltminister Norbert Röttgen (CDU), der kritisiert hatte, dass die Branche an Tankstellen nicht ausreichend für den neuen Biosprit geworben habe.

Ferdinand Dudenhöffer gestikuliert. Quelle: dpa

Ferdinand Dudenhöffer gestikuliert.

(Foto: dpa)

Ferdinand Dudenhöffer sieht die Schuld indes ganz klar beim ADAC. „Die Verbraucher sind hochgradig verunsichert und das ist zu 90 Prozent die Schuld des ADAC“, erklärt der Professor für Betriebswirtschaftslehre und Automobilwirtschaft an der Universität Duisburg-Essen. „Der ADAC hat nur Stimmung gemacht, er hätte auch informieren können, anstatt gegen die E10-Einführung zu wettern.“ Der größte Automobilclub Europas mache gegen den Biosprit mobil und missbrauche das Thema, um Mitglieder zu gewinnen. Die Tankstellen hingegen seien die Unschuldigsten und die Mineralölkonzerne wüssten schließlich nicht, welches Auto den Biosprit auch vertrage.

Denn knapp 10 Prozent der Autos kommen mit dem neuen Biosprit nicht klar, der zu 10 Prozent aus Bio-Ethanol besteht. Gerade bei dem knappen Drittel an Autobesitzern, deren Autos von Importeuren stammen, ist die Unsicherheit groß. „Die ausländischen Autohersteller sagen lieber, sie wüssten nicht genau, ob ihre Autos für E10 geeignet seien“, sagt Dudenhöffer. Für den Professor ist daher klar: „Der ADAC muss aufhören, Angst zu schüren und zusammen mit den Autoherstellern informieren.“ Der ADAC dagegen sieht die Schuld bei der Mineralölbranche. Die Hersteller des neuen Kraftstoffes hätten eine vernünftige Aufklärung versäumt.

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37 Kommentare zu "Biokraftstoff E10: „Das sind alles Pfuscher, Murkser und Dilettanten“"

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  • Am interessantesten ist für mich, dass die meisten ihren Frust bei der Mineralölindustrie abladen (wie sie es gewohnt sind), evtl noch beim ADAC oder bei Röttgen und der CDU oder Brüderle von der FDP, aber nicht bei dem, der es eingebrockt hat, nämlich Siggipop von der SPD.
    Es geht doch nichts über ein gut informiertes Publikum!

  • Es sind nicht nur Pfuscher und Dilettanten am Werk sondern einfach nur Betrüger - und zwar durch die Bank von der Politik über die Unternehmen bis zu den Lobbyisten und zurück. Es ist gut, daß das ansonsten letargische Fußvolk es jetzt mal gemerkt und mit dem Gaspedal abgestimmt hat. Das ist kein Boykott sondern ganz normaler Instinkt. Vielleicht funktioniert sowas ja auch mal im Superwahljahr.

  • Deutschland anno 2011 !
    Willkommen in der Musterdarstellung einer Demokratur (für Neuzugänge: der frische Fachbegriff für eine demokratische Diktatur - in diesem Falle: Parteidiktatur).
    - Einführung einer "Bio"-gestützten Energieversorgung - in vorauseilendem Gehorsam gegenüber Brüssel
    - der ultimative (weil bezahlte?) Kotau gegenüber den Mineralöl-Lobbyisten (wer beisst schon die Hand, die einen großzügig füttert?)
    - keinerlei Informationspolitik -> bedeutet mangelnde Wertschätzung des Adressaten -> oder auf deutsch: Bürger, friss, weil Du interessierst uns nur zum schröpfen und ankreuzen!
    - AUSGERECHNET die Mineralölkonzerne reissen die Klappe auf. Wer die Preisentwicklung der letzten zwölf Monate aufmerksam verfolgt hat - und speziell die Bindung an den Dollar - konnte die schleichende Verteuerung minutiös nachvollziehen. Rauf geht´s ständig - nur runter existiert nicht mehr. (Und bitte: Schluß mit den "Krisenargumenten" - lächerlicher geht´s nicht mehr)

    Jetzt kommen die ganzen feigen aber pressegeilen Selbstdarsteller aus ihren Löchern gekrochen um - wieder einmal - NICHT die Verantwortung für Ihren selbstkreierten Schwachsinn zu übernehmen, sondern - wie üblich- Schuldzuweisungen zu verteilen.

    Was zum Geier soll der "normale" Bürger hier noch als "Vorbildfunktion" annehmen?
    Lug und Trug, Feigheit und Inkonsequenz?

    Wir debattieren über kopierte Dissertationen - ich halte die rückgratlose Haltung aller Beteiligten für noch schlimmer.

    Die selben Vollpfosten die ständig nach "Integrität, Authentizität und Ehrlichkeit" verlangen, sollten sich zuallererst selbst darum kümmern.

    Es widert mich an!

    Wie schon einer der Vorposter schrieb:
    "Ich kann gar nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte!"

  • Als Wirtschaftswissenschaftler schäme ich mich für die Aussagen von Dudenhofer. Es ist ethisch und moralisch absolut unverantwortbar Ackerflächen zur Spritherstellung zu verwenden, wenn täglich viele Menschen verhungern. Außerdem führt die Einführung des Biosprit genannten Mehrverbrauchsbenzins doch nicht zu einer Einsparung von CO2. Auch hier sollte ein Wirtschaftswissenschaftler erst rechnen, bevor er solchen Unsinn verbreitet.

  • Wie wäre es, mal neben der angeblichen Unverträglichkeit von 10% (wer kann den so eine Zahl genau angeben? Dazu müssten genau Typlisten mit KBA-Zahlen abgeglichen werden. Das ist Fleißarbeit und damit typisch unjournalistisch, unpolitisch und nicht managerhaft!) mal den sichern MEHRVERBRAUCH VON 2% in jedem Artikel über dieses Schwachsinnzeug daherzuschreiben? Die eine Zeile mehr "copy and paste" zu behandeln tut nicht weh und gibt etwas mehr Anschein von Informiertheit.
    Komisch, dass ausnahmsweise BUND und ADAC dagegen sind. Vielleicht ist dieses tolle Produkt der Anzeigenkunden (Parteien und Industrie!) in Wirklichkeit doch nicht mal halb so toll, wie die Lobby uns erzählen will.
    Da BRüssel vorzuschieben ist infam und feige.
    1. wird da nichts ohne unsere Regierung beschlossen und
    2. macht doch in Europa schon lange jeder was er will (z.B. Passgesetze [GR], Pressegesetze[H] oder Nummernschilder [DK], lässt sich beliebig verlängern!!!)

    Evakuiert Brüssel, teilt Belgien in 3 Teile und lasst die ihren eigenen Kram machen oder sich anschließen, wo sie mögen. Das komische Parlament kann ja weiter in Straßburg seine Karnevalssitzungen veranstalten. Hört doch eh keiner drauf. Sind ja auch nicht gewählt, dazu bräuchte es ein europäisches Wahlverfahren, überall gleich und mit Europaliste!

    Ich kann mal wieder nicht so viel fressen, wie ich k… möchte.

  • Nein Schuld sind wir Bürger - wir sind aufgewacht ! Wir brauchen keinen ADAC, keine Politik und keine Mineralölkonzerne um zu wissen, daß diese Bio-Pisse kein Mensch braucht!!!

  • Der Verbraucher ist der Souverän. Weg mit E10 und den Politikern, die glauben ihre Allmachtsphantasien sind der Maßstab aller Dinge.

  • Wer garantiert denn dass nur 10 % der Autos diesen neuen E10 nicht vertragen? 2 %; 30%??
    Es wäre besser Biogas herustellen!
    Ich vermute da gibt es die Bandbreite von gut vertragen bis Motorschaden, wo ist da mein Auto?.
    Ich tanke garantiert kein E10!

  • Super Idee, landwirtschaftliche Nutzfläche zur Herstellung von Sprit zu verwenden. Fast genau so blöd wie die Aufstellung von Solaranlagen auf landwirtschaftlicher Nutzfläche bei uns. Den Entscheidern wurde wohl in beiden Fällen das Gehirn rausgeblasen !!!!

  • erster Schritt wäre ja mal davon weg zukommen, ist immer von Biosprit zu labbern. Was ist daran Bio?

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