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Biontech-Impfstoff-Partner Pfizer-Chef wird zum Star: USA feiern Albert Bourla für den Corona-Impfstoff

Seit die Impfungen in den USA gestartet sind, wird der aus Griechenland stammende Pfizer-Chef als Held gefeiert. Gegen politischen Druck setzt sich der promovierte Tierarzt aber zur Wehr.
16.12.2020 - 14:05 Uhr 5 Kommentare
Der Pfizer-Chef ist Sohn einer jüdischen Familie, wuchs in Thessaloniki auf und hat noch heute ein Haus in Griechenland. Quelle: picture alliance/AP Photo
Albert Bourla

Der Pfizer-Chef ist Sohn einer jüdischen Familie, wuchs in Thessaloniki auf und hat noch heute ein Haus in Griechenland.

(Foto: picture alliance/AP Photo)

New York Als Albert Bourla vor knapp zwei Jahren zum Pfizer-CEO aufstieg, hat er wohl kaum damit rechnen können, dass sein Gesicht als großer Hoffnungsträger der Menschheit in den Hauptnachrichten landet. Doch seit in diesen Tagen Lastwagen mit dem vom deutschen Partner Biontech entwickelten Impfstoff das Pfizer-Werk in Michigan verlassen, wird der 59-Jährige in den USA gefeiert. Auch an anderen Orten der Welt liegt die Hoffnung auf ein baldiges Ende der Epidemie auf dem neuen Vakzin.

Gemeinsam mit Ugur Sahin und Özlem Türeci, dem türkischen Migranten-Ehepaar von Biontech, schreibt der griechische Migrant Bourla Geschichte. Die drei Wissenschaftler haben sich bereits vor zwei Jahren getroffen und verstanden.

Seit 2018 arbeiten die beiden Unternehmen bei der Entwicklung von Grippe-Impfstoffen zusammen. Als Anfang des Jahres die Corona-Pandemie ausbrach, musste Bourla daher nicht lange überzeugt werden, mit Biontech zu kooperieren. Er hat den Corona-Impfstoff zur absoluten Priorität im Konzern erklärt.  

Anders als andere US-Unternehmen hat der promovierte Veterinär bei der Entwicklung des Impfstoffs auf die Milliarden der US-Regierung im Zuge der „Operation Wharp Speed“ verzichtet. Begründet hat der Wissenschaftler das mit der Freiheit der Forschung und damit, dass er nichts mit Politik zu tun haben wollte.

„Es gab gratis Geld. Aber es gibt kein Free Lunch“, zitierte er dazu gegenüber der Agentur Axios einen beliebten amerikanischen Spruch. „Wenn man Geld von jemandem nimmt, kommt das immer mit Fesseln“, erklärte Bourla.

Es sei keine einfache Entscheidung gewesen, auf das Geld zu verzichten und rund zwei Milliarden Dollar selbst zu investieren. Aber er wollte seine Wissenschaftler von jeder Bürokratie und den damit einhergehenden Berichten frei halten und selbst entscheiden, wie das Geld investiert werden soll.

US-Präsident Donald Trump machte Druck 

Der Druck des US-Präsidenten war auch so schon hoch genug. Donald Trump hatte einen Impfstoff vor der Wahl am 3. November gefordert. Als Pfizer die guten Ergebnisse der klinischen Studie dann am Sonntag nach der Wahl veröffentlichte, twitterte Trump: „Wie ich seit Langem sage, würden @Pfizer und die anderen ihr Vakzin nach der Wahl verkünden, weil sie nicht den Mut haben, es vorher zu tun.“ Wenige Wochen zuvor hatte der Präsident Bourla noch als „großartigen Kerl“ bezeichnet.

Der Pfizer-CEO hat später mehrfach klargestellt, dass auch er die guten Ergebnisse der klinischen Tests erst an jenem Sonntag erfahren hatte. Es sei eine große Erleichterung gewesen. „Ich hatte Gänsehaut und Tränen in meinen Augen“, erzählte er später. Er sei nervös gewesen: nicht, weil Pfizer bei einem Misserfolg Milliarden Dollar verloren hätte, sondern „weil die Welt die Hoffnung verloren hätte“.

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Schließlich lastete nicht nur der Druck des Präsidenten auf ihm, sondern auch die Erwartungen der vielen Menschen, die auf ein Ende der Pandemie hoffen. „Lassen Sie es mich so formulieren: Ich hatte Momente, da habe ich ein Glas Wein gebraucht“, sagte er dazu in einem Interview mit der „Washington Post“.

Letztlich haben sich der unabhängige Ansatz von Bourla und seine Kooperation mit Biontech ausgezahlt. Das Biontech/Pfizer-Vakzin ist das erste, das die zuständigen Behörden in Großbritannien und in den USA zugelassen haben. Am Montag hat in dem einstigen Corona-Hotspot und Hauptsitz von Pfizer, New York, die erste Krankenpflegerin ihre Spritze mit dem Impfstoff erhalten.

Der eher bescheiden daherkommende Pfizer-CEO wurde damit nicht nur in den USA zum Star. Sein Lieblings-Fußballklub Aris Thessaloniki hat ihm als Dankeschön ein gelbes Trikot mit seinem Namen geschickt.

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Bourla ist als Sohn einer jüdischen Familie in Thessaloniki aufgewachsen und hat noch heute ein Haus in Griechenland. Sein Twitter-Profil zeigt die griechische und die amerikanische Fahne.

Promoviert hat er in Biotechnologie der Reproduktion an der Tiermedizinischen Fakultät der Aristoteles-Universität von Thessaloniki. Dort hat er zunächst auch als Veterinär gearbeitet, bevor er mit 32 Jahren seinen ersten Job bei Pfizer zunächst in der Tiermedizin antrat.

Zwei Jahre später verließ er mit seiner Frau seine Heimat und arbeitete in verschiedenen europäischen Ländern, bevor er in die New Yorker Zentrale kam. Bevor er Anfang 2018 zum operativen Chef des Konzerns aufstieg, war er unter anderem für die Vakzin-Sparte zuständig.

Als Vorstandsvorsitzender hat er entschieden, ganz auf Innovation zu setzen und sich von der Sparte mit Medikamenten zu trennen, deren Patentschutz ausgelaufen ist. Dazu gehört auch das bekannte Potenzmittel Viagra.

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Jetzt sieht er sich auch als Botschafter der Wissenschaft, wenn es darum geht, die Menschen von dem Impfstoff zu überzeugen. Als er im Fernsehen gefragt wird, was er Menschen antwortet, die noch ein paar Monate warten wollen mit dem Impfen, sagt er: „Ich wünschte, die Situation wäre noch nicht so kritisch, dass sie sich den Luxus leisten können, darüber nachzudenken“, antwortet er ruhig mit seinem griechischen Akzent.

Er erinnert daran, dass der Impfstoff keine Abkürzung genommen hat, dass er von mehreren unabhängigen Stellen genehmigt wurde und dass die Glaubwürdigkeit von Pfizer auf dem Spiel steht. „Vertrauen Sie der Wissenschaft“, appelliert er. „Die Entscheidung, sich nicht zu impfen, gefährdet nicht nur dich, sondern auch andere, vor allem jene, die du liebst und mit denen du im Kontakt bist.“

Er selbst hat noch keine Impfung bekommen. „Ich will mich nicht vordrängeln. Ich bin 59 und gesund“, sagt er. „Aber ich werde es nehmen, sobald ich dran bin.“

Mehr: Biontech-Impfstoff soll am 21. Dezember in der EU zugelassen werden

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5 Kommentare zu "Biontech-Impfstoff-Partner: Pfizer-Chef wird zum Star: USA feiern Albert Bourla für den Corona-Impfstoff"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • In dem Washington Post Interview spricht der Pfizer CEO nur von seinem eignen Erfolg, als gäbe es keine Partnerfirma, die die Entwicklung gemacht hat; diese Information ist leider nur aus einem Leserkommentar zu entnehmen. So viel zu dem Mann mit Prinzipien...

  • In dem Bericht war doch von der Partnerschaft Biontech / Pfizer die Rede, Herr Wagner.

    Ein guter Mann mit Prinzipien, Mut und Weitblick. Davon könnten wir in Deutschland und in der Politik mehr gebrauchen.

    Leider musste Pfizer die Produktion halbieren, aber sie werden das Lieferproblem sicher lösen.
    Der Erfolg hat ein Gesicht und eine Lebensgeschichte. Davon bitte mehr.

  • interessant, dass der Name Biontech in dem Interview nicht auftaucht...

  • Ist schon interessant: Die Menschen werden scheinbar immer klüger und die von ihr beeinflusste Welt immer instabiler.
    Werde mir den Luxus leisten abzuwarten.

  • Eine schöne Erfolgschichte von einer deutschen und einer amerikanischen Pharmafirma, einer Zusammenarbeit intelligenter weitsichtiger Wissenschaftler griechischer und türkischer Abstammung, die in einer freiheitlichen liberalen Wirtschaftsordnung international - ohne Einflussnahme von Staatsregierungen - schnell und unbürokratisch kooperieren. Bravo. Bitte um Nominierung für den Nobelpreis.

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