Biosprit E10 Warnung vor „Gau für die Bundesregierung“

Im Biosprit-Streit hat der Leiter der BMW-Mechanikentwicklung gewarnt, E10 könnte Motoren stärker als bisher bekannt in Mitleidenschaft ziehen. Ein anderer Experte warnt die Bundesregierung gar vor einem "Gau".
Update: 06.03.2011 - 18:57 Uhr 27 Kommentare
Kein E10 an den Tankstellen? Auch die FDP spricht sich für einen Stopp und einen späteren Neustart aus. Quelle: dpa

Kein E10 an den Tankstellen? Auch die FDP spricht sich für einen Stopp und einen späteren Neustart aus.

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BerlinAuch wenn ein Großteil der Autofahrer das Super-Benzin E10 weiter boykottiert, setzt die Regierung auf die Einsicht der Verbraucher. Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) verteidigte in der "Bild am Sonntag" den mit zehn Prozent Ethanol aus Weizen, Zuckerrüben und Mais versetzten Biosprit und betonte: "Die Politik verpflichtet die Industrie lediglich zur Einhaltung einer bestimmten Biokraftstoffquote, die zwar gestiegen, aber nicht neu ist". Die Einführung von E10 diene auch dazu, die Abhängigkeit vom Öl zu reduzieren. Die Grünen fordern hingegen ein vorläufiges Aus.

Scheitert E10, könnte die Quote im laufenden Jahr nach Ansicht von Experten kaum erfüllt werden - dann drohen Strafzahlungen, die die Benzinbranche als versteckte Steuererhöhungen auf die Spritpreise aufschlagen könnte. In der schwarz-gelben Koalition wächst der Unmut über Röttgens Krisenmanagment - so geht der für Dienstag einberufene "Benzin-Gipfel" auf die Initiative des für E10 gar nicht zuständigen Wirtschaftsministers Rainer Brüderle (FDP) zurück. Das "Sensorium für Stimmungen und Sensibilitäten in der Bevölkerung" sei im Umweltministerium ausgesprochen unterentwickelt, sagte FDP-Fraktionsvize Patrick Döring der "Welt am Sonntag".

Überraschend sprach sich auch Döring für einen kurzfristigen Stopp des Biokraftstoffs und die Verschiebung um einige Monate aus. „Die Verbraucher müssen zunächst Klarheit und Sicherheit bekommen“, sagte der FDP-Verkehrsexperte im Bundestag dem Berliner „Tagesspiegel“ laut Vorabbericht. Dann würden sie neuen Kraftstoff auch kaufen. „Auf ein paar Monate mehr oder weniger“, sagte Döring, käme es beim Verkaufsstart von E10 nicht an.

Er wies Industrie und Politik die Schuld für die Verunsicherung gleichermaßen zu. Die Fahrzeughersteller forderte er zu „rechtsverbindlichen“ Aussagen über die Verträglichkeit des neuen Kraftstoffes für ihre Fahrzeuge auf. Außerdem müsse die Bundesregierung die Verbraucher besser über die ökologischen Folgen des E10 informieren, sagte Döring. Auch hier gebe es eine breite Verunsicherung in der Bevölkerung.

Unterdessen äußerte der Leiter der BMW-Mechanikentwicklung, Thomas Brüner, den Verdacht, dass Motoren durch E10 stärker als bisher bekannt in Mitleidenschaft gezogen werden könnten. "Das Wasser kondensiert aus den Verbrennungsgasen und gelangt ins Öl, das dadurch verdünnt wird und schneller altert", sagte Brüner der Zeitung. Daher könne es sein, dass Ölwechselintervalle verkürzen werden müssten.

Ein BMW-Sprecher betonte am Sonntag, an der grundsätzlichen Einschätzung habe sich nichts geändert. "In allen BMW-Pkw Modellen sämtlicher Baujahre ist der unbedenkliche Einsatz von E10 Kraftstoffen möglich", heißt es in einem Informationsschreiben.

Ein Daimler-Sprecher sagte, es gebe keine Erkenntnisse, dass Wagen des Stuttgarter Herstellers wegen des neuen Kraftstoffs häufiger zum Ölwechsel müssten oder ander Probleme hätten. 95 Prozent der Daimler-Autos, die jünger als 25 Jahre sind, schafften es "locker", mit dem E-10-Benzin klarzukommen.

Der Vorsitzende des Bundestags-Verkehrsausschusses, Winfried Hermann (Grüne), sagte der "Welt am Sonntag", der geplante Benzin-Gipfel sei "eher ein Gipfel der Nachsorge, weil die Bundesregierung die vorsorgende Koordination vergessen hat". Hermann forderte ein Aus für das Biosprit-Projekt: Es müsse jetzt zunächst geklärt werden, welche Motoren den Sprit wirklich vertragen und worin der ökologische Nutzen bestehe. Der "Rheinfalz am Sonntag" sagte Hermann, den Autofahrern sei die Verunsicherung nicht länger zuzumuten.

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27 Kommentare zu "Biosprit E10: Warnung vor „Gau für die Bundesregierung“"

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  • Das einzige was am neuen Kraftstoff E10 Bio ist, ist seine Gewinnung aus Pflanzen. Der Name suggeriert allerdings, dass der neue Kraftstoff auch "Öko" und nachhaltig sei, doch das ist eine glatte Lüge und reine Propaganda der Bioethanolindustrie. Der verstärkte Anbau von Energiepflanzen vernichtet in Deutschland herkömmliche Weide- und Ackerflächen. Die Monokulturen der Energiepflanzen brauchen mehr Dünger, zerstören die Böden und können weniger Kohlenstoffe aufnehmen als die natürlichen Landschaften. Eine positive Ökobilanz ist daher nicht gegeben. Energiepflanzen verdrängen zudem die klassische Landwirtschaft und wirken sich negativ auf die Nahrungsmittelproduktion aus.

    Noch drastischer sind die ökologischen Auswirkungen importierter Energiepflanzen (Soja- und Palmöl), denn für die Monokulturplantagen wird großflächig Regenwald vernichtet. Auch in den Ländern des Südens ist die großindustrielle Energiepflanzenproduktion nicht nur eine Gefahr für die tropischen Regenwälder, sondern stellt auch eine Konkurrenz für den Nahrungsmittelanbau dar. Die Folgen: die Ernährungssouveränität der ansässigen Bevölkerung ist gefährdet und weltweit steigen die Lebensmittelpreise.
    Fazit: Biotreibstoffe sind weder "Öko" noch nachhaltig. Im Gegenteil, sie bedrohen Mensch und Natur.

    www.regenwald.org/mailalert/677/e10-und-sogenannten-biodiesel-sofort-stoppen

  • Danke an unsere weitsichtige Regierung! Aus Unsicherheit, ob mein PT-Cruiser Bj. 2001 E10 verträgt, habe ich jetzt damit begonnen, anstelle von Super 95 SuperPlus98 zu tanken. Die jetzt fünf Tankfüllungen in Folge waren eine Erleuchtung. Kein Ruckeln mehr, vor allem nicht nach dem Kaltstart im Winter, und eine Senkung des Verbrauchs von 9,5 auf 8,6 l/100km. OK, ich wohne und fahre im Flachland, aber die Verbrauchswerte sind allesamt Stadtfahrten. Dass ich mit SP98 kostenneutral und angenehmer fahre als mit S95E5 hätte ich ohne die Diskussion um den E10 nie bemerkt.
    Danke an unsere Bundesregierung!
    Danke! Danke! Danke!

  • Erst der Euro, dann E10.
    Was verwässern wir denn als Nächstes?

  • also wir fassen zusammen: Bereits 2009 wusste man, dass die E10-Plörre nur Nachteile hat und jetzt, da der Druck stärker wird, ist das einfach mal egal. Na vielen Dank!
    Und über den Vergleich Deutschland - USA kann ich nur lachen. Aber User "ManBearPig" hats ja schon genauer verdeutlicht.

  • Servus,

    eine Textpassage des Artikels macht mich etwas stutzig.

    Seite 2/2
    [...] Deutschland fährt bei umweltfreundlichen Kraftstoffen und Antrieben fast hoffnungslos hinterher. [...] Die Zulassungen alternativer Antriebe mit geringem CO2-Ausstoß seien in Deutschland unterdurchschnittlich. [...] 2010 wurden Dudenhöffer zufolge in Deutschland nicht einmal 5000 Erdgasautos verkauft. Nur etwas mehr als 10.000 Neuwagen oder 0,4 Prozent hätten über einen Hybridantrieb verfügt. In den USA seien hingegen gut 250.000 Hybrid-Fahrzeuge verkauft worden. [...]

    Der gute Herr Dudenhöffer zieht also Parallelen zwischen der USA und Deutschland.
    Ich habe mir die Freiheit genommen und habe die Einwohnerzahlen beider Länder gegenüber gestellt.

    USA 310,955 (in Mio) | PKW je 1000 Einwohner 573,03
    Deutschland 81,742 (in Mio) | PKW je 1000 Einwohner 535,29

    Bei diese Reserche, die ca. 5-10 Minuten dauerte, ist mir aufgefallen, dass die Aussage von Herr Dudenhöffer in keiner Relation steht. Laut meiner Rechnung würde Deutschland in einem besseren Licht (laut Verhältnis) dastehen, als die USA.
    Es werden einfach Behauptungen herangezogen, die in keiner Relation stehen, um ein Argument (hier E10 etc.) zu stützen.

    Sehr fein, dass solche Menschen über mich "regieren" dürfen.

  • Es wird zwar immer wieder der Slogan:

    Keine Lebensmittel in den Tank!

    verwendet.

    Das ist zwar kurz und knapp, aber doch sehr verkürzend. Jedes Land kann selbständig bestimmen wie viel Landwirtschaftliche Fläche für Lebensmittel und Treibstoffe verwendet wird. Es gibt natürlich Länder den es ist „egal“ wenn ihre Bevölkerung hungert.

    (z. b. Sudan, Indien, Bangladesh, Jemen, Ägypten etc.) weil die Regierungen andere Ziele verfolgen.

    Die Nachfrage nach Lebensmittel wird aber voraussichtlich in den nächsten Jahren nicht steigen! Nachfrage= Bedürfnis+ Geld

    Das klingt zwar hart aber es ist ein Markt. Wie jeder Markt orientiert sich dieser nach Angebot und Nachfrage.

    Wenn wir also Zucker (Alkohol) aus Kamerun, Tansania, Togo importieren verbessert sich die Lage in diesen Ländern, solange keine Monokulturen entstehen und dabei nicht zuwenig Landwirtschaftliche Fläche zur Verfügung gestellt wird (Für die Lebensmittelproduktion).

    Die Nachfrage nach Lebensmitteln wird in diesen Ländern ansteigen und die wirtschaftlichen Verflechtungen mit unserem Land werden intensiver.

    Damit werden wir unabhängiger vom Nahen Osten.

    Wir dürfen nicht vergessen das wir schon heute aus den Nahen Osten und Kleinasien (Türkei) einen enormen Migrationsdruck erleben (Invasion) der wird in den nächsten Jahren noch stärker.

    Wenn wir unabhängiger werden können wir diesen Druck politisch besser bestehen.

    Heute haben wir aber noch die Möglichkeit die Migrationswellen umzukehren.

  • In der Vergangenheit haben die Deutschen Regierungen immer wieder den Versuch unternommen einen „Nationale Mineralölkonzern“ zu etablieren (z. b. BP später von den Engländern enteignet)

    Damit die Marktmacht der „Ausländischen Konzerne“ im Inland ein Gegengewicht bekommt. Das Fehlen von einen „Nationalen Mitspieler“ spüren wir täglich an den Tankstellen.

    Die Regierung hat heute wieder die Chance, das Oligopol aufzulösen indem Neue bzw. alte Mitspieler (z. b. Raiffeisen) wieder am Markt erscheinen.

    Diese Chance verschläft die Regierung mit der Einführung von E10 Treibstoffen nur bei Ausländischen Mineralölkonzernen.

  • Wir haben soviele „Neue Techniken“ die wir nicht einsetzen damit wir vom Öl unabhängiger werden.

    Dabei stellen sich zwei Fragen:

    Wirtschaftlichkeit?
    Langzeitwirkungen?

    Viele der „Neuen Techniken“ sind natürlich sehr alt, denken wir an das Elektromobil.

    Im Jahr 1900 gab es in den USA es rund 75 Fabriken, die insgesamt 4.192 Automobile produzierten: 1.688 Dampfautomobile, 1.575 Elektrofahrzeuge und 929 Benzinfahrzeuge.

    Die Elektroautos haben das „Rennen“ verloren. Die Technik ist gut und effizient, genauso wie ein Nachtspeicherofen. Die Energieumwandlungsquote liegt nahe bei 95 Prozent.

    Es gibt nur ein Nachteil, für eine flächendeckende Versorgung der Elektroautos sind über 18 Atomkraftwerke (Leichtwasserreaktoren) notwendig.

    Dies ist derzeit Politisch schwer umsetzbar.

    Der Einsatz von Rapsöl wurde von der Bundesregierung sabotiert. Die Regierung hat die Besteuerung zu hoch angesetzt. Der Einsatz von Rapsöl hat zur Folge daß die Ölinterwalle halbiert werden müssen und in der kalten Jahreszeit es zwingend notwendig ist mit Diesel den Startvorgang zu beginnen.

    Brasilien setzt seit vielen Jahren „Alkohol“ für seine Fahrzeuge erfolgreich ein. Warum haben wir diesen Weg nicht eingeschlagen?

    Ein geringfügiger Umbau der Fahrzeuge kann man Steuerlich fördern, wir haben Zuckerbauern die gerne ihre Ernte dafür zur Verfügung stellen. Das wird zwar nicht reichen aber wir können Zucker (bzw. Alkohol) auch aus Kamerun, Tansania, Togo beziehen. Diese Länder würden dadurch Devisen erhalten und wären für uns wichtige Handelspartner.

  • Ja genau wir tanken am besten alle E10! Damit sorgen wir dafür dass die Menschen in Afrika noch weniger zum Essen haben, verpesten noch stärker die Umwelt durch höheren Rußaustoß, häufigere Ölwechsel und zerstören die Böden durch Monokulturen.

    Es ist erstaunlich zu welch pervertiertem, menschen- und umweltfeindlichen Verhalten uns diese Ökofaschistinnen und Ökofaschisten immer wieder zwingen wollen.

  • Dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen. Der Witz ist aber, dass die Politik für die Massen eine Art neuer Glaube ist. Als Politiker kannst du den Leuten jeden Mist erzählen und sie glauben es auch ohne ihr Gehirn einzuschalten. Das beste Beispiel ist das CO2-Märchen.

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