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Biotechfirma Morphosys will US-Krebsspezialisten für 1,7 Milliarden Dollar übernehmen

Das Biotech-Unternehmen Morphosys erhält durch die Übernahme von Constellation Zugriff auf neue Wirkstoffkandidaten. Investoren reagieren skeptisch.
02.06.2021 Update: 02.06.2021 - 16:48 Uhr Kommentieren
Vor gut zwei Jahren hatte das Unternehmen mit Monjuvi die Zulassung für sein erstes eigenes Medikament in den USA erhalten. Quelle: MorphoSys
Morphosys

Vor gut zwei Jahren hatte das Unternehmen mit Monjuvi die Zulassung für sein erstes eigenes Medikament in den USA erhalten.

(Foto: MorphoSys)

Frankfurt Die Münchener Morphosys AG richtet sich neu aus – und will die US-Biotechfirma Constellation Pharmaceuticals mit Sitz in Cambridge im US-Bundesstaat Massachusetts für rund 1,7 Milliarden Dollar übernehmen. Es ist der bisher größte Übernahme- und Finanzierungs-Deal eines deutschen Biotech-Unternehmens.

Im Gegenzug verkauft Morphosys seine künftigen Lizenzrechte an verschiedenen Wirkstoffen, die auf der eigenen Antikörper-Technologie beruhen, für 1,4 Milliarden Dollar an Royalty Pharma. Der Finanzinvestor zahlt darüber hinaus bis zu 600 Millionen Dollar für eine Anleihe und eine Kapitalbeteiligung an Morphosys sowie in Form von Erfolgsprämien.

Das Münchener Unternehmen, das zu den Pionieren der deutschen Biotech-Szene zählt, erweitert mit der Transaktion die Pipeline an eigenen Medikamentenkandidaten und verabschiedet sich zu einem erheblichen Teil vom ursprünglichen Technologiegeschäft.

Für die Übernahme von Constellation, das an zwei neuartigen potenziellen Krebsmedikamenten in fortgeschrittenen klinischen Testphasen arbeitet, bietet Morphosys dabei einen Aufschlag von gut 70 Prozent im Vergleich zur bisherigen Bewertung des US-Unternehmens.

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    „Diese Transaktion stellt eine transformierende Wachstumschance für Morphosys dar“, kommentierte Firmenchef Jean-Paul Kress den Deal. Morphosys sei ideal positioniert, um die Produktentwicklung von Constellation zu beschleunigen, und stärke damit seine Position in der Hämatologie-Onkologie.

    Dabei geht es um Krebserkrankungen im Bereich der Blutbildung, darunter etwa Leukämien und Lymphome. Hier ist Morphosys bereits mit einer ersten eigenen Produktentwicklung vertreten – dem Medikament Monjuvi gegen B-Zell-Lymphome, das im vergangenen Jahr eine erste Zulassung erhalten hatte. Der Zukauf passt insofern zur Strategie der Münchener, sich als Biopharma-Unternehmen zu positionieren, das nicht nur Medikamente entwickelt, sondern auch selbst vertreibt.

    Morphosys-Aktie verliert mehr als 15 Prozent

    Während einige Analysten am Mittwochnachmittag Morphosys zu dem Deal gratulierten, reagierten Investoren an der Börse ausgesprochen kritisch auf das Vorhaben: Die Morphosys-Aktie büßte mehr als 15 Prozent ein und war mit 61 Euro im Vergleich zu ihrem Höchststand Anfang 2020 zwischenzeitlich nur noch die Hälfte wert.

    Mit einer Börsenbewertung von nunmehr noch rund 2,2 Milliarden Euro ist Morphosys die Nummer vier der deutschen Biotech-Szene – hinter den Impfstoff-Entwicklern und mRNA-Spezialisten Biontech und Curevac sowie dem Hamburger Forschungs-Spezialisten Evotec.

    Das Münchener Unternehmen wurde 1992 von Simon Moroney gegründet und konzentrierte sich zunächst auf eine neue Technologie zur Generierung von Antikörpern – einer speziellen Klasse von Proteinen, die auch als Pharmawirkstoffe eine wichtige Rolle spielen. Etliche Pharmakonzerne wie Roche, Novartis oder Bayer nutzen die Technologie, um Wirkstoffkandidaten für die eigene Produktentwicklung aufzuspüren.

    Das bisher erfolgreichste Produkt, das aus diesen Allianzen hervorging, ist das Schuppenflechte-Medikament Tremfya, mit dem der US-Konzern Johnson & Johnson mehr als eine Milliarde Dollar Jahresumsatz erzielt. Morphosys erhielt dafür im vergangenen Jahr 42 Millionen Euro an Lizenzerträgen.

    Diese Einnahmen gibt das Unternehmen nun an den amerikanischen Finanzinvestor Royalty Pharma ab, der seit mehr als zwei Jahrzehnten auf solche Deals spezialisiert ist. Darüber hinaus erhält Royalty auch einen Großteil der Lizenzansprüche von Morphosys aus dem potenziellen, noch in der Entwicklung befindlichen Alzheimer-Medikament Gantenerumab von Roche und dem Anti-Entzündungs-Wirkstoff Otilimab, an dem Glaxo-Smithkline arbeitet. Zudem erhält der US-Investor einen dreiprozentigen Anteil an den potenziellen Erlösen mit den Constellation-Produkten.

    Neues Risikoprofil

    Alles in allem verändert Morphosys damit sein Risikoprofil, indem es den vergleichsweise kalkulierbaren Einnahmestrom aus den Tremfya-Lizenzen in neue Forschungsprojekte reinvestiert.

    Hauptprodukt von Constellation ist ein potenzieller Wirkstoff gegen Myelofibrose – eine eher seltene krebsähnliche Erkrankung, bei der blutbildende Zellen im Knochenmark von Bindegewebe überwuchert werden. Das Produkt mit der Bezeichnung Pelabresib befindet sich in der abschließenden Phase drei der klinischen Entwicklung. Ein weiterer Wirkstoff gegen bestimmte Formen von Blutkrebs und solide Tumore wird in Phase zwei klinisch getestet.

    Die Entwicklungsprojekte passen insofern zu dem bestehenden Programm von Morphosys rund um das bereits zugelassene Lymphom-Medikament Monjuvi und den noch in der Entwicklung befindlichen Wirkstoff Felzartamab, den Morphosys sowohl gegen bestimmte Blutkrebsarten als auch gegen Autoimmunerkrankungen testet.

    Mehr: Biontech engagiert ehemaligen Finanzvorstand von Morphosys.

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