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Biotechfirma Morphosys wird zum Pharmakonzern – Umsatzzahlen enttäuschen die Anleger

Im vergangenen Jahr wurde das Krebsmittel der Münchener Firma erstmals zugelassen. Der Wandel des Geschäftsmodells drückt jedoch zunächst die Erlöse.
16.03.2021 - 12:19 Uhr Kommentieren
Die Zulassung und erfolgreiche Markteinführung des Krebsmittels Monjuvi in den USA ist ein Meilenstein für das 1992 gegründete Biotechunternehmen. Quelle: MorphoSys
Forschung bei Morphosys

Die Zulassung und erfolgreiche Markteinführung des Krebsmittels Monjuvi in den USA ist ein Meilenstein für das 1992 gegründete Biotechunternehmen.

(Foto: MorphoSys)

Frankfurt Im Schatten der Corona-Pandemie hat die Münchener Biotech-Firma Morphosys die Transformation zum durchintegrierten Pharmaunternehmen gemeistert. Das Krebsmittel Monjuvi, das im August in den USA zugelassen wurde, lieferte zwar noch keine riesigen Erlöse. Dennoch ist die Zulassung und erfolgreiche Markteinführung des Produkts in den USA ein Meilenstein für das 1992 gegründete Biotechunternehmen.

Firmenchef Jean-Paul Kress betrachtet den Vermarktungsstart als Ausgangsbasis für einen stetigen Ausbau von Morphosys als biopharmazeutisches Unternehmen. „Wir sehen Monjuvi als große langfristige Chance“, sagt er im Gespräch mit dem Handelsblatt. „Das ist eine ganze Pipeline in einem einzigen Produkt, und wir stehen erst am Anfang. Wir wollen ein nachhaltiges Geschäft mit diesem Medikament und weiteren potenziellen Produkten wie unserem Wirkstoff Felzartamab gegen bestimmte Autoimmunerkrankungen aufbauen.“

Investoren reagierten indessen enttäuscht auf die Geschäftszahlen und Prognosen für die Neuentwicklungen von Morphosys. Am Dienstagmorgen verlor die Morphosys-Aktie fast zehn Prozent an Wert.

Anleger zeigten sich vor allem vom Umsatzausblick für das laufende Jahr enttäuscht. Mit einem Kurs von um die 77 Euro notiert sie inzwischen gut ein Drittel unter den Höchstkursen vom vergangenen Sommer.

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    Morphosys prognostiziert für 2021 insgesamt einen Umsatzrückgang auf 150 bis 200 Millionen Euro. Doch sind darin nur 16 Millionen Euro an Erfolgsprämien oder sonstigen Einmalzuflüssen aus Forschungsallianzen einkalkuliert. Der Großteil der Umsätze dürfte erstmals auf Produkterlöse entfallen.

    Löwenanteil des Umsatzes entfiel auf Kollaborations- und Lizenzerträge

    Monjuvi wirkt gegen sogenannte B-Zell-Lymphome und hatte Anfang August die Zulassung durch die US-Arzneimittelbehörde FDA erhalten. Damit gehört das Krebsmittel – neben dem Covid-Impfstoff Comirnaty von Biontech und einem im vergangenen Jahr ebenfalls zugelassenen Hepatitis-Medikament der Bad Homburger Biotechfirma Myr – zu den relativ wenigen erfolgreichen Eigenentwicklungen aus der deutschen Biotech-Branche.

    Myr wurde im Dezember vom US-Biotech-Konzern Gilead übernommen. Morphosys und Biontech dagegen positionieren sich als langfristig eigenständige Biopharma-Unternehmen.

    Mit Erlösen von 18,5 Millionen Euro lieferte Monjuvi im vergangenen Jahr noch einen eher bescheidenen Umsatzbeitrag. Der Löwenanteil von 328 Millionen Euro Gesamtumsatz entfiel auf Kollaborations- und Lizenzerträge von knapp 256 Millionen Euro im Rahmen der Vertriebsallianz mit der US-Biotechfirma Incyte, die Morphosys im vergangenen Jahr als Vertriebs- und Entwicklungspartner für Monjuvi mit an Bord genommen hatte.

    Weitere 42 Millionen Euro flossen aus Lizenzerträgen für das Schuppenflechte-Medikament Tremfya zu, das der US-Konzern Johnson & Johnson mit der Antikörper-Technologie des Münchener Unternehmens entwickelt hatte.

    Analysten sehen Potenzial in Milliardenhöhe

    Morphosys und Incyte vermarkten Monjuvi in den USA gemeinsam, während der Vertrieb in Europa komplett über Incyte erfolgen soll und Morphosys dafür Lizenzerträge erhält. Im laufenden Jahr dürften die Erlöse mit Monjuvi deutlich steigen.

    Analysten sehen das Spitzenumsatzpotenzial für das Mittel zum Teil bei mehr als einer Milliarde Euro. Allerdings sind dafür noch weitere Entwicklungserfolge und Zulassungen erforderlich, darunter auch die Zulassung in Europa, die Morphosys gegen Ende des Jahres erwartet.

    Bisher ist das Einsatzspektrum noch relativ eng begrenzt. Konkret zugelassen hat die FDA den Wirkstoff für die Zweitlinienbehandlung des diffusen großzelligen B-Zell-Lymphoms (DLBCL), also für Patienten, bei denen die Standardtherapie versagt hat und die nicht für eine Stammzell-Transplantation infrage kommen.

    B-Zell-Lymphome sind eine relativ häufige Art von Blutkrebs, bei der sich B-Zellen des Immunsystems unkontrolliert vermehren. Morphosys-Chef Kress sieht daher noch erhebliches Potenzial für den Wirkstoff durch schrittweise Erweiterung der Einsatzfelder. So bereitet das Unternehmen unter anderem eine große Studie für den Erstlinien-Einsatz gegen B-Zell-Lymphome vor. Längerfristig könnte das Mittel auch als Therapieoption für bestimmte Leukämien infrage kommen.

    Die Verbreiterung des Einsatzspektrums nach der Erstzulassung von Wirkstoffen in einer eng begrenzten Indikation gehört zu den gängigen Strategien im Pharmageschäft. Etliche Blutkrebsmittel wie etwa Revlimid vom früheren Biotechkonzern Celgene oder der Wirkstoff Darzalex von Genmab und Johnson & Johnson wurden auf diese Weise zu Bestsellern mit Milliardenumsätzen.

    Morphosys ist finanziell gerüstet

    Eine ähnliche Karriere hat Kress auch für Monjuvi im Auge. Er setzt dabei auf die relativ günstigen Eigenschaften des Wirkstoffs. In der entscheidenden klinischen Studie zeigte er eine relativ hohe und auch lang anhaltende Ansprechrate.

    Kress glaubt daher, dass der Wirkstoff auch in Relation zu etlichen Konkurrenzprodukten gute Chancen hat. „Wir sind auf diesem Gebiet sicher nicht alleine unterwegs“, sagt der Morphosys-Chef. „Aber wir glauben, dass Monjuvi ein Eckpfeiler in der Behandlung von B-Zell-Lymphomen werden kann und die Konkurrenzprodukte letztlich auch interessante Möglichkeiten für Kombinationstherapien eröffnen.“

    Finanziell ist das Münchener Unternehmen dabei für den Ausbau der klinischen Forschung bestens gerüstet. Die hohen Zuflüsse aus dem Deal mit Incyte und die Ausgabe einer Wandelanleihe sorgten dafür, dass sich die Cash-Reserven mehr als verdreifachten, auf gut 1,2 Milliarden Euro.

    Dank der hohen Einnahmen aus der Incyte-Allianz wies Morphosys für 2020 auch einen Nettogewinn von knapp 98 Millionen Euro aus. Angesichts weiter hoher Forschungsausgaben und des rückläufigen Gesamtumsatzes dürfte sich das 2021 wieder ändern.

    Mehr: Für die Nachzügler im Covid-Impfstoff-Rennen wird es eng.

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