Bioverativ Sanofi kauft Biotechfirma für fast zwölf Milliarden Dollar

Sanofi kauft das US-Unternehmen Bioverativ und legt dafür mehr als 11,6 Milliarden US-Dollar auf den Tisch. Die Biotech-Firma ist auf die Herstellung von Medikamenten gegen die Bluterkrankheit spezialisiert.
Update: 22.01.2018 - 10:36 Uhr Kommentieren
Die Herstellung von Hämophilie-Medikamenten ist ein Milliardenmarkt. Quelle: AFP
Sanofi

Die Herstellung von Hämophilie-Medikamenten ist ein Milliardenmarkt.

(Foto: AFP)

ParisSanofi-Chef Olivier Brandicourt bläst zum Angriff. Für 11,6 Milliarden Dollar übernimmt der französische Pharmakonzern die US-Biotechfirma Bioverativ, die sich auf die Behandlung der Bluterkrankheit spezialisiert hat.

Sanofi will damit seine Stellung bei seltenen Krankheiten stärken, wie das Unternehmen am Montag in Paris mitteilte. Die Aktionäre von Bioverativ sollen 105 Dollar je Aktie erhalten – ein Aufschlag von 64 Prozent zum Schlusskurs am Freitag. Die Anteilseigner von Sanofi warten schon seit längerem auf eine größere Übernahme. Bislang bewies Brandicourt, der den Konzern seit bald drei Jahren führt und von Bayer kam, kein glückliches Händchen.

Ob beim US-Krebsspezialisten Medivation oder bei Europas größtem Biotechunternehmen Actelion – in beiden Übernahmewettläufen musste sich der Sanofi-Chef der Konkurrenz geschlagen geben. Bioverativ ist nun der größte Zukauf seit der rund 20 Milliarden Dollar schweren Übernahme der US-Biotechfirma Genzyme im Jahr 2011.

An der Börse konnte Sanofi trotzdem nicht punkten: Die Aktien des Pharmakonzerns fielen im frühen Handel um mehr als drei Prozent und waren mit Abstand größter Verlierer im Pariser Auswahlindex CAC40. Der Deal werfe eine Reihe von Fragezeichen auf, urteilten die Analysten von Kepler Cheuvreux.

Zwar biete die Übernahme kurzfristig Wachstum, das langfristige Bild sei aber nicht so klar. Dabei stelle sich vor allem die Frage, wie die Medikamenten-Pipeline von Bioverativ den Wettbewerb durch das Blutermittel Hemlibra vom Schweizer Pharmariesen Roche ausgleichen könne.

Bereits in diesem Jahr soll Bioverativ zum Gewinn der Franzosen beitragen. 2016 setzte die US-Firma 887 Millionen Dollar um und kam dabei auf einen Nettogewinn von rund 233 Millionen Dollar. Bioverativ wurde im vergangenen Jahr vom US-Biotechkonzern Biogen abgespalten. Das Unternehmen hat zwei Medikamente zur Behandlung der Bluterkrankheit Hämophilie A und B auf dem Markt und entwickelt weitere Mittel gegen andere seltene Erkrankungen des Blutes.

Hämophilie ist nach Angaben von Sanofi mit einem jährlichen Medikamentenumsatz von zehn Milliarden Dollar und 181.000 erkrankten Menschen weltweit der größte Markt für seltene Krankheiten, dem ein Wachstum von mehr als sieben Prozent pro Jahr bis 2022 unterstellt wird.

Die Gewinnbringer der Pharmabranche
Platz 10: Prevenar
1 von 10

Der Impfstoff schützt vor der Infektionskrankheit Pneumokokken, einer bakteriellen Lungenentzündung, die vor allem für Kleinkinder und ältere Menschen lebensbedrohlich sein kann. Dem Pharma-Riesen Pfizer bringt der Impfstoff jährlich 5,7 Milliarden Dollar ein.

Platz 9: Lantus
2 von 10

Den Insulin-Stift von Sanofi nutzen weltweit Millionen Diabetiker – und bescheren dem französischen Pharmakonzern jährlich Einnahmen von mehr als sechs Milliarden Dollar.

Platz 8: Herceptin
3 von 10

Unter dem Namen Herceptin vermarktete der Baseler Pharmakonzern Roche einen Antikörper, der zur Behandlung von einigen Brust- und Magenkrebsformen eingesetzt wird. Die Entwicklung der Arznei durch den Krebsforscher Dennis Slamon wurde 2008 unter dem Titel „Living Proof“ verfilmt. Bis heute hat auch Roche seine Freude an dem Medikament: Es generiert pro Jahr einen Umsatz von 6,7 Milliarden Dollar. Damit trägt Herceptin allein mehr als zehn Prozent zum Jahresumsatz von Roche bei.

Platz 7: Avastin
4 von 10

Mit Avastin hat Roche ein weiteres profitables Krebsmedikament im Portfolio: Avastin ist beispielsweise für Darm-, Lungen- oder Gebärmutterhalskrebs im fortgeschrittenen Stadium zugelassen. Die Baseler verdienen pro Jahr 6,72 Milliarden Dollar mit dem Wirkstoff.

Platz 6: Revlimid
5 von 10

Der Wirkstoff des US-Pharmakonzerns Celgene ist in Europa als „Orphan Drug“ zugelassen – also als Medikament für seltene Krankheiten. Das bedeutet, dass es nur in wenigen Fällen verschrieben wird, die Therapiekosten jedoch sehr hoch sind. Das Krebsmittel bringt Celgene im Jahr knapp 7 Milliarden Dollar.

Platz 5: MabThera/Rituxan
6 von 10

Das wichtigste Krebsmittel von Roche generiert jährlich 7,23 Milliarden Dollar Umsatz. Der unter den Namen MabThera und Rituxan vermarktete Wirkstoff gilt als Vorreiter der sogenannten gezielten Krebstherapie, bei der die Antikörper mittels Gentechnik hergestellt werden.

Platz 4: Remicade
7 von 10

Die Ampullen der US-Pharmariesen Johnson & Johnson sowie Merck & Co. helfen gegen zahlreiche Krankheiten: In Europa ist das Medikament als Therapie etwa für die chronische Darmerkrankung Morbus Crohn oder die Hautkrankheit Schuppenflechte zugelassen. Der Allrounder bringt den beiden Konzernen jährliche Einnahmen von 8,2 Milliarden Dollar.

In diesem Jahr sind bereits eine Reihe größerer Übernahmen in der Pharmabranche bekanntgeworden. So will etwa die US-Biotechfirma Celgene den Blutkrebsspezialisten Impact Biomedicines für bis zu sieben Milliarden Dollar kaufen und die dänische Novo Nordisk bietet 2,6 Milliarden Euro für die Biotechfirma Ablynx. Die Belgier haben die Offerte aber als zu niedrig zurückgewiesen. Bei Bioverativ hat der Aufsichtsrat der Übernahme durch Sanofi bereits zugestimmt.

Sanofi hatte zuletzt etliche Probleme einräumen müssen, die für Enttäuschung bei Investoren sorgten. Vor allem in drei Bereichen ist der Pharmariese zuletzt hinter den Erwartungen zurückgeblieben: Zum einen ist er im Diabetesgeschäft nach dem Patentablauf bei seinem Bestseller Lantus, einem modifizierten Insulin, stärker unter Druck geraten als ursprünglich erwartet.

Zum anderen erzielt der neue Cholesterinsenker Praluent bisher wesentlich geringere Umsätze als erhofft, weil Versicherungen und Kostenträger mit der Erstattung für dieses Medikament zaudern.

Insgesamt kämpft der Konzern damit, dass er auf einigen Felder in den letzten Jahren durch eine verfehlte Forschungs-Strategie den Anschluss verloren hatte. So ist er im Krebsbereich, wo er Mitte des letzten Jahrzehnts noch zu den führenden Anbietern gehörte, inzwischen gegenüber Konkurrenten wie Roche, Novartis oder Bristol-Myers weit zurückgefallen. Mit dem Milliarden.

  • rtr
  • dpa
Startseite

Mehr zu: Bioverativ - Sanofi kauft Biotechfirma für fast zwölf Milliarden Dollar

0 Kommentare zu "Bioverativ: Sanofi kauft Biotechfirma für fast zwölf Milliarden Dollar"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%