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Blitzanalyse BASF hält Prognose – trotz der schwachen Nachfrage der Autoindustrie

Update: 26.10.2018 - 15:24 Uhr Kommentieren
Das Geschäft mit Basischemikalien war im dritten Quartal vergleichsweise schwach. Quelle: dpa
BASF

Das Geschäft mit Basischemikalien war im dritten Quartal vergleichsweise schwach.

(Foto: dpa)

Frankfurt Der Chemiekonzern BASF hat am Freitagmorgen seine Zahlen für das dritte Quartal 2018 vorgelegt. Hier die wichtigsten Fakten:

  • Den Umsatz konnte der Ludwigshafener Konzern im Quartal zwar um acht Prozent auf 15,6 Milliarden Euro steigern. Der Betriebsgewinn vor Sondereinflüssen ging allerdings um 14 Prozent auf 1,47 Milliarden Euro zurück.
  • Bezieht man Sondereffekte mit ein, schrumpfte das Ebit sogar um fast ein Viertel auf 1,4 Milliarden Euro. Der Gewinn nach Steuern lag mit 1,2 Milliarden Euro um ein Zehntel unter Vorjahresniveau.
  • Der  Free-Cashflow sank im dritten Quartal besonders stark, um 31 Prozent auf 1,9 Milliarden Euro. In den ersten drei Quartalen insgesamt liegt er mit 3,9 Milliarden Euro um ein Fünftel unter Vorjahresniveau.
  • Die Netto-Verschuldung der BASF erhöhte sich bis Ende September um knapp die Hälfte auf 18 Milliarden Euro.
  • Seine im September bereits angepasste Prognose für das Gesamtjahr hat der Chemiekonzern im Zwischenbericht bestätigt. Sie sieht einen leichten Rückgang des bereinigten Betriebsgewinns um bis zu zehn Prozent vor sowie eine noch stärkere Reduzierung des Ebits inklusive Sondereinflüssen.

Das fällt positiv auf

Kleine Erfolge mit Öl und Gas: In der Prognose und den operativen Zahlen ist erstmals das Öl- und Gasgeschäft der BASF komplett ausgeklammert. Es wird im kommenden Jahr in ein Gemeinschaftsunternehmen mit Dea eingebracht und daher nur noch mit dem Nettogewinn im Abschluss der BASF erfasst. Öl+Gas half dabei mit einem um 57 Prozent auf 235 Millionen Euro deutlich verbesserten Gewinn nach Steuern das Nettoergebnis der BASF-Gruppe abzufedern.

Das fällt negativ auf

Schwache Nachfrage der Autoindustrie: Ebenso wie andere Chemiekonzerne wurde auch die BASF vor allem von Schwächen im Geschäft mit der Automobilindustrie sowie von einem Rückgang der Margen bei Kunststoffvorprodukten gebremst. Die wichtige Konzern-Division Chemicals, in der das Geschäft mit Basisprodukten und Kunststoffvormaterialien gebündelt ist, verbuchte daher einen operativen Gewinnrückgang um 22 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro.

Ähnlich wie bei Covestro entwickelte sich das Geschäft mit Vorprodukten für Polyurethane, das in den vorangegangenen Quartalen noch mit Rekordrenditen glänzte, besonders schwach. Im Segment Funktionsmaterialien (Katalysatoren, Lacke, Kunststoffe) lag das bereinigte Betriebsergebnis um 13 Prozent unter Vorjahr. Insgesamt spürte die BASF vor allem die schwächere Entwicklung in der Automobilindustrie, die zu den wichtigsten Abnehmern des Konzerns zählt.

Politische Schwierigkeiten: Darüber hinaus verweist das Unternehmen auf die Handelskonflikte, die zu einer Verlangsamung des Wirtschaftswachstums in Asien und insbesondere China führten. Der Betriebsgewinn der Asien-Aktivitäten lag daher im dritten Quartal um rund ein Viertel unter Vorjahresniveau.

Was jetzt passiert

Spezialchemie muss profitabler werden: Der Margenrückgang bei Basisprodukten wird sich vorerst weiterfortsetzen und den Ludwigshafener Konzern wohl auch in den nächsten Quartalen bremsen. Umso wichtiger wird es für den neuen BASF-Chef Martin Brudermüller sein, die Profitabilität der nachgelagerten Spezialchemie-Geschäfte weiter voranzubringen und die neu zugekauften Aktivitäten, das heißt vor allem die von Bayer erworbenen Saatgut- und Pflanzenschutzgeschäfte sowie den noch bevorstehenden Erwerb der Solvay-Polyamid-Aktivitäten, zügig zu integrieren.

BASF sucht Partner für Bauchemie: Mit der geplanten Ausgliederung und einem potenziellen Verkauf seiner Sparte Bauchemie setzt BASF seine Strukturbereinigung fort. Die Sparte mit 2,4 Milliarden Euro Umsatz entspricht nicht mehr den Rendite-Ansprüchen des Konzerns.

Unter dem Druck rückläufiger Margen setzt sich die Neuordnung der Chemieindustrie unvermindert fort. Das machen jetzt auch die jüngsten Pläne des Ludwigshafener Chemieriesen deutlich. Er kündigte am Freitagmorgen an, „strategische Optionen“ für seinen Geschäftsbereich Bauchemie zu prüfen. Das könnte nach den Worten von Firmenchef Brudermüller auf den Zusammenschluss mit einem starken Partner oder auch auf einen Komplettverkauf hinauslaufen.

BASF hatte das Geschäftsfeld 2006 durch Erwerb der Bauchemiesparte von Evonik deutlich gestärkt und erzielte in dem Bereich zuletzt mit 7000 Mitarbeitern 2,4 Milliarden Euro Umsatz. Allerdings ist die Sparte in den letzten fünf Jahren trotz international starker Konjunktur nur noch minimal gewachsen. Zu den Hauptkonkurrenten gehören Firmen wie Sika und die aus dem US-Konzern Grace ausgegliederte Firma GPC Technologies sowie der US-Spezialchemiekonzern RPM.

Finanzchef Hans-Ulrich Engel verwies darauf, dass das Bauchemiegeschäft relativ wenig in den übrigen Produktionsverbund der BASF integriert sei. „Und es entspricht auch nicht in vollem Umfang den Profitabilitätserwartungen.“

Die Pläne sind ein typisches Beispiel für die spezifische, von kleineren Schritten geprägte Portfolio-Strategie der BASF. Die Pläne für die Bauchemie laufen auf das vierte Joint Venture in zwei Jahren hinaus. So brachte er zuletzt seine Lederchemieaktivitäten in die Stahlgruppe ein und hält seither eine Minderheitsbeteiligung an dem niederländischen Unternehmen. Den Bereich Wasserchemie will BASF in ein Gemeinschaftsunternehmen mit der US-Firma Solenis einbringen. An diesem Joint Venture will der Ludwigshafener Konzern 49 Prozent der Anteile halten.

Hinzu kommt das jüngst vereinbarte Gemeinschaftsunternehmen Wintershall Dea, in dem BASF und Letter One ihre Öl- und Gasaktivitäten bündeln. Hier wird BASF zunächst eine Zweidrittel-Mehrheit halten, allerdings ist nachfolgend eine Börsenplatzierung des neuen Öl- und Gaskonzerns geplant.

Die geplanten neuen Joint Ventures und Desinvestitionen laufen teilweise auch auf eine Korrektur von Zukäufen und Investitionen im letzten Jahrzehnt hinaus. Vor allem in den damals ausgebauten Spezialchemie-Bereichen tut sich der Konzern relativ schwer, die Ertragskraft und die Margen zu steigern.

Angesichts der Tatsache, dass inzwischen auch die sehr hohen Renditen bei Basischemikalien und Kunststoff-Vorprodukten unter Druck geraten, werden Ertragsverbesserungen in den Spezialchemie-Segmenten für die BASF aber immer wichtiger. Im dritten Quartal 2018 verbuchte der Konzern einen bereinigten operativen Gewinnrückgang um 14 Prozent auf knapp 1,5 Milliarden Euro, bedingt vor allem durch einen Ertragsrückgang von 23 Prozent im Bereich Chemicals, der das Grundchemiegeschäft umfasst. Die Gewinne dürften in dem Bereich weiter unter Druck geraten.

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