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Blitzanalyse Thyssen-Krupp senkt Jahresprognose – Vorsteuergewinn bricht um 85 Prozent ein

Der Konzern kämpft mit der schlechten Konjunktur und schreibt unter dem Strich rote Zahlen. Außer der Aufzugssparte verzeichnen alle Geschäfte teils heftige Rückgänge.
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Thyssen-Krupp schreibt rote Zahlen Quelle: dpa
Thyssen-Krupp

Der Essener Industriekonzern schreibt rote Zahlen.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Der Essener Industriekonzern Thyssen-Krupp hat Zahlen für das dritte Quartal vorgelegt. Die wichtigsten Kennzahlen im Überblick:

  • Der Gewinn vor Steuern und Zinsen brach in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres angesichts der mauen Autokonjunktur, von der der Ruhrkonzern gleich in mehreren Sparten abhängig ist, um 85 Prozent auf 124 Millionen Euro ein. Unterm Strich bleibt ein Periodenverlust von 170 Millionen Euro.
  • Allein der Geschäftsbereich Elevator Technology, der Aufzüge und Fahrtreppen herstellt, konnte das Vorjahresergebnis der ersten drei Quartale von 590 Millionen Euro halten. Alle anderen Sparten – Stahl, Werkstoffhandel, Autoteile und Anlagenbau – mussten teils heftige Rückgänge verkraften.
  • Besonders auffällig ist das schlechte Abschneiden des Stahlgeschäfts. Hatte die Sparte, die nach dem Umbau wieder das Kerngeschäft des Ruhrkonzerns bilden soll, im Vorjahr zwischen Oktober und Juni noch ein Betriebsergebnis von 597 Millionen Euro erzielt, sind es im laufenden Geschäftsjahr bisher minus 75 Millionen Euro.

Das fällt negativ auf:

Das wirtschaftliche Umfeld hat sich für Thyssen-Krupp offensichtlich deutlich verschlechtert. Gewinnwarnungen auch von anderen Unternehmen ließen bereits vermuten, dass auch der Ruhrkonzern seine Prognose für das laufende Jahr würde senken müssen.

So kam es denn auch: Statt des bisher prognostizierten bereinigten Jahresergebnisses von 1,1 bis 1,2 Milliarden Euro rechnet Vorstandschef Guido Kerkhoff nunmehr mit einem bereinigten Ebit von 0,8 Milliarden Euro. Eine Absenkung in dieser Größenordnung hatten auch viele Analysten erwartet.

Für den Free Cashflow vor Ver- und Zukäufen erwartet der Vorstand angesichts der geänderten Voraussetzungen einen Mittelabfluss in Höhe von einer Milliarde Euro. Nach Steuern rechnet Thyssen-Krupp für das Geschäftsjahr 2019/20 erneut mit einem Verlust, nachdem im Vorjahr ein Minus von 60 Millionen Euro unter dem Strich gestanden hatte.

Das fällt positiv auf:

Vorstandschef Kerkhoff kommt bei der Senkung der Verwaltungskosten weiter voran. So sanken die Ausgaben für die Zentrale in den ersten neun Monaten von knapp 300 Millionen Euro auf nunmehr 250 Millionen Euro. „Angesichts des zunehmenden konjunkturellen Gegenwinds haben wir rechtzeitig umgesteuert“, erklärte der Manager.

Daneben sorgt derzeit vor allem das Aufzugsgeschäft für Lichtblicke. Zwar ist dessen Betriebsgewinn in den ersten drei Quartalen im Vorjahresvergleich nicht gestiegen – aber eben auch nicht gesunken, wie in allen anderen Sparten des Konzerns.

Der geplante Börsengang des derzeit profitabelsten Geschäfts komme gut voran, teilte das Unternehmen nun mit. Bis Ende des Kalenderjahres solle die organisatorische Trennung abgeschlossen sein, der Börsengang soll im kommenden Geschäftsjahr erfolgen. Daneben prüfe Thyssen-Krupp aber auch Interessensbekundungen potenzieller Käufer, erklärte Kerkhoff nun.

Vor allem der finnische Konkurrent Kone gilt immer wieder als potenzieller Kandidat für eine Partnerschaft. Denkbar wäre aber auch ein Verkauf an andere Wettbewerber, beispielsweise aus Asien oder Nordamerika.

Was jetzt passiert:

Um die miserable Cashflow-Situation des Ruhrkonzerns zu verbessern, will Vorstandschef Kerkhoff neben der Aufzugssparte auch weitere Geschäfte auf den Prüfstand stellen. Explizit genannt wurden nun die Bereiche Federn und Stabilisatoren, die zum Komponentengeschäft zählen, sowie der Bau von Produktionsanlagen für die Autoindustrie.

Auch den Geschäftsbereich Grobblech, der zur Stahlsparte zählt und vor allem Kunden aus der Bau- und Schiffsindustrie beliefert, will Kerkhoff einer Untersuchung unterziehen. In allen drei Fällen soll ein Team von Sanierungsexperten Restrukturierungskonzepte erarbeiten. Gegebenenfalls sei auch ein Verkauf denkbar, hieß es.

Vor allem die Stahlsparte braucht dringend ein Zukunftskonzept, nachdem das geplante Joint Venture mit Tata Steel Europe vor wenigen Monaten geplatzt war. Rund 2000 Stellen will Kerkhoff hier streichen, 4000 weitere in anderen Bereichen des Konzerns. Bis Ende des Jahres will der Vorstand seine Pläne präzisieren.

Mehr: Am Mittwoch hat der Industriekonzern eine Personalie verkündet: Compliance-Vorstand Donatus Kaufmann wird das Unternehmen verlassen.

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1 Kommentar zu "Blitzanalyse: Thyssen-Krupp senkt Jahresprognose – Vorsteuergewinn bricht um 85 Prozent ein"

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  • Warum trennt sich Thyssen nicht von defizitären Geschäftsbereichen, dass schadet dem Konzern
    schon seit Jahren. Jeder klar denkende Kaufmann würde so handeln, warum der Vorstand nicht?

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