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BMW-Führungspoker Norbert Reithofer – der Königsmacher von München

Harald Krüger? Oder ein anderer? Der BMW-Aufsichtsratschef und Ex-CEO leitet das Poker um den Vorstandsvorsitz. Das Spiel hat er vor 13 Jahren selbst gewonnen.
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Der Schatten des Aufsichtsratschefs ist lang. Quelle: imago/Sven Simon
Norbert Reithofer

Der Schatten des Aufsichtsratschefs ist lang.

(Foto: imago/Sven Simon)

München Es war ein Abgang nach Maß. „Herr Reithofer hat das Unternehmen neu ausgerichtet und übergibt ein gut bestelltes Haus. Das verdient höchste Anerkennung“, lobte der scheidende Aufsichtsratschef Joachim Milberg die Arbeit des damals scheidenden BMW-Chefs Norbert Reithofer.

Fondsmanager Ingo Speich konstatierte, dass er alle Rekorde gebrochen habe. Und Großaktionär Stefan Quandt, normalerweise eher zurückhaltend, bescheinigte dem Vorstandschef, das Unternehmen „auf ein neues Niveau gehoben zu haben“.

Vier Jahre ist es nun her, dass der heute 63-Jährige den BMW- Vorstandsvorsitz aufgab und an die Spitze des Aufsichtsrats wechselte. Die in anderen Unternehmen übliche zweijährige „Abkühlphase“ ersparten die Großaktionäre dem Spitzenmann. Zu groß sind seine Verdienste, die er sich in seiner neunjährigen Amtszeit erworben hatte: Mercedes überholt, China erobert, Stromautos entwickelt.

Keine Frage: Reithofer wirft einen langen Schatten – und das war vom ersten Tag an Harald Krügers Problem. Der neue Vorstandschef ist Ziehsohn von Reithofer. Beide verbindet der Aufbau des US-Werks Spartanburg in den Neunzigerjahren, heute ist das Werk in South Carolina der größte BMW-Standort der Welt. Ausgerechnet hierhin lädt Reithofer den Aufsichtsrat ein, um am 18. Juli über die Zukunft Krügers zu beraten. Es soll eine Entscheidung über die Vertragsverlängerung fallen.

Wie sie ausfallen wird, steht nicht fest. Doch bei BMW stimmen die Zahlen nicht mehr, und die Konkurrenz hat in der Elektromobilität gleichgezogen.

Die Zweifel an Krügers Kurs sind gewachsen. Sollte Krügers Vertrag verlängert werden, könnte er bis 2025 das Unternehmen führen.

Dann muss BMW den Sprung in den Massenmarkt für Elektroautos geschafft haben und in der Digitalisierung auf Augenhöhe mit Tesla oder Google sowie mit Firmen aus China sein. Krüger hat Reithofers offensiven Elektrokurs zu Beginn seiner Amtszeit korrigiert und dank gesparter Entwicklungsmilliarden die Rendite nach oben getrieben.

Der wahre Chef

Nicht wenige im Unternehmen sehen auch nach Krügers Berufung in Reithofer weiter den heimlichen CEO. Führungskräfte suchen weiter die Nähe zum Altvorderen. Wer den Namen Reithofer einbindet, der bekommt sein Projekt schneller durch, heißt es in der Führungsmannschaft.

Als BMW 2017 sein hundertjähriges Firmenjubiläum feierte, hielt Reithofer die Festrede in der Olympiahalle, nicht Krüger. Und als Mercedes wieder mehr Autos verkaufte als die Marke BMW, da hielt Reithofer eine Brandrede vor Krüger und seinen Führungskräften. „Wir müssen als BMW die Nummer eins sein“, forderte der Aufsichtsratschef.

Krüger versprach bis 2020 zu liefern und kündigte „die größte Modelloffensive der Firmengeschichte“ an. Die bringt zwar Marktanteile, aber bislang nicht die erhoffte Marktführerschaft zurück.

Reithofer hat wie sein Vorgänger Joachim Milberg das Vertrauen der Familie Quandt, die sich traditionell aus dem operativen Geschäft heraushält. Das macht die Rolle des Oberbayern in diesen Tagen so unantastbar.

Mit Produktionsvorstand Oliver Zipse und Entwicklungschef Klaus Fröhlich hat Reithofer zwei weitere Kandidaten, die sich für den Chefposten empfehlen. Beide stehen für einen Kurswechsel, der Erstere für einen eher moderaten, der Zweite für eine eher harte Gangart.

Reithofer kennt das Prozedere aus eigener Erfahrung. Als im Sommer 2006 der damalige Vorstandsvorsitzende Helmut Panke um eine Vertragsverlängerung kämpfte, positionierten sich Finanzvorstand Stefan Krause und Reithofer als Alternativkandidaten. Panke verlor, Krause unterlag und wechselte zur Deutschen Bank. Seitdem ist Reithofer der starke Mann und in diesen Tagen der Königsmacher von München.

Mehr: Bei BMW geht es jetzt um mehr als nur um die Entscheidung, wer das Unternehmen führen soll. Der Autobauer braucht eine nachhaltige Strategie, analysiert Handelsblatt-Autoexperte Markus Fasse.

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