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BMW-Vorstand soll kommen Aufsichtsrat ringt um Audi-Chefsessel – und den Umgang mit Stadler

BMW-Vorstand Duesmann soll in Ingolstadt das Steuer übernehmen. Nur hat der Aufsichtsrat den beurlaubten Rupert Stadler noch nicht abgeschrieben.
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BMW-Vorstand soll kommen: Aufsichtsräte ringen um Audi-Chefsessel Quelle: BMW Group
BMW-Vorstand Markus Duesmann

Wenn es nach VW-Vorstand Herbert Diess geht, soll Duesmann neuer Audi-Chef werden.

(Foto: BMW Group)

München, FrankfurtSeit vier Wochen hört und sieht man nichts von Rupert Stadler. Das ist nicht verwunderlich, sitzt der Audi-Chef doch seit Mitte Juni in Untersuchungshaft in der Justizvollzugsanstalt Augsburg-Gablingen. Und trotzdem erhitzt der Topmanager die Gemüter vor allem im VW-Aufsichtsrat, was nun zu einem beispiellosen Vorgang geführt hat.

Die Kontrolleure ringen um die Frage, wie man mit Stadler umgehen soll. Der 55-Jährige wurde wegen „Verdunklungsgefahr“ inhaftiert und ist bei Audi offiziell nur „beurlaubt“. Hiltrud Werner, beim Audi-Mutterkonzern Volkswagen Vorständin für Integrität und Recht und Aufsichtsrätin bei Audi, warnte davor, Stadler vorzuverurteilen.

Er sei noch nicht einmal angeklagt, und für ihn gelte weiter die Unschuldsvermutung, sagte Werner der „Financial Times“. Ein Rauswurf Stadlers sei daher für den Aufsichtsrat auch nicht infrage gekommen. „Ich kann nur für mich sprechen. Aber wenn jemand bereits so gedemütigt worden ist, dann muss der Aufsichtsrat ihn nicht weiter demütigen“, betonte Werner und mahnt die Kontrolleure zur Verantwortung.

VW Vorstand Hiltrud D. Werner Quelle: Volkswagen AG
Hiltrud D. Werner

VW Vorstand Hiltrud D. Werner

(Foto: Volkswagen AG)

Die Audi-Aufsichtsrätin erinnerte auch an den Fall des ehemaligen Siemens-Vorstandes Heinz-Joachim Neubürger. Der Manager stand im Verdacht, an Schmiergeldzahlungen im Konzern beteiligt gewesen zu sein, und beteuerte seine Unschuld. 2015 nahm sich Neubürger das Leben. Werners Worte sind ein Affront gegen Volkswagen-Chef Herbert Diess, der den Audi-Aufsichtsrat führt – und bei der Suche nach einem Nachfolger für Stadler nach Handelsblatt-Informationen bei seinem alten Arbeitgeber BMW fündig geworden ist.

Rückblick: Als Markus Duesmann am Montagnachmittag Norbert Reithofer aufsuchte, ahnte dieser schon Ungemach. Und tatsächlich: Der „Jungvorstand“ Duesmann, 49, teilte dem BMW-Aufsichtratschef mit, seinen bis September 2019 laufenden Vertrag nicht verlängern zu wollen. Als wenig später BMW-Chef Harald Krüger die Führungskräfte zum Sommerempfang lud, war die Nachricht schon rum: Duesmann, Einkaufsvorstand bei BMW, folgt seinem ehemaligen Chef Herbert Diess zum VW-Konzern. Dort, erfuhr das Handelsblatt aus Konzernkreisen, soll er neuer Audi-Chef werden – wenn BMW denn Duesmann vorzeitig gehen lässt.

Eine überraschende Wendung in dem Gerangel um Posten, das seit Monaten in der Autoindustrie tobt. Im Zentrum steht Diess, der selber erst im April Matthias Müller als Volkswagen-Chef ablöste und nun seine Macht konsolidiert. Audi, der wichtigste Gewinnbringer im VW-Konzern, ist für seinen Erfolg zentral. Dass mit dem in der Dieselkrise schwer belasteten Audi-Chef Rupert Stadler ein Neustart schwierig wird, war Diess lange klar.

Nach der Verhaftung Stadlers im Juli setzten die Arbeitnehmervertreter Audi-Vertriebsvorstand Bram Schot als kommissarischen Chef durch. Obwohl der 57-Jährige bei Audi gerade die Rahmenbedingungen für die kommenden zwei Jahre festzurrt, ist der Niederländer für Diess keine Dauerlösung. Für die schielte er schon länger auf seinen alten Arbeitgeber in München.

Diess soll viel Geld bieten

Ein schwieriges Unterfangen. Diess war bis Herbst 2014 Entwicklungsvorstand bei BMW. Als er im Rennen um den Vorstandsposten gegen Krüger unterlag, kündigte er und ging als Markenvorstand zu VW – sehr zum Ärger von Aufsichtsratschef Reithofer. Fortan zog er immer wieder Manager von München nach Wolfsburg, zuletzt Marketingleiter Sven Schuwirth.

Diess, so heißt es in BMW-Kreisen, biete viel Geld. Als der Audi-Chefposten mit der Verhaftung von Stadler vakant wurde, schrillten in der BMW-Zentrale die Alarmglocken. Entwicklungsvorstand Klaus Fröhlich gelobte öffentlich, kein Interesse an dem Job in Ingolstadt zu haben. Eine Aussage, die sich die Spitzen des BMW-Aufsichtsrats zur Sicherheit noch einmal von Fröhlich persönlich bestätigen ließen.

Diess konzentrierte sich auf Duesmann. Der 49-jährige Münsterländer arbeitete von 2012 bis 2016 unter Diess als „Entwicklungsleiter Antrieb“. Duesmann sorgte dafür, die BMW-Diesel durchgehend mit SCR-Stickoxidfiltern auszustatten – anders als Audi und Daimler wurde BMW von Diesel-Massenrückrufen verschont. Zuvor hatte Duesmann im mittlerweile aufgelösten BMW-Formel 1–Team an Hybridantrieben gearbeitet.

Soll BMW-Vorstand Duesmann nun die Diesel-Krise beenden?

Aus Mangel an verfügbaren Batteriezellen besorgte sich der Maschinenbauer die Technik aus dem Modellbau. Als Einkaufsvorstand verantwortete er zuletzt den Aufbau der Lieferantenbasis für die neuen BMW-Elektromodelle. Mit dem chinesischen Zellenfabrikanten CATL handelte Duesmann zuletzt einen Milliardendeal aus – CATL baut dafür eine Fabrik in Erfurt. Nach seiner Funktion als Einkaufsvorstand sollte Duesmann Entwicklungsvorstand Fröhlich beerben und damit zum starken Mann hinter Krüger aufsteigen, dessen Vertrag 2019 zur Verlängerung ansteht.

Bei BMW ist man über den Abgang entsprechend vergrätzt. Aufsichtsratschef Reithofer ist wenig daran interessiert, den direkten Wettbewerber in Ingolstadt mit einem eigenen Topmann aufzuwerten. Duesmann werde seine Tätigkeiten bei BMW „mit sofortiger Wirkung ruhen lassen“, teilte der Konzern auf Anfrage mit. Gehen darf er aber noch lange nicht: Duesmanns Vertrag laufe noch bis Oktober 2019, hinzu komme eine zwölfmonatige Wettbewerbsklausel. In VW-Kreisen geht man daher davon aus, dass Duesmann frühestens im Herbst 2019 in Ingolstadt anfangen könnte und vorher im VW-Vorstand mit anderen Aufgaben betreut wird.

Schot wird noch bleiben

Bis dahin soll Übergangschef Bram Schot die Geschäfte in Ingolstadt weiterführen. Der Vertriebsvorstand hat vor 2 500 Führungskräften am vergangenen Donnerstag seine Marschrichtung für die kommenden zwei Jahre beschrieben: volle Kraft auf die neuen Modelle der Jahre 2019 und 2020. Mit dem Audi „Etron“, den Schot am 17. September in San Francisco vorstellen will, hat Audi die Chance, vor den Rivalen Mercedes und BMW den Markt der Elektro-SUVs zu besetzen. Für seine offene Haltung gegenüber den Beschäftigten erhält er zurzeit viel Zuspruch vonseiten der Arbeitnehmer.

Die kommenden Monate dürften dennoch holprig werden. Audi hat wie der gesamte Volkswagen-Konzern die rechtzeitige Vorbereitung auf den neuen Messstandard WLTP verschlafen, sodass viele neu produzierte Autos wegen fehlender Zertifikate ab September vorerst nicht mehr verkauft werden können. Die Umstellung läuft auf Hochtouren, aber in der Produktion kommt es zu heftigen Verwerfungen.

Nachdem sich Betriebsräte und Management verkeilten, schaltete sich Schot zu – binnen weniger Tage handelte er mit Audi-Betriebsratschef Peter Mosch einen Kompromiss aus.

Eine Pragmatik, die alle Beteiligten noch brauchen werden. Sollte beispielsweise der Handelskrieg zwischen der EU und den USA weiter eskalieren, wäre Audi schwer getroffen. Anders als die Rivalen BMW und Mercedes hat die VW-Tochter zwar ein Werk in Mexiko, aber nicht in den USA.

Mittelfristig muss Audi kräftig zulegen: Lag die Marke mit den vier Ringen vor fünf Jahren noch vor Mercedes, so verkaufen die Stuttgarter mittlerweile wieder 400 000 Autos mehr pro Jahr als Audi. Und auch die Rendite gerät aufgrund der hohen Entwicklungskosten für das autonome Fahren und die Elektroantriebe unter Druck. VW-Chef Diess, der die Milliarden‧gewinne aus Ingolstadt dringend für den Umbau von VW braucht, legt die Ziele hoch. Im kommenden Jahrzehnt sollten es eher zwölf als die bisherigen zehn Prozent Rendite sein, die er von Audi erwartet.

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