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Bodo Uebber Abgang des Finanzchefs trifft Daimler hart

Daimler-Finanzchef Uebber verlängert nicht. Damit verliert der designierte Vorstandschef Ola Källenius einen Rivalen, der Konzern aber eine wichtige Stütze.
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Daimler: Abgang von Finanzchef Bodo Uebber trifft den Konzern hart Quelle: dpa
Bodo Uebber

Der Finanzvorstand von Daimler verlängert seinen Vertrag nicht.

(Foto: dpa)

München, Düsseldorf Automessen waren noch nie das Revier von Bodo Uebber. Er ist Controller, kein Car Guy wie die meisten seiner Kollegen im Daimler-Vorstand. Dass der Finanzchef den Konzernabend auf dem Pariser Autosalon ausließ, fiel auch gar nicht weiter auf. Die traditionelle Vorabendsause im Picine Molitor wäre ohnehin nicht seine Party gewesen.

Hier feierten andere: Dieter Zetsche, der als noch Konzernchef ab 2021 den Aufsichtsrat anführen will, wirkte entspannt wie lange nicht mehr. Ola Källenius, der sich ab Mai 2019 Mercedes-Chef sowie Daimler-Boss nennen darf und den ganzen Abend erleichtert strahlte.

Der Schwede hatte lange warten müssen, bis kurz vor der Messe der anstehende Wechsel an der Daimler-Spitze endlich bekanntgegeben wurde. Bis zum Schluss blieb der Restzweifel: Auch Bodo Uebber war ja noch im Rennen, zumindest als Chef der noch neu zu gründenden Holding.

Am Sonntagabend zog Uebber seine Konsequenzen. Daimler gab per Ad-hoc-Mitteilung überraschend bekannt, dass der nach Zetsche dienstälteste Vorstand seinen bis 2019 laufenden Vertrag nicht mehr verlängern wird. Der 59-Jährige wolle Källenius die Möglichkeit eröffnen, „ein neues langfristig ausgerichtetes Team aufzubauen, um die anstehenden weitreichenden Veränderungen weiterhin erfolgreich zu gestalten“, schob der Konzern am Montag nach.

„Jetzt ist für das Unternehmen der richtige Zeitpunkt, auch meine Aufgaben in jüngere Hände zu legen“, begründete Uebber seinen Entschluss. Doch im Konzern ist auch klar: Uebber wäre geblieben, wenn er Daimler-Chef geworden wäre – und somit auch die künftige Ausrichtung des Auto-, Lastwagen- und Dienstleistungs-Konglomerats hätte bestimmen dürfen. Doch jetzt wiederholen sich die Dinge: Schon ein Jahr zuvor räumte Wolfgang Bernhard das Feld, als der damalige Truck-Chef keine Chancen mehr sah, an Källenius vorbeizuziehen.

Erst Zetsche, jetzt Uebber: „Daimler kommt in schwieriges Fahrwasser“

Anders als bei Bernhard ist der Finanzmarkt nun alarmiert. „Daimler ohne Bodo ist wie Starbucks ohne Kaffee“, urteilte Arndt Ellinghorst vom Londoner Analystenhaus ISI Evercore. Für Analysten und Investoren verlässt nicht irgendein CFO irgendeinen Dax-Konzern. Bodo Uebber war über 14 Jahre lang das Gesicht Daimlers am Kapitalmarkt.

Als der studierte Wirtschaftsingenieur 2004 als Finanzvorstand in Stuttgart antrat, hieß der Chef Jürgen Schrempp und das Unternehmen Daimler-Chrysler. Mit Fingerspitzengefühl und manchmal auch einer Portion Glück navigierte Uebber den Konzern durch die folgenden Krisenjahre. Uebber managte die spektakuläre Rückabwicklung des Chrysler-Deals kurz vor Ausbruch der Finanzkrise und steuerte den Konzern anschließend durch den schweren Absatzeinbruch.

Uebber sorgte für die Rückendeckung bei den Investoren, die den langen Wiederaufstieg von Mercedes ab 2013 zum weltgrößten Premiumanbieter erst möglich machte. Denn anders als Volkswagen und BMW hat Daimler keine Ankeraktionäre, stets musste Uebber bei Fonds und Pensionskassen für Daimlers Ausrichtung werben und ungebetene Investoren abwehren. Den trickreichen Einstieg des Geely-Eigners Li Shufu, mit 9,7 Prozent seit Februar größter Einzelaktionär in Stuttgart, konnte er nicht verhindern.

Der Abgang des potenziellen Rivalen Uebber ist für Ola Källenius deshalb beides: Chance und Bürde. Einerseits hat der Schwede nun die Möglichkeit, das ganz auf Uebber ausgerichtete Finanzressort nun mit einer Frau oder einem Mann seines Vertrauens zu besetzen. Immer deutlicher zeichnet sich das Netzwerk von Vertrauensleuten ab, mit denen Källenius Daimler in das kommende Jahrzehnt führen will. Mit Markus Schäfer, Wilko Stark und Jörg Burzer rücken gleich drei Weggefährten in die Vorstände von Daimler und Mercedes auf.

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Da Källenius sowohl die Führung des Konzerns und damit wohl auch die Führung der geplanten Holding übernehmen wird, ist auch die strategische Richtung entschieden: Mercedes bleibt der Kern von Daimler, und der Mercedes-Chef bestimmt den Kurs der ganzen Gruppe. Es ist die Fortschreibung des Modells Zetsche, der seit 2006 beide Rollen innehatte und auch zuletzt keinen Hehl daraus machte, dass er diese Doppelfunktion auch nach seinem Abgang für die einzig richtige hält.

Uebber wollte Portfoliomanagement

Uebber hingegen machte sich für eine andere Lösung stark. Seine Sicht ist die der Investoren, die sich seit Jahren über den schwachen Aktienkurs beklagen und schon lange eine Aufspaltung von Daimler fordern. Der Druck ist gewaltig: Obwohl der Stuttgarter Autobauer für 2017 die höchste Dividende im Dax ausschüttete, ist seit Jahresbeginn ein Viertel des ohnehin schon schwachen Börsenwertes verloren gegangen.

Uebber startete deshalb Anfang 2017 das „Projekt Zukunft“. Unter dem Dach einer Muttergesellschaft sollten die einzelnen Töchter Auto, Trucks und Dienstleistungen als Portfolio gemanagt werden – rechtlich und personell eindeutig getrennt. Dass er sich die Rolle des Portfoliomanagers als Chef der Holding zutraute, ist kein Geheimnis. Die Blaupause liefert Siemens: Seit 2013 steuert Ex-Finanzchef Joe Kaeser den Technologiekonzern wie eine Holding. Windräder und Schnellzüge werden nun in Partnerschaften geführt, die Medizintechnik ist an der Börse.

Nun wird es die Holdingstruktur bei Daimler geben, aber wohl nicht so, wie die Investoren gehofft hatten. Die Fondsmanager hätten Uebber auch den Chefsessel bei Daimler zugetraut. „Wir finden, wenn man sich auf den Weg begibt, eine Holding zu bauen, macht es schon Sinn, wenn ein Finanzfachmann an der Spitze steht, der das Konstrukt lenken kann, während die Kernsparten von Technikern geleitet werden“, sagt Michael Muders von Union Investment dem Handelsblatt.

Nachdem Uebber geht, drängt der Vermögensverwalter erst recht auf einen Börsengang der Trucksparte, die mit bis zu 30 Milliarden Euro taxiert wird. „Denn es wäre den Investoren schwer zu vermitteln, wenn trotz der Umbaukosten großteils alles beim Alten bliebe“, so Muders. Und er ist mit dieser Ansicht nicht alleine. „Bodo Uebber ist die treibende Kraft hinter dem Projekt Zukunft. Es bleibt abzuwarten, ob der angedachte Börsengang der Trucksparte umgesetzt wird“, sagt Stefan Bauknecht von der DWS.

Andere werden deutlicher. „Wir waren mit Daimler schon zu lange zu geduldig. Die Aktienkursentwicklung ist seit Jahren nicht zufriedenstellend“, sagt ein weiterer Vermögensverwalter. Zwar könne das Management auf gestiegene Cashflows verweisen, das Altgeschäft laufe gut. „Die strategische Neuausrichtung bei Daimler dauert uns schon zu lange“, klagt der Investor. Er hält daher den Zeitpunkt des Abschieds von Uebber für „unglücklich“.

Schließlich war Uebber die treibende Kraft hinter dem Konzernumbau. Der Vermögensverwalter fordert eine klare Aufspaltung des Konzerns. „Aus unserer Sicht sind die Pkw-Sparte und die Lkw-Sparte zwei völlig unterschiedliche Geschäftseinheiten.“ Zumal für ihn klar ist: „In Zukunft werden die Gräben zwischen den Bereichen noch größer, die Synergien geringer.“

Der Druck auf Källenius, der im Mai 2019 die Zetsche-Nachfolge antreten soll, ist groß. Denn neben den Zweifeln an der strategischen Ausrichtung wachsen nun auch die Fragen nach der Stärke des operativen Geschäfts. Am Montag veröffentlichte die Autotochter Mercedes erneut schwache Absatzzahlen.

Demnach verkaufte die Kernmarke Mercedes im September weltweit 8,2 Prozent weniger Autos als im Vorjahresmonat. Mercedes begründet die erneuten Rückgänge vor allem mit der Einführung des neuen Verbrauchsstandards WLTP in Europa, der zu Lieferengpässen geführt habe. Doch auch in den USA bricht das Geschäft mittlerweile ein, dort verkauft Tesla mit dem Model 3 mehr Elektroautos, als die Stuttgarter Kunden für ihre C-Klasse finden. Lediglich in China gibt es noch Zuwächse. Für eine sichere Daimler-Zukunft ist das auf die Dauer zu wenig.

„Källenius wird Daimler umkrempeln“

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