Boehringer Ingelheim Pharmakonzern setzt auf Tierarzneien

Gute Geschäfte mit Arzneien für Tiere – Boehringer Ingelheim setzt 2017 voll auf seine neue Sparte. Das für mehrere Milliarden Euro zugekaufte Geschäft soll im laufenden Jahr einen deutlichen Umsatzanstieg bringen.
Update: 05.04.2017 - 12:39 Uhr Kommentieren
Deutschlands zweitgrößter Pharmakonzern erhofft sich 2017 gute Geschäfte mit seiner neuen Sparte für Tiergesundheit. Quelle: dpa
Boehringer Ingelheim

Deutschlands zweitgrößter Pharmakonzern erhofft sich 2017 gute Geschäfte mit seiner neuen Sparte für Tiergesundheit.

(Foto: dpa)

IngelheimFür Deutschlands zweitgrößten Pharmakonzern Boehringer Ingelheim war 2016 ein Jahr des Umbruchs. Mit dem Verkauf seiner US-Generikatochter Roxane und einem großen Tauschgeschäft mit Sanofi hat das Familienunternehmen die größte Veränderung seit Jahrzehnten vollzogen. So erwarb Boehringer zum Jahresanfang 2017 für 11,4 Milliarden Euro die Tierarznei-Tochter Merial von Sanofi und gab seinen eigenen Geschäftsbereich Selbstmedikation für 6,7 Milliarden Euro an den französischen Pharmariesen ab.

Parallel zur Neuausrichtung kam der Pharmahersteller aber auch operativ gut voran. Er steigerte seinen Umsatz im vergangenen Jahr um gut sieben Prozent auf 15,9 Milliarden Euro und den Betriebsgewinn um etwas mehr als ein Viertel auf 2,9 Milliarden Euro, den mit Abstand höchsten Wert in der Firmengeschichte. Der Gewinn nach Steuern legte um 17 Prozent auf 1,85 Milliarden Euro zu. Allerdings profitierte der Konzern dabei auch von Veräußerungsgewinnen von fast 600 Millionen Euro.

Für 2017 ist ein weiterer Umsatz- und Gewinnanstieg bereits vorgezeichnet. Alleine durch die Integration der Sanofi-Tierarznei-Sparte gewinnt Boehringer rund eine Milliarde Euro mehr an Umsatz, als der Konzern durch den Verkauf der Selbstmedikation verliert. Auch das Pharmageschäft soll weiter zulegen.

Die größten Pharmakonzerne der Welt
Platz 20: Astellas
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Gemessen am reinen Pharmaumsatz ist Astellas die Nummer zwei der japanischen Pharmaindustrie. Der Schwerpunkt liegt auf Transplantationsmedizin, Onkologie und Antiinfektiva. Die Japaner kamen im vergangenen Jahr auf einen Umsatz von 11,1 Milliarden Dollar.

Platz 19: Boehringer
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Das Labor von Boehringer Ingelheim: Der zweitgrößte deutsche Pharmakonzern ist fest in Familienhand. Die Schwerpunkte liegen auf Mittel gegen Atemwegserkrankungen wie etwa das Lungenmittel Spiriva. Ein weiteres bekanntes Mittel ist Pradaxa, das zur Thrombose-Prävention eingesetzt wird. Geschätzter Umsatz 2015: 12,6 Milliarden Dollar.

Platz 18: Takeda
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Takeda ist der größte japanische Pharmahersteller und bietet Mittel in verschiedenen Therapiegebieten. Die Japaner haben sich 2014 durch die Fusion mit Nycomed deutlich vergrößert und kamen voriges Jahr auf einen Pharmaumsatz von 13,8 Milliarden Dollar.

Platz 17: Allergan
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Allergan hieß früher einmal Actavis und ist unter anderem Hersteller von Botox. 2015 machte das Unternehmen einen Umsatz von 15,1 Milliarden Dollar.

Platz 6: Bayer
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Der größte deutsche Pharmakonzern hat sich im Gegensatz zu dem Jahr 2015 um ganze zehn Platze verbessern können. Der Umsatz 2017: 43,1 Milliarden Dollar. Top-Produkte sind beispielsweise der Gerinnungshemmer Xarelto und das Augenmedikament Eylea.

Platz 15: Novo Nordisk
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Die Produktion von Langzeitinsulin der Firma Novo Nordisk: Der dänische Arzneihersteller ist einer der weltweit führenden Anbieter von Mitteln gegen Diabetes. Er kam im vergangenen Jahr auf einen Umsatz von 16,1 Milliarden Dollar.

Platz 14: Bristol-Myers Squibb
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Der New Yorker Konzern hat seinen Schwerpunkt bei Mitteln gegen HIV und in der Immunologie, aber auch in der Onkologie. Der Pharmaumsatz lag 2015 bei 16,6 Milliarden Dollar.

Durch die Transaktion mit Sanofi steigt das Familienunternehmen mit künftig etwas mehr als vier Milliarden Euro Umsatz in der Tiermedizin zur Nummer zwei in dem Segment auf, nach dem US-Konzern Zoetis. Ziel ist es, in dem Bereich weiter im hohen einstelligen Bereich zu wachsen und Marktanteile zu gewinnen. Insgesamt übernahm Boehringer mit Merial rund 7.000 Mitarbeiter, während im Gegenzug mit dem Verkauf der Selbstmedikation 2.500 Beschäftigte von Boehringer zu Sanofi wechselten. Die Gesamtbelegschaft von Boehringer dürfte damit auf mehr als 50.000 Mitarbeiter wachsen.

„Die strategische Neuausrichtung bietet eine gute Voraussetzung für weitere Innovationen und weiteres Wachstum“, zeigt sich Firmenchef Hubertus von Baumbach überzeugt. Und er verspricht: „Wir werden weiter nachhaltig investieren und werden weiter profitabel wachsen.“ Von Baumbach, ein Urenkel des Firmengründers, hat Mitte 2016 die Führung des Familienunternehmens übernommen.

Auch in den angestammten Geschäftsbereichen hat der Ingelheimer Konzern 2016 wieder Fahrt aufgenommen. Erstmals seit Jahren legten alle Sparten wieder stärker zu als die Branche. Die Humanpharma-Sparte, der mit Abstand wichtigste Bereich, steigerte ihre Erlöse um 7,5 Prozent auf rund 12 Milliarden Euro.

Das Geschäft mit Tiermedikamenten wuchs um 7,1 Prozent auf knapp 1,5 Milliarden Euro, der Bereich Selbstmedikation, der 2016 noch komplett in den Zahlen enthalten war, legte um 4,3 Prozent auf 1,6 Milliarden Euro zu, in der biopharmazeutischen Auftragsproduktion steigerte Boehringer die Erlöse um gut sechs Prozent.

Vor zwei Jahren kämpfte Boehringer im Pharmageschäft mit einer gewissen Schwächephase aufgrund von Patentabläufen, wachsenden Preisdrucks bei Atemwegsmedikamenten und einer Klagewelle im Zusammenhang mit dem Blutverdünner Pradaxa. Diese Wachstumspause erscheint inzwischen überwunden.

Das Topprodukt Spiriva, ein Mittel gegen die sogenannte chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (COPD), verlor 2016 zwar 15 Prozent an Umsatz, nachdem das Patent in Europa ausgelaufen ist. Gleichzeitig verbuchte Boehringer aber kräftige Zuwächse von mehr als 50 Prozent mit seinen Diabetesmitteln.

Finanziell in glänzender Verfassung
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