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Boeing schreibt Milliarden ab Flugzeugbauer räumt in der Bilanz auf

Der US-Flugzeugbauer Boeing muss wegen Schwierigkeiten bei drei Modellen eine Milliardenabschreibung verkraften. Besonders beim Langstreckenflieger Dreamliner sind die Probleme für den Airbus-Rivalen kostspielig.
Update: 22.07.2016 - 09:22 Uhr
Der Flugzeugbauer muss 847 Millionen Dollar auf den Langstreckenjet abschreiben. Quelle: dpa
Boeing 787 Dreamliner

Der Flugzeugbauer muss 847 Millionen Dollar auf den Langstreckenjet abschreiben.

(Foto: dpa)

Chicago Der Airbus-Erzrivale Boeing räumt angesichts der Schwierigkeiten mit einem Tankflugzeug und der schwächelnden Nachfrage nach Jumbos in der Bilanz auf. Insgesamt schmälere das den Gewinn nach Steuern um 2,1 Milliarden Dollar, teilte das Unternehmen am Donnerstag nach US-Börsenschluss mit. An seiner Umsatzprognose hält der Konzern fest. Die Boeing-Zahlen werden kommenden Mittwoch erwartet. Die Aktien gaben im nachbörslichen Handel um ein Prozent nach.

Der größte Batzen von 847 Millionen Dollar (768 Millionen Euro) fällt beim Langstreckenflugzeug Dreamliner an, wie der Konzern am Donnerstag bekanntgab. Hier gibt Boeing die Hoffnung auf, für zwei erste Test-Flugzeuge noch Käufer zu finden. Das Problem mit den beiden Maschinen ist, dass sie für einen kommerziellen Betrieb stark umgerüstet werden müssten und bei ihnen die frühen Schwierigkeiten mit Zulieferern und Konstruktion Spuren hinterlassen haben.

Beim Großraumflugzeug 747-8 (der aktuellen Version des klassischen „Jumbo-Jets“) werden 814 Millionen Dollar abgeschrieben. Boeing wollte zum Jahr 2019 die Produktion auf zwölf Maschinen im Jahr verdoppeln und hoffte dabei auf die Nachfrage nach Frachtversionen. Jetzt bleibt es bis auf weiteres bei sechs Flugzeugen jährlich. Die Airlines kaufen inzwischen ungern große Maschinen mit vier Triebwerken. Auch Airbus hat Absatzprobleme bei seinem Riesen A380. Bei Boeing läuft das sparsamere zweistrahlige Modell 777 besser als der „Jumbo“.

Vom Bootsschuppen zum Luftfahrt-Giganten
Erste Anfänge im Schuppen
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In Seattle im US-Bundesstaat Washington wollte William Boeing eine Jacht bauen. Doch dann entdeckte der Unternehmer seine Faszination für das Fliegen und funktionierte das Gebäude kurzerhand zur Flugzeugfabrik um. Das sollte sich als gute Idee erweisen: Heute ist Boeing Weltmarktführer. Der legendäre „Red Barn“ – der erste Werksschuppen – steht im Luftfahrtmuseum von Seattle.

(Foto: Reuters)
100.000 Dollar Startkapital
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Vor hundert Jahren – am 15. Juli 1916 – gründete Boeing mit einem Startkapital von 100.000 Dollar die Pacific Aero Products Company. Damit war die Basis für Boeings Flug- und Raumfahrt-Imperium gelegt, das zuletzt einen Börsenwert von fast 82 Milliarden Dollar hatte. Was wenig bekannt ist: Auch deutscher Pioniergeist spielte eine wichtige Rolle bei dieser Geschichte. Boeings Wurzeln liegen in Westfalen.

(Foto: Boeing/dpa)
William Boeing
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Im Jahr 1868 brach der deutsche Auswanderer Wilhelm Böing von Hohenlimburg bei Hagen im Sauerland nach Amerika auf, um dort sein Glück als Unternehmer zu versuchen. Er gründete einen Holzhandel und verdiente genug Geld, um seinen Sohn William auf Privatschulen und die Eliteuni Yale zu schicken.

(Foto: Boeing/dpa)
„Königin der Lüfte“
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Aus dem deutschen Namen Böing entstand das amerikanische Boeing – das zum Synonym für das größte Luft- und Raumfahrtunternehmen der Welt wurde. Mit dem Jumbo-Jet 747, „Königin der Lüfte“ genannt, schuf Boeing Ende der 1960er Jahre das jahrzehntelang größten Passagierflugzeug der Welt – und machte damit Fernreisen für Normalbürger überhaupt erschwinglich.

(Foto: Boeing/dpa)
Konkurrenzdruck macht Boeing zu schaffen
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Doch im Jubiläumsjahr steht der Konzern, der stark von US-Rüstungsaufträgen profitiert und dessen Historie auch dunkle Kapitel wie den verheerenden Atombomben-Abwurf auf Hiroshima durch einen Boeing-B-29-Bomber umfasst, vor Herausforderungen. Der Konkurrenzdruck durch den Erzrivalen Airbus macht den Amerikanern zu schaffen. Anleger blickten zuletzt eher bange in die Zukunft, die Boeing-Aktie hat seit dem Jahresbeginn knapp zehn Prozent eingebüßt.

(Foto: Boeing/dpa)
Gleichwertiger Konkurrent
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Wurde Airbus in den 1970er Jahren noch belächelt, haben sich die Europäer längst zum gleichwertigen Konkurrenten aufgeschwungen. Nach dem ersten Passagier- und Frachtjet A300 setzte Airbus Ende der 1980er Jahre mit der A320-Modellfamilie auf den wichtigen Markt der Mittelstreckenjets–- und machte der Boeing 737 Konkurrenz.

(Foto: dpa)
Zwei Riesen im Sinkflug
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Im neuen Jahrtausend musste der Jumbo-Jet seine Rolle als weltgrößtes Passagierflugzeug an die A380 von Airbus abgeben – doch heute befinden sich gleich beide Riesen im Sinkflug. Von der neuesten Jumbo-Generation 747-8 sollen wegen mangelnder Neuaufträge ab September nur noch sechs Maschinen pro Jahr ausgeliefert werden.

(Foto: Reuters)

Für den Rest der Abschreibung von 393 Millionen Dollar sorgt das Tankflugzeug KC-46 für die US-Luftwaffe. Auslöser sind weitere Verzögerungen bei dem Projekt sowie Kosten für einen Umbau der Tank-Vorrichtung. Es ist schon das vierte Mal, dass das Programm höhere Kosten verursacht. Boeing soll zunächst 18 Tankflugzeuge liefern.

Der Konzern aus Seattle schraubte die Produktionsziele herunter. Nun sollen nur noch sechs Maschinen jährlich hergestellt werden. Boeing zeigte sich aber zuversichtlich, dass der Markt bis 2019 wieder anzieht. „Das sind schlechte Nachrichten“ sagte Luftfahrtanalyst Richard Aboulafia vom Marktforschungsunternehmen Teal Group, zumal Kosten für die Produktionsverzögerungen beim 787-Dreamliner noch nicht enthalten seien.

  • dpa
  • rtr
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