Bombardier leidet unter Auftragsflaute Kanadischer Flugzeug- und Zugbauer macht noch mehr Verlust

Der Flugzeug- und Zughersteller Bombardier hat zu wenige Aufträge. Die Kanadier rutschen noch weiter in die Verlustzone. Die Zukunft der sieben Werke in Deutschland ist immer noch ungewiss. Es droht ein Stellenabbau.
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Der Verlust beim Flugzeug- und Zughersteller Bombardier bleibt überraschend hoch. „Unser Plan für die Trendwende ist in vollem Gange“, sagte Konzernchef Alain Bellemare. Quelle: AP
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Der Verlust beim Flugzeug- und Zughersteller Bombardier bleibt überraschend hoch. „Unser Plan für die Trendwende ist in vollem Gange“, sagte Konzernchef Alain Bellemare.

(Foto: AP)

DüsseldorfDer Verlust beim Flugzeug- und Zughersteller Bombardier bleibt überraschend hoch. Im vierten Quartal lag das Minus bei 251 Millionen Dollar und fiel damit rund vier Mal höher aus als von Experten erwartet, teilten die Kanadier am Donnerstag mit. Vor Jahresfrist waren es wegen massiver Abschreibungen allerdings noch 679 Millionen Dollar. „Unser Plan für die Trendwende ist in vollem Gange“, sagte Konzernchef Alain Bellemare.

Die kanadische Regierung hatte jüngst einen Kredit zugesagt. Damit sollen die Entwicklung von Flugzeugen der C-Serie sowie des Business-Jets Global 7000 unterstützt werden.

Die größten Zulieferer der Luftfahrt
Platz 10: Spirit Aerosystems
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Das Jahr 2015 war für den US-Flugzeugrumpf-Hersteller ein gutes Jahr. Zwar sank der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um knapp zwei Prozent auf 6,6 Milliarden Dollar. Der Gewinn legte allerdings einen unglaublichen Sprung auf 863 Millionen Dollar hin, was einem Plus von 144% entspricht. Die wichtigsten Kunden von Spirit sind die beiden „big player“ der Flugzeugbranche: Boeing und Airbus.

Quelle: Flightglobal

Platz 9: Precision Castparts
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Das Gießereiunternehmen PCC ist seit Januar 2016 ein Teil der US-amerikanischen Holdinggesellschaft Berkshire Hathaway, der der Großinvestor und Multimilliardär Warren Buffet vorsitzt. Der Umsatz von Precision Castparts beläuft sich für das Jahr 2015 auf rund 6,9 Milliarden Dollar. Fast 70 Prozent davon werden in der Flugzeugbranche erwirtschaftet. Der US-Konzern führt allerdings noch eine andere Rangliste an, über die das Unternehmen aus Portland gewiss lieber schweigt: Der Toxic 100 Index gibt die 100 größten Luftverschmutzer in den USA an – PCC steht mit meilenweitem Abstand an der Spitze.

Platz 8: Mitsubishi
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Mitsubishi steht für viel mehr als nur die bekannten Automodelle. Die japanische Marke steht für weit über zweihundert von einander unabhängige Konzerne, Unternehmen, Stiftungen und andere Organisationen. Darunter findet sich auch die Mitsubishi Aircraft Corporation, die zu einem Großteil (64%) zu Mitsubishi Heavy Industries gehört. Neben dem Bau eines eigenen, für den Regionalverkehr genutzten Flugzeugs, sind die Japaner weiterhin einer der Hauptlieferanten von Boeing und stellen beispielsweise die Tragflächen der Boeing 787 her. Der Umsatz beläuft sich auf 8,5 Milliarden Dollar.

Platz 7: Textron
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In der Flugbranche ist der US-amerikanische Mischkonzern Textron stark verankert. Neben Hubschrauber- (Bell Helicopter) und Flugzeug-Herstellern (Cessna) gehören unter anderem auch Lycoming und Textron Systems zum Konzern, die respektive für die Herstellung von Flugmotoren und Avionik – ein allgemein gültiger Begriff für Flugzeugelektronik – verantwortlich sind. Im Vergleich zum Vorjahr sank der Umsatz 2015 zwar um knapp sechs Prozent auf rund 9,8 Milliarden Dollar, der Gewinn ging nichtsdestotrotz leicht nach oben – plus zwei Prozent auf 929 Millionen Dollar.

Platz 6: L3 Technologies (ehemals L-3 Communications)
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Das US-Unternehmen aus New York stellt neben sicheren Kommunikationssystemen und Produkten auch Instrumente für die Navigation, die in Raumfahrt und Flugwesen eingesetzt werden. Eines der vielen Tochterunternehmen – L3 Communications Security and Detection Systems – sorgte als Hersteller von Körperscannern vor wenigen Jahren in Deutschland für Aufsehen. Seit 2010 werden solche Scanner am Hamburger Flughafen getestet. Anfang Dezember 2016 gab das Unternehmen die Umbenennung in L3 Technologies bekannt, die mit dem Jahreswechsel in Kraft trat. Der Umsatz belief sich 2015 auf 10,5 Milliarden Dollar.

Platz 5: Honeywell
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Auch der klassische US-Mischkonzern ist einer der Hauptlieferanten für Airbus und Boeing und stellt verschiedenste Flugzeugteile her – unter anderem auch Triebwerke für Businessjets. Die 12,3 Milliarden Dollar Umsatz werden allerdings auch durch die NASA ermöglicht. Die Raumfahrtbehörde bezieht unterschiedliche Systeme meist von der Sparte Honeywell Aerospace.

Platz 4: Rolls-Royce
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Der Rolls-Royce unter den Triebwerkherstellern ist Rolls-Royce selbst. Neben den luxuriösen Automobilen ist die Rolls-Royce plc für die Herstellung von Triebwerken und Komponenten bekannt, die sowohl in der zivilen als auch militärischen Luftfahrt verwendet werden. Falcon, Griffon, Merlin – die Namen der verschiedenen Kolbentriebwerke des britischen Unternehmens sind vielfältig. Der Konzern konnte im Jahr 2015 rund 13,7 Milliarden Dollar umsetzen.

Das Unternehmen leidet unter mauer Auftragslage. Ende Oktober hatte der Konzern mitgeteilt, im Zuge des Sparkurses weltweit 7.500 Arbeitsplätze zu streichen. Auch die sieben Werke in Deutschland sind vom Stellenabbau betroffen. Um die Spezialisierung voranzutreiben, will der Konzern bis Juli ein genaues Konzept vorlegen. Noch ist unklar, wie viele Jobs gefährdet sind.

Erst im Sommer werden die deutschen Beschäftigten Klarheit über die Zukunft ihrer Standorte erhalten. Langfristige Garantien werde es nicht geben, erklärte Deutschlandchef Michael Fohrer kürzlich. Man wolle aber jeden Standort auf den Weg zur Rentabilität bringen. „In den vergangenen fünf Jahren war die deutsche Bilanz leider negativ.“

Der bisherige Plan des Managements sieht vor, im größten deutschen Standort in Hennigsdorf bei Berlin die Serienfertigung von Zügen einzustellen. Nur Prototypen und Testfahrzeuge sollen dort noch entstehen. „Hennigsdorf beabsichtigen wir als Kompetenzzentrum für die Entwicklung von S- und U-Bahnen sowie Regional- und Fernzügen auszubauen“, kündigte Fohrer an. „Die Serienfertigung soll dann an den Standort Bautzen gehen.“ Dazu spreche Bombardier mit dem Freistaat Sachsen über Fördermittel.

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