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Boris Gorella „Für uns muss kein Baum gefällt werden“: Wie der neue Pfleiderer-Chef vom Holzmangel profitiert

Der bayerische Holzwerkstoffhersteller hat eine harte Sanierung hinter sich. Der neue Chef setzt trotz turbulenten Marktes auf Wachstum.
24.06.2021 - 17:24 Uhr Kommentieren
Der Pfleiderer-Chef startete seine Karriere bei der Rehau-Gruppe. Quelle: Pfleiderer
Boris Gorella

Der Pfleiderer-Chef startete seine Karriere bei der Rehau-Gruppe.

(Foto: Pfleiderer)

Düsseldorf Der momentane Lieferengpass beim Holz macht Boris Gorella, Vorsitzender der Geschäftsführung beim bayerischen Holzwerkstoffhersteller Pfleiderer, überraschenderweise keine Sorgen. Denn während etwa die Bauindustrie darunter ächzt, dass nach der Borkenkäferplage in Kanada das globale Angebot an dem nachwachsenden Rohstoff dramatisch verknappt wurde, konzentriert sich das Traditionsunternehmen aus Neumarkt in der Oberpfalz lieber auf die Lösung.

„Für unsere Produkte muss im Prinzip kein neuer Baum gefällt werden“, erklärt der Manager, der im Februar die Führung bei Pfleiderer übernommen hat, dem Handelsblatt. Der Grund: „Der Großteil unseres Vormaterials stammt aus Altprodukten aus dem Endverbraucherbereich, wie zum Beispiel nicht mehr benötigte Küchen oder Möbel, die wir recyceln und zu hochwertigen Produkten weiterverarbeiten.“

Wie groß der Unterschied zu Massivholz ist, sei eine technologische Frage: „Mittlerweile sind wir in der Lage, durch bestimmte Papierauflagen dreidimensionale haptische Strukturen zu erzeugen, die von der Maserung klassischer Naturhölzer kaum noch zu unterscheiden sind.“ Und so profitiert Pfleiderer derzeit eher von der Holzkrise, als darunter zu leiden.

Für den Traditionskonzern, der 1894 als Holzhandel und Flößerei von Gustav Adolf Pfleiderer gegründet und bis zum Börsengang Ende der 1990er-Jahre weitgehend als Familienunternehmen geführt wurde, ist es eine Rückbesinnung auf die Wurzeln. Denn zur Jahrtausendwende war Pfleiderer durch einen erratischen Expansionskurs in eine schwierige Situation geraten. 2012 musste das Unternehmen, auch durch die Folgen der Finanzkrise, Insolvenz anmelden.

Nach einem kurzen Ausflug an die polnische Börse in Warschau und der mehrheitlichen Übernahme durch die Private-Equity-Gesellschaft Strategic Value Partners im Jahr 2019 brachte der Konzern ein schmerzhaftes Sanierungsprogramm hinter sich. Gorella soll Pfleiderer nun wieder auf Wachstumskurs führen.

Nachhaltigkeit spielt entscheidende Rolle

Nachhaltigkeit und Recycling spielen dabei eine maßgebliche Rolle. Seine berufliche Laufbahn begann der 55-Jährige bei der deutsch-schweizerischen Rehau-Gruppe, die Kunststoffprodukte beispielsweise für die Automobil-, Möbel- oder Bauindustrie herstellt. Nach Stationen bei AT Kearney und McKinsey leitete er ab 2002 die Sparte Bauchemie für den Spezialchemiehersteller Evonik in Singapur.

Infolge der Übernahme des Geschäftsbereichs durch die BASF wechselte er für den neuen Eigentümer zunächst nach Schanghai und war anschließend für den Finanzinvestor KKR in London tätig. 2011 trat er den Vorstandsvorsitz beim Industrielackhersteller Beckers an und schärfte dessen Nachhaltigkeitsstrategie.

Auch bei Pfleiderer will der promovierte Chemiker in Zukunft stärker auf Produkte setzen, die auf den Megatrend einer nachhaltigeren Wirtschaft einzahlen: „Wir streben an, unsere Position als nachhaltigstes Unternehmen der Branche auszubauen.“ Den Ansatz habe Pfleiderer mit den jüngst emittierten Anleihen unterstrichen, deren Zinssatz an die Erreichung bestimmter Nachhaltigkeitsziele gekoppelt ist. „Für uns ist das ein gutes Instrument, dem Kapitalmarkt unser Commitment deutlich zu machen und von attraktiveren Finanzierungsbedingungen zu profitieren.“

Eine wichtige Kennzahl ist dabei der Anteil der recycelten Rohstoffe: Bis 2025, so sehen es die Ziele vor, soll der Wert auf 50 Prozent steigen. Zudem hat sich Pfleiderer verpflichtet, die CO2-Emissionen im gleichen Zeitraum um 21 Prozent zu reduzieren. Dabei schaffe die Vereinbarung mit den Investoren Anreize, „immer besser zu werden und die gesetzten Ziele auch einzuhalten“, sagte Gorella.

Rückenwind erhält das Unternehmen von der aktuellen Angebotskrise in der Holzindustrie. „Wir spüren, wie die Holzwerkstoffindustrie insgesamt, derzeit eine hohe Nachfrage nach unseren Produkten“, so der Manager. Pfleiderer sei über Monate ausverkauft. „Von der Frisch- und Bauholzkrise sind wir wegen unseres hohen Recyclinganteils und des bestehenden Vorproduktmixes quasi nicht betroffen. Teilweise gibt es Lieferengpässe auf der Rohstoffseite, die wir natürlich intensiv beobachten.“

Experten wie Manfred Fischedick, wissenschaftlicher Geschäftsführer des Wuppertal-Instituts für Klima, Umwelt und Energie, sehen in einer Steigerung des Recyclinganteils auch eine Antwort auf drohende Rohstoffknappheiten. So ließe sich die „Verletzlichkeit der Produktionsstrukturen nur über das frühe Nachdenken über Materialsubstitute und geschlossene Recyclingkreisläufe begrenzen“, so Fischedick.

Beste Aussichten für Pfleiderer.

Mehr: Wirtschaftsminister Altmaier will gegen den Holzmangel vorgehen. Derzeit geltende Beschränkungen sollen schnellstens rückgängig gemacht werden.

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